Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Die Geldroboter

Spielkasino - voll automatisiert

von bm/pm, Buch

Kapital ist das Elixier unseres Wirtschaftssystems. Und jeder, der etwas mehr Geld hat, als er unmittelbar braucht, kann dieses in Kapital verwandeln. Ein probates Mittel dafür ist der Kauf von Aktien, Rohstoffen oder Währungen an den Börsen.
In Deutschland können sich die Menschen nicht mehr auf die Rente verlassen. Sie wurden gezwungen, mittels Riester- und Rüruprente selber für ihren Lebensabend vorzusorgen. Viele legen ihr Erspartes zu diesem Zweck auch in Fonds und Aktien an. Was die meisten von ihnen nicht wissen: Über Gewinn oder Verlust ihrer Geldanlage entscheiden mittlerweile sogenannte Hochfrequenzhändler, die die Kurse mithilfe ausgeklügelter Computersysteme teilweise manipulieren. Das Geld der kleinen Anleger fließt in das Finanzkasino 4.0, wo es die Geldroboter ultra¬schnell und automatisiert einkassieren.
Maschinen, sogenannte Geldroboter, entscheiden mithilfe ausgeklügelter Algorithmen fast autonom darüber, welche Wertpapiere in welchem Umfang und zu welchem Preis gekauft oder verkauft werden. „Händler, die noch per Mausklick ihre Orders eingeben, sind selten. Jeder, der das macht, ist ein Idiot. Menschen sind für den Börsenhandel ungeeignet. Sie können nicht so viele Informationen in derart kurzer Zeit verarbeiten wie ein Computer. Jeder, der es trotzdem versucht, wird über kurz oder lang verlieren“, sagte Gilles Dumont, mit dem der Betriebswirt und Politikwissenschaftler Martin Ehrenhauser für sein Buch „Die Geldroboter. Wie Hochfrequenzmaschinen unser Erspartes einkassieren und Finanzmärkte destabilisieren“ gesprochen hat.
Die Betreiber der Geldroboter sind nicht nur die Gewinner der digitalen Revolution, sondern auch der Krisen. Als Griechenland 2012 vor dem Konkurs stand, sackten sie fette Gewinne ein. Als am „Black Monday“, dem 24. August 2015, weltweit die Börsen crashten, verzeichneten sie einen Rekordhandelstag.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im automatisierten Finanzkasino ist die Geschwindigkeit. Damit die Geldroboter der Handelsmaschine so nah wie möglich kommen, nisten sie sich direkt bei den Großservern der Börsen ein. Um zwischen London und Frankfurt keine Millisekunde zu verlieren, bauen sie einen Mikrowellenturm höher als der Eiffelturm. Obwohl sie Manipulationstechniken wie das sogenannte „Spoofing“ benutzen, obwohl sie auch schon mal einen ausgemachten Kurseinbruch auslösen und obwohl sie selbst Ex-EU-Kommissar Michel Barnier als „systematische Gefahr für die Märkte“ bezeichnet, wurde das vom EU-Parlament geplante „Tempolimit“ auf Finanztransaktionen niemals beschlossen.
Martin Ehrenhauser hat die Debatten darüber als EU-Abgeordneter in Brüssel miterlebt und die Aktivitäten der Hochfrequenzhändler in den letzten Jahren gründlich untersucht. Sein Buch offenbart, dass die Finanzmärkte von ihnen systematisch unterwandert und beherrscht werden.
Martin Ehrenhauser (2018):
„Die Geldroboter.
Wie Hochfrequenzmaschinen unser Erspartes einkassieren und Finanzmärkte destabilisieren“

Wien: Promedia Verlag, 240 Seiten
Preis: 17,90 €
ISBN: 978-3-85371-435-5
Bei Amazon kaufen

Hinweis: kultur-cottbus.de benutzt Amazon Affiliate Links. Eine Bestellung über einen solchen Link bringt euch keine Nachteile, der Blattwerk e.V. wird aber mit einen geringen Prozentsatz am Umsatz beteiligt.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus