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Andreas Kieling

Wildnis-Wunder und weise Worte

von Agneta Lindner, Kultur

Erstaunlich gut gefüllt war die Stadthalle am 7. Januar um 19:30 Uhr. Kein Schlager- oder Popstar wurde erwartet und auch keine der inzwischen inflationär auf die Bühne gebrachten Musical-Darstellungen von Ach und Hach oder Hui und Ui. Nein. Die Bühne sollte von einem ungeschniegelten Mann betreten werden, der mit der Fähigkeit auf klug-unterhaltsame Weise Wissen zu vermitteln und mit Hilfe seiner beeindruckenden Tieraufnahmen im Gepäck, den Saal in eine besondere Atmosphäre einzutauchen vermochte.

Die Natur beobachten, sich unter sie mischen, mit ihr atmen und sich immer wieder neu auf sie einlassen - das ist sein Leben. Dabei spielt es keine Rolle, ob er in seiner Heimat mitten in der Eifel die Brunftzeit des Rotwildes mit allen Sinnen aufsaugt oder in der Einsamkeit Alaskas herumstromert, um dort die Küstenbraunbären beim Muschelfraß zu beobachten und währenddessen junge Füchse aus seiner Hand speisen zu lassen.

Stets dabei sind seine Foto- und Filmkameras, möchte er doch das tierische Leben in den letzten Wildnisgebieten rund um den Globus nicht nur für sich hautnah erfahren. Er möchte es festhalten in Bildern, die ins Auge fallen und im Herzen lange nachwirken. Oft sind auch seine Freundin oder andere BegleiterInnen an seiner Seite, um ihn zu filmen wie er die Tiere filmt.

Was er niemals bei sich trägt, ist ein Gewehr oder sonst irgendeine Waffe. Er beantwortet diese Frage aus dem Publikum, die ihm schon vor dem eigentlichen Vortrag gestellt wird, damit, dass er sicherlich schon längst in psychiatrischer Behandlung wäre, wenn ihn bei jeder Expedition die pure Angst im Nacken säße.

An diesem Montagabend ist er mehr als entspannt und braucht nur ein Mikro und einen Stuhl. Er trägt astreine Outdoor-Klamotten und die Haare ein wenig ungeordnet, so als ob er geradewegs aus dem Unterholz käme. Immer wieder staunen und erfreuen wir uns an den wirklich sehr schönen, sehr ästhetischen Bildern und unterhaltsamen Filmchen. In Zeitlupe bekommen wir Forellen-Fangversuche junger Braunbären dargeboten, die dafür an reißenden Flussstellen auf der Lauer sind und denen so manches Fischlein entwischt, bevor sie erfolgreich sind.

Auch erfahren wir auditiv sehr Vieles. Wussten Sie zum Beispiel, dass Schimpansen-Männchen bis zu 18 Stunden am Tag einen erigierten Penis haben können? Oder, dass so eine Affenhorde durchaus ein Komplott schmiedet, um den Chef zu stürzen, der danach aus lauter Mangel an Bedeutung richtiggehend depressiv wird? Was Andreas Kieling in diesem Rahmen mehrmals betont ist, dass es auf der Welt fast nichts Schwierigeres gibt, als Schimpansen bildtechnisch einzufangen. Zumindest, wenn man Natur- und Tierfilmer ist.

Seit 28 Jahren bereist er nun schon die für ihn interessantesten Gebiete, wobei ihm Alaska ganz besonders ans Herz gewachsen und zur zweiten Heimat geworden ist. Sein Foto- und Textband »Im Bann der Bären« kann davon sicherlich Bände sprechen.
In Afrika traf er außer auf vollgefressene friedliche Löwen und wunderschöne Wüstenelefanten, auch auf ein Buschvolk, das noch ganz genauso lebt, wie wir alle einmal, nämlich als Jäger und Sammler. Wenn man sich für eine Weile unter sie mischt, kann man demnach in die Vergangenheit reisen. Na, wie wär‘s?

Und die Moral von dieser ganzen Geschicht‘?: Mensch, komm‘ wieder ins Gleichgewicht. Was zählt denn wirklich, zählt denn nur? Saub‘re Luft, Freunde und die Natur. Drum schreite vorwärts wohlbedacht und gib auf deine Umwelt Acht. Auf deine kleine und auch die Große – alles andr‘e ist Quatsch mit Soße.
Anm. des zweiten Ichs der Autorin: die Moral der Geschicht‘ lässt sich im herrschenden System nicht umsetzen. Aber schön gereimt.

pictures/artikel/IMG_49893938.jpgFoto: © Andreas Kieling
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