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Volle Bäuche statt volle Tonnen

Anleitungen und Überlegungen zum Containern

von dh, Buch

Hunderte Menschen streifen täglich durch die Nacht und durchsuchen Müllcontainer von Lebensmittelläden nach brauchbaren – genannt wird das Containern. Oft werden sie fündig und schleppen kiloweise verwendbare Lebensmittel mit nach Hause. Sie tun dies überwiegend nicht nur aus Gründen der „Armut“, sondern um gegen die Verschwendung von Lebensmitteln anzugehen.
Im Buch „Volle Bäuche statt volle Tonnen“ nimmt der Aktivist Christian Walter die Lesenden mit auf eine Containertour, gibt praktische Tipps und stellt Überlegungen vor, die Menschen beim Containern haben: Soll ich mich eigentlich freuen, wenn ich viel finde? Oder ist das nicht ehr schlecht, weil so viele Lebensmittel weggeworfen werden? Sollte darüber berichtet werden, oder macht das die Bedingungen der Containernden schwieriger? Wer ist eigentlich „Schuld“ an der Lebensmittelverschwendung? Die Inhaber, die Angestellten? Wie legal ist Containern eigentlich?
Das Buch beginnt mit der Frage, wie eine Containertour eigentlich aussieht. Christian Walter nimmt die Lesenden praktisch mit: Was ist zu bedenken, was mitzunehmen? Handschuhe nicht vergessen, und Tüten! Was machen „wir“, wenn die Polizei kommt, oder andere Menschen vorbei laufen, wenn wir andere Gruppen treffen? Insofern wirft er die Lesenden mitten hinein ins Thema.
Weiter beschreibt er dann ethische Fragen, die mit dem Containern zu tun haben und nennt auch Daten und Fakten: bis zu 50% der Lebensmittel landen im Müll. Dies führt bei vielen Menschen zur Empörung. Auf öffentlichen Containertouren des Aktivisten in Aachen nehmen 30 bis 100 Menschen teil, um sich dies einmal selbst anzuschauen - und festzustellen, dass dies gar nicht so dreckig ist, wie viele denken.
Das Buch ist aber insofern auch aktuell, weil es derzeit eine Kampagne „Aaachen containert“ gibt, die sich mit einer Petition gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt (change.org/containern), darüber hinaus wird gerade eine Petition an den Bundestag vorbereitet, der das Containern straffrei machen soll. In Aachen sind auch gerade zwei Leute angeklagt, die containert haben. Der Vorwurf: schwerer Diebstahl, weil sie waren im Wert von mehr als 50,- Euro aus den Mülltonnen geholt haben. Das erscheint absurd, kommt aber vor – wenn auch selten. Das Bündnis unterstützt die Betroffenen und auf dem Konto der initiative wurden spenden für die Anwaltskosten gesammelt – deutlich mehr als benötigt.
Persönlich kenne ich nur einen Fall, wo Containernde in Dresden von der Polizei angehalten wurden – diese untersuchten die Taschen und Rucksäcke, schauten etwas betreten und fuhren dann wieder weiter. In Cottbus ist sicher der Fall von Manne noch einigen bekannt – der tot im Container beim Edeka am TKC gefunden wurde. Der ältere Mann erlitt beim Containern einen Herzinfarkt. Seit dem sind die Container bei Edeka eingezäunt.
Auch in Cottbus gibt es eine kleine Szene von Containernden. Ihre Motivation ist häufig eine Mischung aus (Umwelt-)Aktivismus und die Möglichkeit, für viele Menschen kochen zu wollen – denn in Containern gibt es häufig viel Obst und Gemüse der Saison – also tendenziell viel von einer Sorte. Das wird in Cottbus aber wenig bis gar nicht öffentlich gemacht.
Christian Walter und seine Kampagne gehen da den öffentlichen Weg. Sein Buch enthält viele Informationen, Fotos, Hintergründe zur Kampagne und zur Lebensmittelverschwendung. Auch darf eine Liste skurriler Container-Funde bspw. mit Kleingeld, Büromaterial und Lego-Bausteinen nicht fehlen. Damit gibt er einen schönen Einblick in das Phänomen des Containerns. Manchmal wirkt seine Kapitalismuskritik etwas gezwungen und ob die Lebensmittelverschwendung in seiner Idee einer sozialistischen Gesellschaft aufhört – wir wissen es nicht. Aber (frei nach Tucholsky): der Leser hat es gut, er kann diese Seiten auch einfach überblättern.
Insgesamt ist das Buch für Interessierte sehr empfehlenswert! Und, nicht vergessen: Containern macht in der Gruppe mehr Spaß!

Christian Walter: Volle Bäuche statt volle Tonnen!

Manifest Verlag, 11,90 Euro, ISBN 978-3-96156-010-3. Das Buch kann beim Verlag direkt bestellt werden: manifest-buecher.de

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