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Nachbetrachtung zum 8. Mai

von Ziel und Kurs Cottbus, Politik

pictures/artikel/IMG_42364720.jpgWie angekündigt, organisierte ZK Cottbus mit Unterstützung von weiteren sozialistischen und antifaschistischen Gruppierungen am Tag der Befreiung eine Kundgebung vor der Stadthalle mit einer anschließenden Demonstration zum sowjetischen Ehrenmal auf dem Nordfriedhof. In Summe beteiligten sich über einhundert Bürger aus verschiedenen Spektren und von jung bis alt an den Aktionen, um dem Ende der faschistischen Nacht in Deutschland zu gedenken. Neben roten Fahnen, Schildern und mehreren Spruchbändern wurde der Aufzug von einem Transparent mit der Losung „8.Mai – Tag der Befreiung vom Faschismus“ angeführt. Damit wurde allen Bestrebungen eine klare Absage erteilt, die die Kapitulation der Naziherrschaft als unsere Niederlage, schwarzen Tag für Deutschland oder gar Tiefpunkt der deutschen Geschichte umzudeuten versuchen. Während Unmutsbekundungen ausblieben, schlossen sich sogar Passanten dem Marsch an und bedauerten, dass dieser zukunftsweisende Schnitt von offizieller Seite kaum Beachtung geschenkt und offenbar bewusst vergessen wird, wem wir das Ende des braunen Terrors zu verdanken haben. Maßgeblich für diesen Umstand ist der Löwenanteil der Roten Armee und der Sowjetunion im Allgemeinen, die mit Abstand die meisten Opfer an Menschen und Material brachte und deren am dichtesten besiedeltes Gebiet die größten Verwüstungen erlitten hat.
Der Erfolg der ersten Cottbuser Veranstaltung dieser Art seit Jahren ist umso erfreulicher, als dass er in einem verschärften Klima des Antikommunismus erzielt wurde. Seine Leitlinie ist dabei so alt wie der theoretische Kommunismus selbst und wird seit jeher von denjenigen Kreisen vorangetrieben, die in ihm die stärkste Bedrohung für ihre herrschaftlichen Standards sehen. Neben dem Adel, der weltweit nur noch von geringer Bedeutung ist, formierte sich von Beginn an das Großbürgertum als entschlossenster Widersacher gegen die neue Bewegung. Hierzu vereinigten und vereinigen sich nicht nur konkurrierende Kapitalisten, sondern auch die Bourgeoisien verfeindeter Staaten. Ein herausragendes Beispiel stellt der russische Bürgerkrieg infolge der sozialistischen Oktoberrevolution dar, als die zaristischen Truppen von zahlreichen Kontingenten von insgesamt 14 Nationen darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA unterstützt wurden, die kurz zuvor noch für „Gott und Vaterland“ gegeneinander in den Krieg zogen. Ein gutes Jahrzehnt später einigte sich die gespaltene deutsche Großindustrie auf die gemeinsame Finanzierung der Hitlerpartei, da dieser sein Wort gab und hielt, mit allen Kräften den Bolschewismus zu bekämpfen. In der BRD wurde wenige Jahre nach Ende des Krieges die KPD verboten, die als einzige Partei geschlossen und entschlossen den Nazis entgegentrat – die Urteile gegen Kommunisten und als solche „Verdächtigte“ überstiegen um das siebenfache(!) die gegen Kriegsverbrecher. Vor wenigen Monaten konnten wir alle beobachten, wie die Massenmedien und bürgerlichen Parteien als Interessenvertreter der hiesigen Kapitalistenklasse eine wahre Hexenjagd gegen Gesine Lötzsch eröffneten, weil sie es wagte, das verhasste K-Wort auch nur in den Mund zu nehmen.
Doch diese Hysterie von Seiten der Herrschenden ist Ausdruck der allgemeinen Krise des Kapitalismus, die immer tiefer in die Gesellschaft eindringt und den Nährboden schafft, dass die Arbeiter, Angestellten und Arbeitslosen nicht mehr dem Märchen der Alternativlosigkeit des gegenwärtigen Systems glauben und sich nach eben solchen Alternativen hinwenden. Wir – und damit sind alle fortschrittlichen und freiheitlich gesinnten Menschen aufgefordert – dürfen uns nicht vom gemeinsamen Gegner spalten lassen. Viele von uns haben am 12. Mai selbst erlebt, was passiert, wenn die Ausbeuter ernst machen. Mit Hilfe ihrer Staatsmacht wurde der NPD einen ganzen Tag lang unsere Stadt frei geprügelt – und das nicht, um demokratische Grundrechte zu verteidigen, sondern damit der Faschismus als aggressivster Verteidiger des deutschen Imperialismus für den Tag warmgehalten wird, an dem der gesellschaftliche Widerstand sich nicht mehr nur vom Antikommunismus der bürgerlichen Parteien verwirren lässt.
Sowohl 8. wie 12. Mai haben gezeigt: Unser gemeinsames Streben nach einer friedliebenden und solidarischen Gesellschaft wiegt stärker als der ideologische Druck durch Springerpresse und reaktionäre Geschichtsdeutung.
Nur, wenn wir uns nicht spalten lassen, können wir unseren Feinden siegreich entgegentreten!
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