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Das Cottbuser Kindermusical wurde 50

eine Cottbuser Erfolgsgeschichte

von Angelika Koch, Kultur

Man mag das Genre Musical mögen oder nicht, das Cottbuser Kindermusical e.V. (CKM) hat auf jeden Fall in der Bundesrepublik Deutschland auf diesem Gebiet Geschichte geschrieben, denn als es 1969 von dem Musiklehrer Manfred Lehmann als Kinder- und Jugendensemble gegründet wurde, gab es diese Bezeichnung noch gar nicht. Auch heute ist nach Aussage der Leiter des Europäischen Jugendmusical Festivals das CKM in seiner Art einzigartig in Deutschland, und das hat seinen Grund, denn die Kinder und Jugendlichen, die Mitglieder des Ensembles sind, werden gleichermaßen in den Sparten Gesang, Tanz und Schauspiel ausgebildet, und das Ensemble ist mit seinen stolzen 50 folgerichtig das älteste seiner Art.
Am Anfang stand der 20. Jahrestag der DDR, zu dem in Cottbus ein Festprogramm gebraucht wurde. Die Musiklehrer Manfred Lehmann und Margarete Gröschke sowie der Tanzpädagoge Helmut Winkelmann wurden damals beauftragt, eine entsprechende Show auf die Beine zu stellen, die dann am 7. Oktober im Stadttheater Cottbus über die Bühne lief. Sie kam bei den Festaktbesuchern so gut an, dass daraus auf Anordnung das Kinder- und Jugendensemble der Bezirksstadt Cottbus entstand. Das besondere Profil dieser Einrichtung ist bis heute, dass alle Texte und Musiken von den Leitern des Ensembles selbst geschrieben werden. Im Jahr 2019 ist das in Personalunion der momentane künstlerische Leiter Torsten Karow.
Zur festlichen Gala aus Anlass des Jubiläums unter Schirmherrschaft des momentanen Landesvaters Woidke am 29.September dieses Jahres präsentierte das momentane Ensemble, verstärkt durch viele Ehemalige, in der bis auf den letzten Platz besetzten Stadthalle eine dreistündige Show, die durch die bunte Geschichte der letzten 50 Jahre führte. Am berührendsten waren die Showteile, in denen frühere Ensemblemitglieder noch einmal mit „ihrem Tanz“ oder „ihrem Lied“ auf der Bühne der Stadthalle zeigen konnten, was sie in Kinder- und Jugendtagen auf den Brettern, die für sie damals die Welt bedeuteten, zeigen durften. Und es waren nicht die schwächsten Nummern der Veranstaltung, ganz im Gegenteil. Was Helmut Winkelmann choreographiert hatte, zeugte von großem Können und Ideenreichtum, und die Lieder und Texte von Manfred Lehmann machen beim Zuhören einfach immer noch Spaß. So geriet die Hommage an die Gründer und Lehrer des CKM, die nicht mehr unter uns weilen, zu einem emotionalen Höhepunkt des Nachmittags.
Ich bat ehemalige Mitglieder des Kindermusicals nach der Veranstaltung um die Beantwortung einiger Fragen.



Hendrikje Eger, Jahrgang 1981, studierte Theaterwissenschaft, Kommunikations-und Literaturwissenschaft, hat einen Sohn und lebt mit ihrer kleinen Familie in Cottbus. Sie leitet mittlerweile das Gladhouse.

Wie und wann bist du zum Kindermusical gekommen?
In der ersten oder zweiten Klasse hat mich meine Mutter zum Vortanzen bei Helmut Winkelmann gebracht. Es war Winter, und ich musste erst mal meine dicke Jacke aufmachen, damit er sehen konnte, ob ich nicht zu dick bin. ;)
Wie lange warst du aktiv beim Kindermusical und in welcher Sparte?
Ich glaube, ich war 18 oder 19 Jahre, als ich ausgetreten bin. Ich war sehr lange ausschließlich im Ballett bzw. Tanz. Mit dem Wechsel - Start von Torsten Karow - kam es ja dann zu Umstrukturierungen, und dann hatte ich auch Gesangsunterricht und war in der Musicalklasse (die damals aufgebaut wurde).
Was verbindet dich heute mit dem Kindermusical?
Hauptsächlich der Kontakt zu meinen Mädels und eher die Tänze und Lieder von damals. Das hat uns sehr geprägt und wird wohl auch immer ein wichtiger Teil meines Lebens sein.
Woran und/oder an wen erinnerst du dich besonders gern?
Daran, dass wir zu einer Familie geworden sind. Wir haben ja auch so viel Zeit über viele Jahre unserer Kindheit und Jugend miteinander verbracht. Wie stark diese Verbundenheit ist, haben wir bei der Gala gemerkt. Die Wochen der Proben und der Auftritt mit dem Tanz „Wir“ waren für uns sehr emotional, obwohl wir aus drei verschiedenen Generationen zusammen gewürfelt waren. Genau diese Verbundenheit hat Helmut Winkelmann geprägt. Er war ein sehr strenger Tanzlehrer, aber wir alle haben ihn verehrt. Denn er hat uns viel mit auf den Weg gegeben und unsere Charakter geprägt.

Sebastian Thiele, Jahrgang 1984, erlernte den Beruf des Schauspielers, jetzt als Cheftechniker und Pädagoge am Raumflugplanetarium Cottbus tätig. Seine Hobbys sind Singen in der Gruppe „Träumer und Menschen“, und er produziert Filme.

Wie und wann bist du zum Kindermusical gekommen?
1990 war ich war in der ersten Klasse. Damals kamen zwei Frauen zu uns in den Unterricht und stellten das CKM vor. Sie spielten den Titel „Wandern“ von Manfred Lehmann und wer Lust hatte, der durfte nach vorn kommen und sich dazu bewegen. Ich hab‘ mitgemacht und wurde im Anschluss zu einem Casting des CKM eingeladen und genommen. Ich war acht Jahre im Bereich Gesang/Schauspiel aktiv.
Was verbindet dich heute mit dem Kindermusical?
Selbst nach so vielen Jahren bin ich immer noch auf verschiedene Weise mit dem CKM verbunden. Zum einen hab‘ ich mit dem künstlerischen Leiter Torsten Karow die Band „Träumer und Menschen“. Dadurch kommt es auch immer mal wieder zu musikalischen CrossOver und zum anderen haben sich Freundschaften gebildet, welche ein Leben lang halten.
Wie hat dich die Zeit im Kindermusical geprägt?
Hätte ich nicht die Ausbildung genossen, so wäre ich heute nicht der Mensch und Musiker, der ich bin. Ich war als kleines Kind ein ziemlicher Schisser. Das CKM hat Selbstbewusstsein aufgebaut. Vor allem durch die Gesangsausbildung bin ich heute als professioneller Sänger und Musiker mit meiner Band auf den Bühnen unterwegs und verdiene damit Geld. Wir haben bereits ein Album und mehrere Singles rausgebracht. Dies wäre ohne das CKM nie möglich gewesen.

Ronny Schröter, Jahrgang 1983, erlernter Beruf Veranstaltungskaufmann und Pädagoge, Hobbies Musik und Kultur.

Wie lange warst du aktiv beim Kindermusical und in welcher Sparte?
Ich war von 1989 bis 2002 aktives Mitglied im Chor (ab 1998 gab es zwischen Tanz und Chor keine Trennung mehr) und bin später als Vorstandsmitglied im Förderverein dem Ensemble treu geblieben. Ab 2011 durfte ich den Schauspielunterricht im Ensemble übernehmen und bin nun seit Ende 2016 der administrative Leiter des Ensembles (offizielle Bezeichnung: Ensemblemanager).
Woran und/oder an wen erinnerst du dich besonders gern?
Da gibt es aus der aktiven Mitgliedschaft u.a. die großen Shows, wie „Reif für die Mühle“ oder die Musicals, wie „Kommissar Stotter: Drogen, nein danke“. Auch an die Reise in unsere Partnerstadt Montreuil bei Paris bleibt unvergessen. In den 2000er Jahren waren die unzähligen Teilnahmen am Europäischen Jugenmusical Festival immer absolute Highlights.
Wie hat dich die Zeit im Kindermusical geprägt?
Ein wirklich positiver Nebeneffekt im Kindermusical war und ist ein gesundes Selbstvertrauen, welches hier gelehrt wird. Dieses hat mich in manchen Vorstellungsgesprächen und Seminaren und Vorträgen weit voraus gebracht – man ist Menschen gegenüber viel offener und geht mit ihnen auch anders um, als es vielleicht jemand macht, der in seinem Leben nie auf der Bühne gestanden hat.

Foto: Cottbuser Kindermusical - 50 Jahre Gala © Ralf Osthoff
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