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John Green

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

von Christiane Freitag, Buch

Das Schicksal ist in der Tat ein rätselhaftes Phänomen. Man kann es bejahen oder verneinen, sich ihm hingeben oder es überwinden, es verdrängen oder versuchen zu durchschauen, es hassen oder lieben. Gibt es überhaupt eine Art Vorherbestimmung in Form des Schicksals, oder sind wir doch alle unseres eigenen Glückes Schmied? So oder so, am Schicksal scheiden sich die Geister…
Dass das Schicksal ein mieser Verräter sei, das meinte so William Shakespeare (wenn er auch von Sternen spricht bzw. er dem Schicksal eine weitaus unnettere Bezeichnung zuweist). Im Fall von Hazel Grace Lancaster und Augustus Waters, den beiden Protagonisten in John Greens Werk „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, wird eben jener Satz mit tragischer Bedeutung erfüllt: Hazel hat Krebs: „Sechzehn. Ursprünglich Schilddrüse, aber mit umfänglichen und hartnäckigen Metastasen in der Lunge. Und es geht mir ganz gut heute“, stellt sie sich in ihrer (verhassten) Selbsthilfegruppe vor, zu der sie ihre Mutter überredet hat. Doch dieses Mal ist alles irgendwie anders. Auf einmal ist dort dieser adrette, gutaussehende Junge, der sie die ganze Zeit über anstarrt: Augustus Waters: „Ich bin siebzehn. Vor anderthalb Jahren hatte ich den leichten Anflug eines Osteosarkoms […]“ – das ist seine Geschichte. Das Schicksal nun sorgt dafür, dass die beiden sich näher kommen, sich anfreunden, sich verlieben und allerhand Abenteuer miteinander erleben – immer dem Krebs die Stirn bietend. Aber am Ende schließlich sorgt eben jenes Schicksal auch wieder dafür, dass beide getrennt werden – das Schicksal ist ein mieser Verräter… .
John Greens Jugendbuch ist ein Krebsbuch und doch wieder keins. Natürlich, der Krebs ist allgegenwärtig. Doch seine beiden Charaktere werden nicht vom Krebs beherrscht. Sie leben ihr Leben, kämpfen und gewinnen kleine Schlachten, wenn sie ihn am Ende auch nicht besiegen können. Sie sind nicht diese typische Art von „Krebskindern“, die immer lachen, immer stark sind, die etwas erreicht haben müssen, bevor sie gehen. Sie sind einfach ganz normal – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – und dabei so liebenswert und aufrichtig. Sie stecken an mit ihrer Freude, ihrer Wut, ihrer Trauer. Man lacht und weint mit ihnen und das macht sie so echt und authentisch. Hazel Grace und Augustus Waters sind der Typ Figur, den man nach dem Lesen irgendwie vermisst.
John Green hat mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ein Buch geschrieben, das auf eindrucksvolle Weise den Alltag von an Krebs erkrankten Jugendlichen zeigt, allerdings ohne dabei die Beschwerlichkeit, Ungewissheit oder Grausamkeit zu betonen. Vielmehr hat er stattdessen eine Geschichte geschaffen, die durch Leichtigkeit, Humor und Charme mitten ins Herz trifft und einen so schnell nicht wieder los lässt. So dass ich, weil ich Hazel Grace und Gus so furchtbar sympathisch finde, das Buch gerade zum zweiten Mal lese.
Wer mit Endlichkeit und Fehlbarkeit des menschlichen Lebens nicht umgehen kann, der sollte möglicherweise die Finger von dem Buch lassen, wer sich (trotzdem) traut, den erwartet eine bewegende, mitreißende und herzzerreißende Geschichte.
John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
übersetzt aus dem Englischen von Sophie Zeitz
erschienen am 30.7.2012 || Carl Hanser Verlag
288 Seiten || Hardcover
ISBN 978-3-446-24009-4
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