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Gesehen: DIE VIER VON NEBENAN

Theaterjugendclub des Staatstheaters Cottbus, Premiere, 25.5.2012, Glad-House

von Anika Goldhahn, Kultur

pictures/artikel/IMG_42346958.jpgWas ist schon normal? Wer bestimmt das? Wer ist denn heutzutage noch ganz normal? Isabella, Lucy, Barry und Norman sind es auf jeden Fall nicht. Isabella ist verrückt – verrückt nach Russland. Lucy liebt landwirtschaftliche Jahrbücher – trotzdem oder gerade weil sie nicht lesen kann. Barry, der selbsternannte Golfprofi haut sich liebend gern seinen Golfschläger um und dabei auch seine Golfschüler über die Ohren, denn Barry kann vieles, aber bestimmt nicht Golf spielen. Und für Norman ist die Welt in Ordnung, so lange er einen Krapfen in der einen Hand, und seinen Schlüsselbund in der anderen hat.
Das Theaterstück „Die Vier von Nebenan“, frei nach Tim Griffins „The Boys Next Door“, inszeniert vom Jugendclub des Staatstheaters im Glad-House handelt von einer betreuten Wohngemeinschaft geistig behinderter Menschen. Das eigentlich hoch sensible Thema wird mit einer umwerfenden Komik behandelt, die dem Publikum das Leben mit Behinderung ohne Klischees und knallhart näher bringt.
„Es ist so wichtig, den Zuschauern ins Bewusstsein zu rufen, dass alle Menschen anders sind. Was ist denn schon normal? Keiner ist wirklich normal“, sagte Conny Kegel (23). Sie selbst hat beim Cottbuser Lebenshilfe e.V. ein Praktikum gemacht.
Während der Aufführung kringelten sich die Zuschauer immer wieder vor Lachen. Dabei handelte es sich keines Falls um ein Lustigmachen über Behinderungen. Eher war es die ansteckende Leichtigkeit der vier Charaktere. Lucy, Isabella, Norman und Barry erscheinen oft viel glücklicher, als ihre Betreuerin Olivia. Die ist mit ihrem Beruf total überfordert und findet sich selbst zum Kotzen. Ständig verliert sie die Nerven und wirft gerne mal in Wutanfällen mit Toastern um sich. Und das soll normal sein?
Normal sind auch die schauspielerischen Leistungen nicht – nicht für Laiendarsteller. Judith Brockmann, Benjamin Kühn, Nicole Tschentscher, Johann Kufs, Victoria Forberger, Rüdiger Götze, Sophia Michael, Marcus Schultze und Jakob Grundmann beeindruckten mit unglaublich komischen Slapstick und emotionalen Monologen. Nicht immer konnte der Jugendclub des Staatstheaters so glänzen, nicht immer gelangen Anniki Nugis Regiearbeiten mit den Jugendlichen. Sie verabschiedet sich mit diesem ganz besonderen Stück aus Cottbus. Was für eine Steigerung und bleibende Erinnerung, Bravo!


Foto: Marlies Kross
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