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Gesehen: An der Arche um Acht

Piccolo Theater, 3. Juni 2012

von Christiane Freitag, Kultur

pictures/artikel/IMG_42347462.jpgMit „An der Arche um Acht“ hatte am 3. Juni ein Sommertheaterstück (ab 5 Jahren) Premiere am Piccolo Theater mit dem sich die Macher wirklich Großes vorgenommen haben.
Regisseurin Monika Gerboc stellt darin bedeutungsschwere Fragen: Wer ist eigentlich Gott? Und gibt es ihn überhaupt? Wo ist er und warum hat ihn noch keiner gesehen? Und warum noch mal sollen wir seinen Regeln folgen?
Solche Fragen zu beantworten, ist die eine Schwierigkeit. Dies kindgerecht und/oder plausibel zu tun, eine andere. Doch beides ist der Inszenierung am Piccolo Theater gelungen!
Grundlage des Stücks ist der gleichnamige Bestseller von Ulrich Hub. Die Geschichte handelt von drei Pinguinen, die mehr oder weniger gelangweilt am Südpol hocken und sich zur Abwechslung auch liebend gern mal über Gott und die Welt streiten – im wahrsten Wortsinn – bis ihnen eine Taube einen Besuch abstattet, um ihnen von der kommenden Sintflut zu berichten. An Noahs Arche, um Acht, haben sich bitte zwei Pinguine einzufinden, die mit auf die Reise dürfen und dem Ertrinken entgehen. Nun sind es aber DREI Pinguine. Kurzerhand wird also der Dritte geschmuggelt und die abenteuerliche Fahrt beginnt… . Die vier SchauspielerInnen Maria Schneider, Heide Zengerle, Hauke Grewe und Matthias Heine führen dabei mit einer so herrlich komödiantischen Darbietung durch die alt-testamentarische Thematik, dass der vermeintlich schwere Stoff mit einer Leichtigkeit daher kommt, die gerade für die jüngeren Zuschauer ideal ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die streitlustigen Pinguine mit ihren dicken Bäuchen und die verzweifelt gurrende Taube auf Rollschuhen ein urkomisches Talent beweisen, kein Auge trocken lassen und kein Zwerchfell unstrapaziert. Und alles trotz der hartnäckig-im Raum stehenden Frage, an der sich bis heut die Geister scheiden, warum Gott nun die von ihm geschaffenen und geliebten Menschen ertrinken lässt, obwohl er doch selber vorgibt: „Du sollst nicht töten!“ Am Ende bleibt das Stück dazu, wie sollte es auch anders sein, eine Antwort mehr oder weniger schuldig - die moralische Anregung darüber nachzudenken jedoch nicht. Und die Inszenierung beweist dabei, wie man mit solchen Themen sensibel und humoristisch umgeht.
Chapeau liebes Piccolo Theater!


Foto: Michael Helbig
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