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Gesehen: DER FALL DES HAUSES USHER

Premiere, 14.4.2012, Staatstheater, Großes Haus

von Jens Pittasch, Kultur

pictures/artikel/IMG_42365308.jpgWas machen Sie am 18. oder 31. Mai oder am 3. Juni? Noch nichts? Das kann garnicht sein. Denn selbst wenn Sie beim Besucherservice keine Karte mehr für dieses Stück erhalten sollten, kommen Sie bitte am Abend zur Kammerbühne und mogeln sich irgendwie in diese Aufführung!
Dann heißt es auch für Sie: Willkommen in der Rocky-Horror-Picture-Show! Wahlweise auch bei den Doktoren Mabuse und Frankenstein, Niederlassung Metropolis, Außenstelle Cottbus.

Edgar Allan Poe sagt Ihnen sicher etwas: „Die Grube und das Pendel“, „Im Wirbel des Malstroem“, „Der Rabe“,... Grusel, Grauen, Nervenkitzel.
Mir fiel ein Reclam-Büchlein von ihm als Kind in die Hände und weckte - gemeinsam mit anderen - die Lust am Lesen. Was andere für Bilder zu seinen Worten fanden, im Film, wollte mir dann nie so recht gefallen.
Hier aber, zu Hause in Cottbus, kann man nun den absoluten Knaller sehen. Die Idealform der Umsetzung eines Poe. Arthur Yorinks und Philip Glass machten aus „The Fall Of The House Of Usher“ eine Oper. Doch was heißt, eine Oper. Zumindest in der Inszenierung von Jo Fabian greift das Wort viel zu kurz. Eigentlich greift hier jedes Wort zu kurz.
Es ist irre, genial, hochintelligent, perfekt. Es ist ein vollkommenes Kunstwerk in einer klingenden, scheinenden, schaurig faszinierenden Ästhetik - mit ganz, ganz außergewöhnlichen Leistungen der Mitwirkenden - unter ganz besonderen Anforderungen.
Man wächst mit seinen Aufgaben - wenn es einen Beweises dieser Worte bedarf, hier ist er. In untrennbarer Form aller verwendeten Mittel und Möglichkeiten, und jedes und jede so eingesetzt, dass einem einfach nichts mehr einfällt, man gebannt und hingerissen staunen muss und froh sein darf, dabei zu sein.
Debra Stanley, Heiko Walter, Matthias Bleidorn, Dirk Kleinke und Thomas Pöschel leisten Unglaubliches, Stimmgewaltiges, Darstellerisches - doch kann man das in der Fülle schwer schriftlich fassen und sollte es auch nicht versuchen. Wäre doch jede Erwähnung zugleich einfach nur ungerecht, unvollständig. Doch es sind sechs Darsteller, denn während des gesamten Stückes sind auch zwei Kinder dramatisch gefordert. Zur Premiere waren dies Annabell Seifert und Samuel Budich.
Fast vergisst man bei all den Eindrücken, dass auch jeder Ton handgemacht ist, fast unsichtbar zaubert Marc Niemann mit lediglich 12 Musikern des Philharmonischen Orchesters im Bühnenhintergrund. Die Klänge stammen von Philip Glass, bereits im März und Dezember 2011 bejubelte ich seine Werke (Philh. Konzerte) und holte sie mir sofort auf CD. Glass ist die ideale Ergänzung zu Poe und Jo Fabian wohl ihr idealer Regisseur.
Wollte ich nun beginnen, Bühne, Ausstattung und Kostüme zu beschreiben - es geht nicht, man muss es einfach sehen. Pascale Arndtz schafft Inneres und Äußeres untrennbar zum wundersamen Geschehen und hochwirksam gerade im nahen Inneren der Kammerbühne.
Unbarmherzig und mit der Gewissheit sich auch im einen oder anderen Traum wiederzufinden pendelt Fabians Malstroem uns um alle Sinne.
Es ist DAS PFLICHTSTÜCK.


Foto: Marlies Kross
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