Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Aus dem Inneren des Faschismus

Sinclair Lewis: Das ist bei uns nicht möglich

von Bernd Müller, Buch

Sinclair Lewis hat 1935 die Romanfigur Buzz Windrip erfunden. In Donald Trump scheint Windrip auferstanden zu sein. Windrip ist ein Großmaul, und für seine Gegner ist er ein „ungebildeter Lügner mit idiotischer Weltanschauung“, der Präsident der USA werden will. Er gibt vor, sich für die kleinen Leute einzusetzen, und verspricht, „aus Amerika wieder ein stolzes Land zu machen“. Trotz völlig unglaubwürdiger Versprechen laufen ihm die Wähler scharenweise zu. Er zieht ins Weiße Haus ein und entkernt die Demokratie.

Sinclair Lewis‘ Satire „Das ist bei uns nicht möglich“ wurde letztes Jahr im Aufbau Verlag neu veröffentlicht. Wer das Buch liest, fühlt sich gespenstisch an die Gegenwart erinnert.

Lewis schrieb das Buch in einer bewegten Zeit. Seine Frau Dorothy Thompson war Auslandskorrespondentin in Berlin und wusste viel über den Aufstieg der Nazis zu berichten. In den USA beobachtete Lewis, wie Populisten nach der Wirtschaftskrise und den Sozialreformen des „New Deal“ immer weiter an Einfluss gewannen. Der radikale Senator Huey Long versuchte Roosevelt aus dem Amt zu drängen. Long diente Lewis als Vorbild für den fanatischen Verführer Buzz Windrip in seinem Roman.

Kaum ins Weiße Haus eingezogen, regiert Windrip wie ein absolutistischer Herrscher, beschneidet die Freiheiten der Minderheiten, schürt Konflikte mit Mexiko und lässt Kritiker rabiat verfolgen. Einer davon ist der liberale Zeitungsverleger Doremus Jessup, der sich aber nicht mundtot machen lassen will.

Es gelingt Windrip in Windeseile, das Land unter seine Kontrolle zu bringen. Die Gerichte wurden entmachtet, die Pressefreiheit eingeschränkt, an den Universitäten versiegt der freiheitliche Geist. Es dauert nicht lange, bis die ersten Konzentrationslager eingerichtet werden. Schnell finden sich Leute, die mitmachen wollen und sich der neuen Macht andienen.

Die Presse ist längst gefügig – bis auf Doremus Jessup. Er ist der Herausgeber einer kleinstädtischen Zeitung in Vermont und zunächst noch vorsichtig. Recht lange lässt man ihn gewähren, bis er in seiner Zeitung den Namen des Mörders seines Schwiegersohns nennt. Jessup wird abgeholt.

Es ist die Zeit der Demütigung, aber Jessup leistet im Stillen Widerstand. Er schreibt dreimal pro Woche zornige Wahrheitsberichte, die er auf einer kleinen versteckten Druckerpresse vervielfältigt und durch mutige Mitstreiter verbreiten lässt. Als das Netzwerk auffliegt, folgen Inhaftierung, Folter und Konzentrationslager.

Der Roman ist ein schonungsloser Bericht aus dem Inneren des Faschismus, eine vehemente Verteidigung der demokratischen Gewaltenteilung und der Pressefreiheit und eine glänzende Reportage über Untertanen.

Das Buch wurde schon 1935 in den USA ein aufsehenerregender Bestseller. In der Übersetzung des bekannten Exilautors und Kleist-Preisträgers Hans Meisel kommt es in unsere Zeit und ist aktuell wie selten zuvor.
Sinclair Lewis (2017):
„Das ist bei uns nicht möglich“

Berlin: Aufbau Verlag, 442 Seiten
Preis: 24,00 Euro
ISBN: 978-3-351-03696-6
Bei Amazon kaufen

Hinweis: kultur-cottbus.de benutzt Amazon Affiliate Links. Eine Bestellung über einen solchen Link bringt euch keine Nachteile, der Blattwerk e.V. wird aber mit einen geringen Prozentsatz am Umsatz beteiligt.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus