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Ballett - Gala am Staatstheater Cottbus

von Michael Apel, Kultur

„Zu Pfingsten gehen die Leute nicht ins Theater“, so ein hartnäckiges Gerücht am Cottbuser Staatstheater und da die Sparten diese Zeit daher gern meiden, durfte das kleine Ballettensemble den 19. Mai 2018 für eine Ballett-Gala auf der großen Bühne nutzen. Dirk Neumann, der nunmehr schon auf eine über 10jährige erfolgreiche Ära zurückblicken kann, nutzte die Gunst der Stunde und offerierte den Freunden des Tanzes einen Abend auf der Bühne des Großen Hauses, der neben Ausschnitten des derzeitigen Repertoires der Compagnie, auch Beiträge von Gästen und ehemaligen Mitgliedern der Gruppe zeigte. Überhaupt ist so eine Gala nicht nur trefflich geeignet dem geneigten Ballett-Fan ausgesuchte Stücke im großen Rahmen zu präsentieren, auch für die Ballett-Anfänger oder Tanz-Neulinge ist die Vielseitigkeit einerseits und die Kürze der einzelnen Beiträge andererseits eine treffliche Möglichkeit, den Tanz in seinen verschiedensten Facetten zu erleben und kennenzulernen. So kam es auch, dass angenehm viel junge Menschen und auch Kinder im Publikum saßen und gebannt dem Geschehen folgten.
Zu Beginn zeigte das Cottbuser Ballett einen Ausschnitt aus „Juliet Letters – Briefe an Julia“, einem Abend, der zurzeit in der Kammerbühne läuft und auf Grund der großen Nachfrage in die nächste Spielzeit übernommen wurde. Er hätte mit diesem Beitrag gern Werbung für die beiden noch verbliebenen Vorstellungen gemacht, meinte Ballettchef Dirk Neumann in seiner Moderation, „...doch diese sind leider schon ausverkauft.“ So kamen die Zuschauer wenigsten auf den Genuss eines Teils dieses spannenden Abends.
Mit dem Duett „Incognito“ hatte Dirk Neumann zwei ehemalige Cottbuser Tänzer eingeladen. Emily Downs und Niko König arbeiten zurzeit in der freien Tanzszene in Griechenland und überzeugten mit einer eindrucksvollen choreographischen Arbeit (Niko König) und einer beeindruckenden tänzerischen Präsenz. Auch Alexander von Hugo, René Klötzer und Mikaèl Champs stellten in geradezu rasanten Beiträgen ihre enorme tänzerische Qualität und brilliante Tanztechnik unter Beweis. Bei René Klötzer mischte sich eine große Portion Wehmut in den Applaus, da dieser begabte und sympathische Tänzer zum Ende dieser Spielzeit seine künstlerische Laufbahn leider beenden wird. Es ist ein bedauerliches Merkmal unserer Zeit, das junge Tänzerinnen und Tänzer, die in der Gagenstruktur der öffentlich geförderten Theater ohnehin auf der untersten Stufe stehen, ihre künstlerische Laufbahn oftmals vorzeitig beenden müssen, um neue berufliche Möglichkeiten zu nutzen. Dadurch verschwinden mehr und mehr solche spannenden tänzerischen Interpretationen, welche Tanzkunst und Lebenserfahrung miteinander verbinden von unseren Bühnen, wie sie zum Beispiel Anne-Fredérique Hoinge und Lode Devos in dem Stück „Ne me quitte pas“ (Ch. Lode Devos) bei der Gala eindrucksvoll zeigten.
Nach Nadja Saidakovas auf den Leib geschneiderten Choreographie für Vladislav Marinov, den sein Weg über das Cottbuser Ballett an die Berliner Staatsoper geführt hat und einem weiteren Ausschnitt aus „Briefe an Julia“, konnten sich die Zuschauer nach der Pause auf „Cantus“ nach einer Musik von Arvo Pärt freuen. Das Nils Christe, der ohne Frage über Jahre hinweg zu den besten Choreographen der europäischen Tanzszene gehört, sein Stück dem Cottbuser Ensemble anvertraut hat, zeigt großes Vertrauen und ein hohes Maß an Anerkennung in die Leistungsfähigkeit des Cottbuser Balletts und seines Leiters Dirk Neumann. Die über 500 Zuschauerinnen und Zuschauer riss dieses Stück förmlich von den Plätzen und frenetisch feierten sie die Tänzerinnen und Tänzer. Es gilt zu hoffen, dass obiges Gerücht sich wacker weiter am Staatstheater hält und so auch im kommenden Jahr wieder der Platz auf der großen Bühne am Schillerplatz für eine Ballett-Gala frei wird.

pictures/artikel/IMG_32355242.jpgJULIET LETTERS – BRIEFE AN JULIA © Marlies Kross
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