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Gesehen: DAS BRENNENDE AQUARIUM

Premiere 18. November 2017, Staatstheater Cottbus, Kammerbühne

von Jens Pittasch, Kultur

Autor Ronald David Laing hatte zehn Kinder von vier Frauen. Die Frage: „Liebst Du mich?“, hat er selbst wohl oft und oft auch wurde sie ihm gestellt. In Cottbus wird seine Sammlung von Geschichten unter diesem Titel Grundlage eines auf drei Persönlichkeiten (Regisseuren) gespaltenen Theaterabends. Schizophrenie war denn auch das bevorzugte Forschungsthema des 1927 geborenen Psychiaters, der wiederum einer der Gründer der antipsychiatrischen Bewegung war.
Besonders wichtig war es Laing, das klassische Arzt-Patient-Verhältnis, den Blick des (scheinbar neutralen) Gesunden auf den (vermutlich) Kranken zu erweitern. Sichtweisen zu verändern also und zu hinterfragen.
In Form der drei Cottbuser Inszenierungen hätte ihm das mit Sicherheit gefallen.
Getragen von immer noch eindrucksvoller werdenden Leistungen der beiden Darsteller Kristin Muthwill und Boris Schwiebert gelingen ganz außergewöhnliche, faszinierende Blickwinkel in Sachen Beziehungen und Liebe, Empfindungen und Verstehen.
Regie-1 liefert Max Schumacher. Nebulös ist es zunächst, im wahrsten Wortsinn. Um Worte geht es dann ganz direkt. Sprache in Sprachen, deren Übertragbarkeit, deren Ausdrucksformen, deren Ebenen. Ganz unabhängig vom Inhalt: Ist es überhaupt möglich, dass beim Empfänger das ankommt, was der Sender mitteilen will? Gerade hier übrigens, beim Geschriebenen, halte ich das für unmöglich. Es fehlen dem gedruckten Wort einfach viel zu viele Ebenen. Alles Gelesene ist immer nur eine Interpretation des Lesers. Und diese noch gebunden an den Augenblick. Schon eine Minute später kann der gleiche Satz völlig anders verstanden werden. Eindeutigkeit ist nicht herstellbar.
Wer zu Beginn des Abends vielleicht noch annahm, das könnte langweilig werden mit Varianten dreier Regisseure zum selben Stoff, fand sich nach wenigen Minuten, durch geschickte Inszenierung und fabelhaftes Spiel, in tiefsinnige Fragen verstrickt.
Matthias Horn, als zweiter Spielleiter, beginnt mit einer Reihe von Beziehungsstudien. Situationen, die niemandem fremd sind, ausgehend ganz direkt von der Frage: „Liebst Du mich?“ Musik spielt eine wichtige Rolle in der Betonung einer Entwicklung, die sich schließlich als ein spannender Bogen ganz durch´s Leben erweist.
Von Angelika Zacek ist Regievariante drei. Ziemlich, wie im Schauspielkurs, scheint es zunächst. 13 Varianten einer Szene werden gezeigt. Die das zeigen jedoch, brauchen keinen Kurs mehr, erweisen sich vielmehr als Lehrer für Verständigung und Dozenten über deren Grenzen. Sehr, sehr viel machen Kristin Muthwill und Boris Schwiebert aus nur sehr wenigen Worten.
Wie überhaupt am gesamten Abend, der sich als besonderes Lehrstück eignet. Über richtig gutes Theater, über die Liebe, über Menschliches, über das Leben an sich. Großartig, danke!

pictures/artikel/IMG_15235653.jpgFoto:DAS BRENNENDE AQUARIUM, Szenenfoto aus Teil 1 (Regie: Max Schumacher) mit Kristin Muthwill und Boris Schwiebert © Marlies Kross



DAS BRENNENDE AQUARIUM
Schauspielabend mit Dialogen aus „Liebst du mich?“ von Ronald D. Laing
Regie und Kostüme
Teil 1 MAX SCHUMACHER
Teil 2 MATTHIAS HORN
Teil 3 ANGELIKA ZACEK
Bühne PASCALE ARNDTZ
Video 3. Teil ANGELIKA ZACEK, ANDREAS ZACEK
Dramaturgie KATHLEEN RABE
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