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Gesehen: 7. Philharmonisches Konzert

Staatstheater Cottbus, 13. Mai 2012

von Jens Pittasch, Kultur

In wenigen Tagen, am 8. Juni, endet die Konzertsaison des Philharmonischen Orchesters mit einem furiosen Großereignis in der Lausitz Arena. Einige hundert Mitwirkende werden ein kleines Auftragswerk und eine monumentale Sinfonie (Nr. 3 d-Moll, Gustav Mahler) erklingen lassen, wo sonst an sportlichen Rekorden gearbeitet wird.
Zuvor, Mitte Mai, hatten wir das Vergnügen, unser Orchester, unter Leitung seines Generalmusikdirektors Evan Christ, nochmals im Theater zu hören. Gleich vier Werke standen im Programm: zweimal Debussy, eine Uraufführung und ein Klavierkonzert.

Ein stiller, holzgeblasener Auftakt steht am Beginn der „Trois Nocturnes“ von Claude Debussy. Leise setzen Streicher ein und sanftes Trommeln. „Nuages“ (Wolken) ist der erste Satz benannt. Auf wunderschöner Musik treiben diese durch den Abend und verleiten zum Träumen. Doch dann ruft die Musik im 2. Satz zum Feiern: „Fêtes“ (Feste) heißt dieser Teil, und ganz offenbar gibt es dort viel zu erleben, wie die Vielfalt der Klangbilder erzählt.
Wie herbeigelockt, vom Treiben betreten die Damen des Opernchores die Bühne für den 3. Satz „Sirènes“. Um sogleich eine Fabelwelt des Gesanges zu entfalten, der ganz sicher auch den stärksten Seemann in seinen Bann ziehen würde. Die Klänge des Orchesters, die Stimmen der Sängerinnen (Einstudierung Christian Möbius), alles ergibt ein Fließen, ein Spiel der Wellen, den Wind, die Nebel. Wir treiben in diesem - sehr gefühlvoll und ganz meisterlich interpretierten Geheimnis, - dann ist es fast zu schnell vorbei.

Noch kurz können wir den Eindrücken nachgehen, während auf der Bühne der Umbau auf das Konzert für Klavier und Orchester des bereits angesprochenen György Ligeti erfolgt.
In Siebenbürgen (Rumänien) 1923 geboren, gilt er als österreichischer Komponist ungarischer und jüdischer Herkunft. Unser Solist ist Markus Bellheim (39).
Jazzig tönt es zunächst durch den Saal. Bunt umherfliegende Töne, die Oktaven des Klaviers hinauf und hinunter. Percussions- und Schlagwerke aller Art hinzu. Das Orchester ist für die schrille Begleitung zuständig.
Ich fühle erst Jazzgefühl, dann Schreck, dann Freude über den gelungenen Kontrast zu Debussy. Doch plötzlich wird es still. Nur noch eine Flöte tönt leise, dann von ganz sanftem Bassstreichen begleitet. In aller Behutsamkeit baut sich das Motiv weiter auf, bis einzelne Klaviersaiten angeschlagen werden und es im Stil einer Improvisation weiterführen.
Nun heftige Weckrufe im Orchester - bis ein kreischender Chorus aus allem wird.
Das ungewöhnliche Werk hält noch manche Herausforderung für die Musiker und Überraschungen für uns bereit. Auch das Zuhören ist eine Herausforderung und nichts für schwache Nerven. Wahrlich alles andere, als leichte Kost bekommen wir da zu hören. Doch ein Genuss, wie das Philharmonische Orchester und Markus Bellheim dies zum Erlebnis werden lassen. Ohne Zugabe lässt das Publikum ihn nicht gehen. Er bringt ein munteres, kleines Stück wie zu einem chaotisch-turbulenten Stummfilm gehörend und gespielt, wie mit mindestens 30 Fingern. Eine schöne Pausenüberleitung nach höchster Anspannung.

Danach erwartet uns eine weitere der für Cottbus geschaffenen Uraufführungen.
Jacopo Baboni Schlingli (geb. 1971) ist ein in Paris lebender Mailänder und komponiert für Installationen, Filme und Solisten, jedoch auch für Kammerorchester und große Ensembles.
Außerdem ist er Musikpädagoge und Musikästhetiker. Und auf der Schulbank sitzen nun wir um sein Werk „Natura-Phœnix“ kennenzulernen.
Und in der Tat präsentiert er ein sehr schönes Lehrstück, das zeigt, wie man als heutiger Komponist die vielfältigen Möglichkeiten der klassischen Orchesterinstrumentierung - für wirklich moderne Musik - nutzt. Aus seinen wenigen Minuten sprechen eine Idee und deren klangvoll, intelligent, gekonnte Umsetzung - ganz ohne Zimbeln, Stahlschienen und weitere disharmonische Experimente. Schlinglis Phönix wünscht man eine weitere Auferstehung im Rahmen eines längeren Werkes.

Mit Debussy gingen wir für das Ende eines schönen Konzertabends ans Meer.
„La Mer“ beginnt still „vom Sonnenaufgang bis zum Mittag“, um uns verspielt bis stürmisch, ruhig bis mitreißend im „Spiel der Wellen“ zu begleiten und uns in einer „Zwiesprache von Wind und Meer“ Geschichten zu erzählen, wie es nur das Meer kann. Mit einer dramatischen Steigerung erhalten wir dann den Energieschub für eine kraftvolle, neue Woche.
Meinen großen Dank.
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