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Gesehen: Dieter Moors Geschichten aus der „arschlochfreien Zone“

Gastspiel, 3. Mai 2012, Staatstheater Großes Haus

von Christiane Freitag, Kultur

„Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist. Und es gibt: Brandenburg, Brandenburg. In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder jemand gegen einen Baum gegurkt, was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg? Es ist nicht alles Chanel es ist meistens Schlecker, kein Wunder dass so viele von hier weggehen,
aus Brandenburg.“ – singt ein bekannter Kabarettist in seiner Odé Brandenburg. Das ist zwar ganz lustig aber eben auch nur die halbe Wahrheit. Ist niemand Brandenburg wohlgesonnen? Doch! Dieter Moors Buch „Was wir nicht haben, brauchen sie nicht. Geschichten aus der arschlochfreien Zone“ ist genau das. Endlich! Mit seiner Lesung der „Geschichten aus der „arschlochfreien Zone“ am 3. Mai 2012 im Großen Haus des Staatstheaters lieferte er das Kontrastprogramm und bricht mit schweizerischem Wohlwollen eine Lanze für das dann doch gar nicht so üble Land Brandenburg.
Der ttt-Moderator, der seit 2003 mit seiner Frau Sonia im beschaulichen Dörfchen „Amerika“ lebt, ist ursprünglich Schweizer und erzählt in seinem Buch auf brüllend komische Weise, wie es ist mehr oder weniger spontan zu entscheiden auszuwandern – in die Nähe von Berlin. Und wie es ist, festzustellen, dass ´in der Nähe von Berlin´ ´Brandenburg´ heißt. Und wie es ist, plötzlich eine Familie in Deutschland mit Migrationshintergrund zu sein. Mit humoristischen Überspitzungen an denen immer auch ein Funke Wahrheit ist, schildert er die Geschichte wie er und der kleine Schweizer in ihm, seine Frau Sonia, vier Katzen, zwei Hunde und einige andere Vierbeiner auf das brandenburgische Temperament treffen und was sie dabei so alles erleben: Wie einfach manche Dinge hier funktionieren und wie kompliziert andere. Wie freundlich einige und vermeint unverschämt andere sind. Aber vor allem wie schön es hier doch ist.
In der Lesung nahm Dieter Moor, sichtlich gerührt über die zahlreich erschienenen Zuhörer, selbige mit auf eine Reise vorbei an unsachgemäß installierten Verkehrsschildern, an einem Dorfladen dessen Inhaberin und Verkäuferin ebenso gut von der Kundenabwehr sein könnte, vorbei an einem kuriosen Reiterdenkmal ohne Reiter und schließlich beteiligt er es am hinterhältigen Meucheln einer fiesen Tanne vorm Küchenfenster. Dabei streichelt er nicht nur mit seiner tief-sanften Stimme die Ohren seiner Zuhörer sondern auch die Seelen der anwesenden Brandenburger. Er vergisst nie den nötigen Respekt vor hiesigen Eigenheiten zu wahren aber auch alles mit seinem Augenzwinkern zu meinen. So sind Moors Geschichten aus der arschlochfreien Zone wundervoll amüsant geschriebene Komplimente an das Brandenburger Land sowie an die Leute. Geschichten, die schon längst mal einer hätte aufschreiben müssen.
Ein schöner Abend der zeigt, dass wir uns trotz aller Unterschiede doch sehr ähnlich sind und Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Dieter Moor
Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht, Geschichten aus der arschlochfreien Zone
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 26 (2. November 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499624753
ISBN-13: 978-3499624759

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