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Anteil des Redens an der Affenwerdung des Menschen

Sezession der Kommunikation

von bm, Buch

Was ist eigentlich Reden und was macht es mit uns, fragt Daniel H. Rapoport in seinem Buch „Anteil des Redens an der Affenwerdung des Menschen“. Kann man über Geschmack streiten? Ist es eine Illusion, dass das Reden bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme hilft? Warum reden wir übers Wetter? Warum gibt es Brand-, aber keine Löschreden? Stimmt die gängige Auffassung, dass wir im Wettstreit der Meinungen zu rationaleren Urteilen gelangen? Warum sollen wir am „gesellschaftlichen Dialog“ teilnehmen, warum gar „gesamtgesellschaftliche Debatten“ führen? Und wie bringt uns all das Gerede im Streit um vernünftiges Handeln, den idealen Staat oder gar Gott weiter? Stirbt das Hirn am Ende gar den Redetod?
Rapoport untersucht unsere Kommunikationsgewohnheiten und schlägt dabei einen Bogen von Alltagsphänomenen bis hin zu philosophischen Fragestellungen. Es geht um Dinge, „denen man nicht ansieht, dass sie eine gemeinsame Klammer haben. Haben sie aber. Es geht immer wieder und auf die unterschiedlichste Weise um Kommunikation. Um den Unterschied zwischen ihrem Schein und ihrem Sein; darum, was wir glauben, dass wir es tun, wenn wir kommunizieren, und was dabei aber tatsächlich geschieht“. (S. 7)
Seine Betrachtungen vereinen Wissen und Witz sowie die Präzision und Experimentierfreude eines Naturwissenschaftlers, der er von Haus aus ist, und sind höchst anregend, allgemein verständlich und absolut unkonventionell.
Am Anfang eines jeden Kapitels steht eine Verwunderung. Beispiel: Woher kommt eigentlich dieser „hohltönende Leistungssprech“ in Bewerbungsgesprächen? „Wenn wahr ist, dass Bewerbungs- und Empfehlungsschreiben die Vorzüge eines Menschen unterstreichen sollen […] und ferner wahr, dass die Vokabeln und Sätze der Bewerbungs- und Empfehlungsbriefe zu eben diesem Behuf mit Sorgfalt und Bedacht, ja nachgerade unter schweren Formulierungsmühen gewählt werden […]“, dann „wären wir umgeben von phrasenbleichen, missgeschaffenen Geschöpfen, die ein hohltönendes Leistungssprech absonderten“. (S. 10)
Der Autor, der von solchen Fragestellungen nicht lassen kann, ehe er sie schlüssig beantwortet hat, geht dabei mit der Rationalität eines Naturwissenschaftlers vor, entwickelt aber eine große Lust am gewitzten Formulierungen.
Die in dem Buch zusammengefassten Essays analysieren neun Aspekte unserer Kommunikation. Seine Texte, die im menschlichen Reden vielmehr die „Sozialisationshandlung“ hervorkehren als den Austausch von Informationen, bestechen durch ihren Scharfsinn, überraschen durch unerwartete Analogiebildung und reizen manchmal zu Widerspruch.
Daniel H. Rapoport (2017):
„Anteil des Redens an der Affenwerdung des Menschen“
Verlag Neues Berlin,
224 S., Preis: 14,99€
ISBN: 978-3-360-01326-2
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