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Der portugiesische Weg

Viele Wege führen nach Santiago - Pilgern auf dem Jakobsweg

von Anika Goldhahn, Buch

Spätestens seit Hape Kerkelings Reisetagebuch „Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg“ ist der Jakobsweg in Deutschland weitläufig bekannt. Der Pilgerweg, der von der französisch-spanischen Grenze St Jean Pied de Port einmal komplett durch den Norden Spaniens bis nach Santiago führt, ist allerdings schon seit dem Mittelalter etabliert. Seit dem 9. Jahrhundert pilgern Katholiken zum Grab des Apostels Jakobus, das sich in der Kathedrale von Santiago de Compostela befinden soll. Im 15. Jahrhundert kam es zu einem ennormen Pilgerzuwachs aus ganz Europa. Im Mittelalter soll wohl jeder dritte Mensch einmal nach Santiago gepilgert sein. Nach einer Pilgerreise wurden einem Katholiken alle Sünden erlassen.
Heute ist der Pilgerweg nicht nur für Religiöse interessant, sondern auch für Sportfreunde, Geschichtsinteressierte, Pilgertouristen und Menschen, die dem Alltag einmal entkommen wollen und auf der Suche nach sich selbst sind. Denn auf dem Weg zählt die Einfachheit. Mit nur dem Allernötigsten auf dem Rücken (optimal sind 10 Prozent des eigenen Körpergewichtes) wanderten schon Paulo Coelho, Shirley Mclaine, Hape Kerkeling und viele tausend andere die knapp 800 Kilometer nach Santiago. Doch dem Müller von Heute kann die Wanderslust leicht vergehen, wenn er für fünf bis sechs Wochen nur mit dem Nötigsten (Schlafsack, Wechselsachen, Wasser) bepackt ist. Dazu kommen zum Teil haarsträubende Wanderrouten, schwierige Wetterbedingungen und Herbergen, die an Lazarette erinnern. Belohnt werden Pilger dafür mit atemberaubenden Landschaften, vielen neuen Freunden, Ausgeglichenheit, mehr Toleranz und zwei oder drei Kilo weniger auf den Rippen – gesetzt den Fall, ein Pilger kann dem verführerischen spanischen Gebäck widerstehen.
In den letzten Jahren ist der Jakobsweg von St. Jean bis nach Santiago zu einem richtigen Kult geworden. Die Spanier vermerken ihre Pilgerreise auf ihren Lebensläufen, um beim Arbeitgeber mehr Eindruck zu schinden. Für alle Wander- und Fahrradsportler ist dieser Weg ein Muss und durch Hape Kerkelings Bestsellerbuch „Ich bin dann mal weg“ kam es in Deutschland zu einem Pilgerboom, der auch acht Jahre nach Erscheinung des Buches anhält. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon einen Namen: „Der Kerkeling Effekt“. Bei den Massen an Pilgern ist es jedoch schwierig, auf dem bekannten Jakobsweg noch Ruhe und Spiritualität zu finden.
Doch viele Wege führen nach Rom. Die Stadt Rom, damals wichtiges politisches Zentrum, war von überall erreichbar und wurde von vielen aus aller Welt angesteuert. So war auch Santiago ein Pilgerort für Wanderer aus allen Richtungen. Der bekannte Jakobsweg, auch Camino Francés genannt (Camino = spanisch für „Weg), war die Hauptroute alle Pilger aus Mittel- und Osteuropa kommend. Doch gerade für die Spanier und Portugiesen war die Kathedrale von Santiago de Compostela ein wichtiger Wallfahrtsort. Pilger wanderten aus allen Teilen der iberischen Halbinsel in die galizische Stadt Santiago. In Spanien und Portugal gibt es 16 verschiedene Jakobswege, die nach Santiago führen. Diese Wege, wenn auch etwas schwieriger als der Camino Francés, sind eine tolle Alternative für all diejenigen, die Einsamkeit, Ruhe und In-sich-Gekehrtheit suchen.
Gerade der portugiesische Jakobsweg ist dafür sehr gut geeignet. Dieser führt auf etwa 630 Kilometern von Lissabon durch das portugiesische Landesinnere über Coimbra, Porto und Tui bis nach Santiago de Compostela. Auch dieser Weg ist kurz nach der Entdeckung des Apostelgrabes um 820 nach Christi entstanden. Sogar portugiesische Könige, darunter auch Königin Isabella von Portugal, sollen nach Santiago gepilgert sein.
In „ Der portugiesische Weg - Von Lissabon nach Santiago de Compostela“ schreibt Kathrin Hützen: „Wer hat nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt, sich eine ‚Auszeit‘ zu nehmen? [...] Es reicht nicht, einen dreiwöchigen Urlaub in einem Ferienort mit ständiger Reizüberflutung zu buchen. Vielmehr geht es darum, seine ureigenste Gedankenwelt zu ordnen und unangestrengt Lösungen oder neue Ansätze zu entwickeln. Der Jakobsweg, speziell der Caminho Portugues, ist dafür bestens geeignet. Er ist nicht so überlaufen, wie beispielsweise der Camino Francés und bietet aufgrund der überaus ansprechenden Naturkulisse Anregung für beschauchliche Betrachtungen. Es ist eine Art körperlicher und geistiger Ertüchtigung, was den Reiz des Weges ausmacht.“
Mehr Informationen zu Geschichte, Etappen und Übernachungsmöglichkeiten des portugiesischen Jakobsweges, sowie Tipps für Bekleidung, Ausrüstung und Gesundheit auf der Pilgereise in „Der portugiesische Weg - Von Lissabon nach Santiago de Compostela“ von Kathrin Hützen, Pero Nego Editions.

Kathrin Hützen - Der portugiesische Weg - Von Lissabon nach Santiago de Compostela

Pero Nego Editions
Verlag: Hützen & Partner Verlag | Pero Negro Editions; Auflage: 1. (30. Mai 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3952363340
ISBN-13: 978-3952363348

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