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Carta de Ecuador

Alkohol – fair, bio und nicht nur zum Trinken!

von Katharina Scholz, Ecuador, Politik

pictures/artikel/IMG_42364061.jpgIn vielen Produkten, die wir im Alltag konsumieren, steckt Alkohol, z.B. in Parfum, Aftershave oder der Flüssigkeit für Kontaktlinsen. Doch wo kommt er eigentlich her?
Ein großer Teil des industriellen Alkohols wird aus Zuckerrohr hergestellt. Diese Pflanzen werden oft auf riesigen Plantagen angebaut und mit (Un-)Mengen an Pestiziden behandelt. Alle sechs Monate wird geerntet. Das Feld brennt man anschließend nieder, um es anschließend wieder zu bepflanzen. Diese Methode ist für das Klima und die Umwelt sehr schädlich. Daneben gibt es aber z.B. Kleinbauern in den Bergen Ecuadors, welche das Zuckerrohr auf eine nachhaltigere Weise anbauen: Sie sind zu arm, um sich Pestizide leisten zu können. Mangels großer Maschinen und aufgrund des unebenen Geländes wird mit der Hand geerntet. Mit der Machete werden nur die reifen Pflanzen abgeschlagen. Der Rest bleibt stehen und man verzichtet auf das Abbrennen.
Der Markt für Alkohol wird jedoch von wenigen großen Unternehmen beherrscht. Den Familien bleibt oft nichts anderes übrig, als ihr Produkt an die Zwischenhändler zu verkaufen – zu einem sehr niedrigen Preis. Viele Kleinbauern kämpfen gegen die Armut an, doch nur selten eröffnen sich in diesen ländlich geprägten Regionen neue Möglichkeiten.
CADO, eine Kooperative von Zuckerrohrbauern zeigt Alternativen auf: Im hügeligen Herzen Ecuadors haben sich über 180 Familien zusammengeschlossen, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben und die Zwischenhändler zu umgehen. Dies ermöglicht das Erzielen einen wesentlich höheren Preises. Mit der Unterstützung einer NGO war ein Wissenstransfer möglich, durch den die Qualität des Alkohols verbessert, sowie das Umweltbewusstsein erhöht werden konnte. Zudem ist jedes Mitglied ein Teil der Kooperative und kann bei den alle zwei Monate stattfindenden Vollversammlungen seine Interessen vortragen sowie über die kommenden Vorhaben abstimmen.
Die Kleinbauern haben sich zu der Einhaltung verschiedener Regeln verpflichtet. Diese lauten z.B.: Betreiben einer biologischen Landwirtschaft, keine Kinderarbeit, gerechte Behandlung der Angestellten, Einhaltung der Sicherheits- und Hygienestandards, regelmäßige Teilnahme an den Versammlungen, Weiterbildungen und „Mingas“, sowie der Schutz der natürlichen Ökosysteme und v.a. der Wasserquellen.
Die Kooperative CADO besitzt beide Zertifizierungen – bio und fair. Die Bauern selbst stellen einen Schnaps mit ca. 65% her, welcher anschließend in einer Fabrik (ebenfalls bio und fair-zertifiziert) zu Ethanol (96,3%) verarbeitet wird.
Dieser industrielle Bio- und Fairtrade-Alkohol wartet nun darauf, z.B. in Kosmetikprodukten Verwendung zu finden. Die Autorin absolviert derzeit ein Praktikum bei der vorgestellten Kooperative und hilft den Bauern bei der Entwicklung einer Marketingstrategie. Ein fairer(er) Handel braucht faire(re) Kunden - ohne die funktioniert es nicht!
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