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Martin Fromme

Besser Arm ab als arm dran

von Christiane Freitag, Buch

Besser Arm ab als arm dran – so oder so ähnlich könnte wohl Martin Frommes Lebensmotto lauten. „Aber Moment mal“, wird sich da jetzt vielleicht der ein oder andere denken, “der Spruch geht doch irgendwie anders? - Arm dran als Arm ab…Arm ab als arm dran…???“
Und da hat er auch Recht…das Sprichwort hat der Autor einfach mal passend gemacht – denn Martin Fromme hat aufgrund einer angeborenen Dysmelie einen verkürzten linken Arm und fand den Titel wohl besonders clever und smart ausgesucht. Wohl ebenso clever und smart wie die Idee einen nicht ganz so ernst gemeinten (zumindest hoffe ich das) Ratgeber oder neudeutsch: Guide darüber zu schreiben, wie man als „Normalo“ mit „Behinderten“ umgeht: Wie man sich ihnen nähert, wie man mit ihnen redet, welche Rolle Behinderte in der Geschichte gespielt haben und weitere beliebige (zumeist sinnlose) Zusammenhänge. Nun ist die Idee, die Martin Fromme mit seinem Buch verfolgt ja eigentlich gar nicht so schlecht. Behinderung ist ein unausgesprochenes Tabu. Nie weiß man sich so richtig in ihrer Gegenwart zu verhalten, irgendwie ist da immer dieses Unbehagen, dieses Mitleid. Grund genug also um diese Distanz von Behinderten und Nicht-Behinderten zu verkleinern und warum nicht auch mit Humor. Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.
Leider nur ist Martin Frommes Umsetzung wirklich, wirklich nach hinten losgegangen: So ist es zwar möglicherweise noch witzig auf die Frage, ob man Behinderte anlächeln muss, wenn man auf sie in freier Wildbahn trifft zu antworten: „Auf jeden Fall. Denn nur so zeigt man ein gewisses Maß an Empathie. Und dann schauen sie am Rücken des Behinderten nach, ob sich dort ein großer Schlitz befindet. Falls ja werfen Sie Ihr gesamtes Kleingeld in diesen Schlitz. Ach was – am besten das gesamte Portemonnaie. Dazu sagen Sie bitte die Worte: „Das ist für Sie. Weil es so schade ist.““
Dann jedoch auf die Frage, ob man mit Behinderten Sex haben könnte oder ob die dann kaputt gehen könnten zu sagen: „Sie müssen es halt ausprobieren. Wenn der Behinderte dabei ganz kaputtgehen sollte, kommt Ihre Hausratversicherung dafür auf.“, ist wohl grenzwertig. Und das ist noch lange nicht die Spitze des plattschwarzen Humors.
Die Witze sind derb, provokativ bis behinderten- und nichtbehindertenfeindlich, leider oft auch fremdenfeindlich (Lieber Herr Fromme, Arm ab oder Arm dran oder beides – manches gehört sich einfach nicht), die Themenauswahl und -reihenfolge sind sehr beliebig, wirken an den Haaren herbei gezogen und zusammen gewürfelt, manches klingt derart absurd, dass man liebsten gar nicht weiterlesen möchte. Die Fragezeichen türmen sich geradezu. Stilistisch liegt darüber hinaus auch Einiges im Argen…meine Frage ans Lektorat: Warum?
Hier wurde auf Krampf und mit allen Mitteln versucht ein Thema als lustig und witzig zu verkaufen, leider ohne Konzept, Sinn und Verstand. Integration(Inklusion) durch Humor? Gern! Aber nicht so!
Martin Fromme: Besser Arm ab als arm dran
erschienen am 19.12.2012 || Carlsen Verlag
160 Seiten || Klappenbroschur
ISBN 978-3-551-68134-8
12,90 EUR (D)

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