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Attila the Stockbroker

Live at The Greys

von Seife, Musik

Als ich diese CD in die Hand bekam, dachte ich zuerst: „Cool, ein englischer Singer/Songwriter, vielleicht geht das ja in die Richtung Billy Bragg oder sowas“. Danach kam der Gedanke: „hoffentlich nicht schon wieder irgendwelches Lalala-Folkrockgedudel, das besser in‘s Musikantenstadl passt als in meinen CD-Player“. Da kommt nämlich nur schöner, eigenwilliger und rauer Folk rein. Aber das hier ist ne richtig gute Spoken Word-Platte. Und das komplett auf Englisch.

Ich hab mich dann erstmal eine Runde über Attila belesen und mitbekommen, dass er bereits seit 1981 Tonträger veröffentlicht, und das auch mit seiner Band Barnstormer, in der anfangs sogar Captain Sensible von The Damned am 6-Saiten-Stromapparat mitspielte. Generell ein recht sympathischer, politisch aktiver Typ und Punk der ersten Stunde, wie ich das hier so mitbekomme. Und mitbekommen lässt sich das mit dieser CD durch seine Gedichte, in denen er immer wieder politische und sozialkritische Themen aufgreift. Dafür nutzt er eine sehr klare, aber trotzdem farbenfrohe Sprache und eine stets persönliche Erzählweise. Er ist weit weg von abgehobenem Geschwafel, sondern erzählt, was er erlebt hat: als Punk, Arbeiter, Liebhaber, Kommunist und Antifaschist. Und so sind die Gedichte auch sehr lebendig, ebenso wie seine dramatische, vielseitige – aber nicht anstrengende – Vortragsweise. Teilweise gehen mir einige Feinheiten der englischen Sprache leider verloren, aber das stört mich nicht. Ich mag Attila‘s britischen Akzent sehr gerne, tut gut im Ohr. Zum Schluss gibt‘s noch zwei Songs, bei welchen er sich selbst mit Mandola begleitet und von denen einer ein The Clash-Ripoff mit eigenem Text ist.

Die CD ist ne Runde Sache, und das nicht nur physisch. Ich konnte die 40 Minuten gut und ohne Langeweile durchhören - was für gesprochene Texte snicht wenig bedeutet - und war an einigen Stellen sogar gefesselt. Das einzige Manko ist inhaltlicher Natur: er beschreibt sich selbst im Gedicht „Missionaries“ als marxistisch-leninistisch, ohne weiter auszuführen, was das für ihn bedeutet. Aber diesbezüglich würde ich mich gerne mal mit ihm auf ein Ale in Brighton treffen und darüber diskutieren und wahrscheinlich mit einem guten Kumpel mehr wieder nach Hause gehen.
Attila the Stokebroker: Live at The Greys
Label:Mad Butcher
Album-VÖ: September 2015 auf CD

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