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Berlin. Punk. PVC. Die unzensierte Geschichte

Leben für den Punk

von bm, Buch

Der inzwischen verstorbene Gerrit Meijer ist eine deutsche Punklegende gewesen. Musikalisch war er ein Tausendsassa: Als Schüler tanzte er Twist, bevor er in der Beatband The Voodoos seine Fähigkeiten als Gitarrist erprobte. Und als 1977 der Punk nach Deutschland schwappte, stand er in der ersten Reihe: Er war eines der vier Gründungsmitglieder von PVC, Deutschlands erster Punkband. Mit „Berlin. Punk. PVC. Die unzensierte Geschichte“ erschien im Verlag „neues Leben“ die Autobiografie des 2017 verstorbenen Musikers.
Wir schreiben das Jahr 1977, es ist der 25. Februar. Im West-Berliner Kant-Kino spielen die britischen Vibrators das erste Punk-Konzert überhaupt in der Stadt. Mit im Publikum ist auch Meijer, der kurz zuvor erst zwei Singles von den Sex Pistols – „Anarchy In The UK“ und „Blank Generation“ – geschenkt bekommen hatte. Das Konzert war für ihn der pure Rock’n‘ Roll. Und wie es der Zufall so wollte, waren an diesem Abend auch Knut Schaller, Raymond Ebert und Jürgen Dobroszczyk im Publikum. Sie alle sollten zu den Gründungsmitgliedern von PVC, der ersten deutschen Punkband überhaupt, werden. Ihre Songs „Wall City Rock“ und „Berlin By Night“ prägen die gesamte Szene.
Die Plattenfirmen rissen sich um die Band. Doch erste Angebote lehnten sie ab: Ihre Punk-Attitude erlaubte keine Kompromisse mit der Musikindustrie. Erst Jahre später erschienen zwei Alben, die PVC zu Vorbildern für Bands wie Die Ärzte machten.
Der Ruhm ist nur von kurzer Dauer, der Absturz folgt prompt. Meijer bleibt aber, was er ist: unangepasst, musikalisch getrieben, mit dem Finger auf der Wunde des Mainstream. In den Achtzigern gründete er die New-Wave-Band „White Russia“, versuchte sich später mit experimenteller Musik und Schlagerpersiflagen und entdeckte seine Liebe zur Klassik. Das Comeback von PVC wurde 1990 vom AIDS-Tod von Gründungsmitglied Knut Schaller überschattet, doch Meijer ließ sich nicht unterkriegen und ließ die legendäre Band bis 2012 immer wieder aufleben.
Seine Erinnerungen entführen in die wilde Zeit einer rebellierenden Generation. Er erzählt von den ersten Gigs mit Iggy Pop, dem On and Off der Punkszene, der Liaison mit Bela B Ende der 80er, dem Aids-Tod von Gründungsmitglied Knut Schaller. Ungeschminkt und mit lässigem Witz erzählt er von seinem musikalischen Leben, vom Pendeln zwischen Ost- und Westberlin, von der Clubszene, in der auch David Bowie und Blixa Bargeld nicht fehlen, von Erlebnissen mit Iggy Pop, seiner Abneigung gegen Motörhead und der Rolle, die Udo Lindenberg für PVC spielte. Meijer gewährt Einblicke, die nur jemand geben kann, der sich mit Haut und Haaren der Musik verschrieben hat. Dabei geht es ihm um Haltung, Kreativität und dem einzigartigen Lebensgefühl, das in jeder Zeit mitschwingt.
Gerrit Meijer (2016): „Berlin. Punk. PVC. Die unzensierte Geschichte“
Verlag Neues Leben, S. 256 Seiten
Preis: 19,99€
ISBN: 978-3-355-01849-4
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