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TheaterBlick: Casanova

Ballettabend in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus, gesehen am 1.2.2020

von Angelika Koch, Kultur

Auch wenn die Premiere dieser Inszenierung schon am 20. April des vergangenen Jahres stattfand, ist die Kammerbühne bis fast auf den letzten Platz besetzt. Das kleine Ballettensemble des Staatstheaters mit seinen vielfältigen Ballettabenden erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei den Zuschauern.
Der junge Choreograf Mauro de Candia hatte diese Choreografie 2003 erstmals mit Solisten des Staatsballetts Hannover aufgeführt. Für das Cottbuser Ensemble erneuerte und überarbeitete er teilweise seine Choreografie. Mit diesem 60-minütigen Tanzabend wird keine Casanova- Biografie dargestellt, eher ist der Name des legendären Verführers und Abenteurers des 18. Jahrhunderts Metapher für die Liebe in seinen vielfältigen Spielarten und eine Huldigung der Schönheit des menschlichen Körpers.
Die leere Tanzfläche der Kammerbühne wird von einem weißen Bühnenprospekt abgeschlossen. Rechts hinten steht eine weiße Stellwand leicht schräg für Auf- und Abgänge, vor der zu Anfang sieben Polsterstühle scheinbar wahllos angeordnet sind. Links vor dem Hintergrund ist ein überdimensionaler, runder Vogelkäfig platziert, der im Laufe des Abends von den Tänzerinnen und Tänzern vielfältig genutzt wird, wie die Stühle auch.
Der Abend beginnt stumm, die Akteure in schwarzen, mit roten Paspeln versehenen barocken Gehröcken und mit venezianischen Halbmasken, betreten nacheinander die Bühne, man hört halblaut und durcheinander „Giacomo“. Was nun folgt, zieht die ZuschauerInnen völlig in seinen Bann.
Zu verschiedenen barocken Musiknummern entfaltet sich ein Reigen von höfischen Tänzen, Solonummern, erotischen und heiteren Pas de deux. Er umwirbt sie, sie kokettiert mit ihm oder doch mit dem zweiten, der dazu kommt? Lockung und Abweisung, Verlangen nach ihr oder ihm. Jeder beobachtet jeden, Frau präsentiert sich, Mann aber auch. Völlige Hingabe, dann wieder nach Abweisung Einsamkeit. Die vielseitigen Kostüme ermöglichen, dass sich die TänzerInnen auf offener Bühne immer wieder anders zeigen, in knappen schwarzen Hosen zu den barocken Oberteilen, in hautfarbenen Bodys, um letztlich den Reigen wieder zu schließen in den hochgeschlossenen Gehröcken und mit halbverdeckten Gesichtern. Doch nein, am Ende entkleiden sich die TänzerInnen wieder und die Körper bewegen sich auf engstem Raum innerhalb des Käfigs, dem geschützten Raum, in dem Verbotenes passieren kann, aus dem man aber vielleicht auch nicht mehr zu entfliehen vermag.
Verschiedene Lichtstimmungen verändern immer wieder den Raum, Gegenlicht lässt die TänzerInnen scherenschnittartig erscheinen, die tanzenden Schatten auf der schrägen Wand ergeben weitere Effekte. Die Gruppe ist der Solist/die Solistin, jeder und jede der an diesem Abend sieben Agierenden hat eigene Einlagen, nichts doppelt sich. Die Compagnie wirkt sehr homogen und fasziniert mit der Vielfalt choreographischer Einfälle, die souverän umgesetzt werden.
Das Publikum taucht nach dem Verlöschen des Lichts langsam wieder aus der Verzauberung, die dieser wunderbare Abend ausgelöst hat, auf und würdigt die großartigen tänzerischen Leistungen mit langanhaltendem Beifall. An diesem Abend tanzten Aljosa Forlini, Stefan Kulhawec, Andrea Masotti, Denise Ruddock, Andrea Simeone, Lolita Valan und Sieone Zannini. Danke.

Foto: Marlies Kross
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