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Gesehen: BAHNSTEIG 3 ZEHN

Premiere 23. Juni 2017, Staatstheater Cottbus, Kammerbühne

von Jens Pittasch, Kultur

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Acht Mitglieder hat der unter Leitung von Nadine Tiedge neu formierte Theaterjugendclub des Staatstheaters. Sie sind zwischen 14 und 21 und haben Handlung und Texte ihres Stückes „Bahnsteig 3 zehn“ selbst erarbeitet. Angekündigt wurde ein Krimi zwischen Realität und Fiktion und eine Handlung, die sich zwischen freier Improvisationen und Frage-Antwort-Spielen den Themen nähert, die Jugendliche besonders interessieren: Freundschaft, Identität, Schmerz oder einfach Anderssein.
Der selbst gesteckte Anspruch ist hoch und geeignet, zur Last zu werden. Es ist dann auch etwas zu viel, was sich die miteinander noch unerfahrene Gruppe - aus Darstellern sehr verschiedener Fähigkeiten und Reife - da auferlegt hat. Ist das Ganze an sich bereits schwer beherrschbar, machen es die gefundenen Mittel der Umsetzung nicht einfacher.
Gleich zu Beginn - und über weite Strecken des Stückes hinweg - spricht es aus dem Publikum: Philosophisches? Numerologie? Wer weiß. Der Art des Vortrages nach jedenfalls voller Bedeutung. Nur welcher? Als Quelle der Worte zeigt sich später etwas, wie ein Eso-Wesen. Eine junge Frau bestehend aus diesen Worten und schwebenden Bewegungen in Hippiehexenkleidung. Voll auf Hippie sind die sicher Jüngsten im Team. Faseln von Dingen, von denen sie wirklich keine Ahnung haben können. Entsprechend unglaubwürdig sind Inhalt und Darbietung.
Im Gestus wie auf Entzug bewegt sich Marvin durch´s Stück. Er sitzt im Zug von Berlin nach Cottbus - und muss nun aber umsteigen. Wir, das Publikum, auch - und so landen allesamt auf einem Bahnsteig im Nirgendwo. ADHS-Marvin hat wohl durchgefeiert, soviel kommt heraus, und die plötzliche Ruhe bekommt seiner Rastlosigkeit so garnicht.
Gestrandet sind weitere Personen. Die Hippiemädchen, ein sehr seltsamer Junge, ein komisch-ängstlicher Typ, ein geheimnisvoll-bedeutungsschwerer Typ, irgendein Mädchen. Die Eso-Erscheinung bewegt sich dazwischen. Marvin weiß nicht, was los ist. Wir auch nicht. Sehr, sehr lange nicht. Viel zu lange nicht. Alles ist äußerst verworren, mit jeder Minute konfuser. Kaum vorstellbar, dass das die Absicht der Inszenierung sein soll. Exemplarisch: „Dein Zug ist noch nicht angekommen, denn Du bist noch hier.“ - ja, nur wieso, weshalb, warum?
Dass das kein Bahnsteig ist, auf dem Züge fahren und man weiterkommt, ist schnell klar. Es ist eher einer der Kategorie bestellt und nicht abgeholt. Die Auflösung, wer die dort sind, kommt irgendwann, ist dann allerdings kaum mehr, als eine Erlösung des Publikums, da nach dem langen Vorspiel leider nicht mehr richtig erarbeitet. Ruckzuck werden die Geister der Vergangenheit durch irgendetwas Gutes in Marvin abgestreift. So verpasst der Schluss die Chance, dem Ganzen den möglichen Stil und Charme zu geben. Schade. Immerhin aber gute eine Ausgangsbasis für den Theaterjugendclub einen eigenen Anschluss(zug) zu finden und an sich zu arbeiten.


Die Darsteller sind: Marvin - Cristian Ameln, Jon Moxley - Konstantin Richter, Maya - Tamina Alex, Esrael - Carol Ameln, Anneliese - Caroline Quos, Mr. Unbekannt - Adrian Rocksch, Sunny - Lina Löbner und Rainbow - Jula Zwicker.

BAHNSTEIG 3 ZEHN
Eine Eigenproduktion des Theaterjugendclubs
Künstlerische Leitung NADINE TIEDGE
Bühne HANS-HOLGER SCHMIDT
Kostüme KATRIN AX


Foto: Marlies Kross
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