Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Die sortierte Gesellschaft

Streitkultur statt Schubladendenken!

von bm/pm, Buch

Vielleicht kann man dem Wahlsieg Donald Trumps etwas Positives abgewinnen. Spätestens seit er Präsident der USA ist, erleben wir eine spannende Debatte. Hat die liberale Politik der letzten Jahrzehnte den Aufstieg des Rechtspopulismus begünstigt? Wurde zu sehr auf die identitätspolitische Karte gesetzt? Der Zuspruch von rechts lässt die Probleme der Identitätspolitik nun auch einigen klar werden, die sie bisher wohlwollend als wichtiges „progressives“ Anliegen betrachtet haben.

Auf den ersten Blick ist die Identitätspolitik sympathisch. Sie soll scheinbar benachteiligten Gruppen helfen, negative Fremdzuschreibungen der Mehrheitsgesellschaft zurückzuweisen. Diesen soll eine positive Selbstbestimmung entgegengesetzt werden. Etwas klarer ausgedrückt bedeutet das: Die Anliegen von Gruppen, die sich diskriminiert fühlen, sollen für den Rest der Gesellschaft hörbar und sichtbar gemacht werden.

Dieses Ansinnen wird zunehmend skeptisch gesehen. Der am 13.6.2018 erscheinende Sammelband „Die sortierte Gesellschaft“ hat die wichtigsten Argumente gegen aktuelle identitätspolitische Irrwege zusammengetragen – von Männerrechtlern über linke Queer-Aktivisten und katalanische Separatisten bis zu rechten „Identitären“.

Prominente nationale und internationale Kritiker quer durch das politische Spektrum leuchten die Schwächen des identitätspolitischen Denkens aus. Mit dabei sind der österreichische Philosoph Robert Pfaller, der US-Politologe Mark Lilla, der britische Publizist Kenan Malik, der Historiker Volker Weiß und noch viele andere.

Gerade unter Linken gilt die Identitätspolitik noch immer als ein Mittel, um Minderheiten zu schützen. Menschen erscheinen vor allem als Angehörige spezifischer Opfergruppen. Nicht Gleichheit, sondern der Wunsch nach Anerkennung eines „Anders-Sein“ steht im Mittelpunkt. Gleichzeitig richtet sich Identitätspolitik mal mehr, mal weniger gegen aufklärerische Werte wie Vernunft und individuelle Freiheit. Die Vorstellung, dass Menschen Unterschiede durch gemeinsames politisches Handeln überbrücken und gesellschaftliche Verhältnisse gestalten können, wird mitunter abgelehnt.

Johannes Richardt, Herausgeber des Sammelbandes, meint, die Identitätspolitik enthält „eine originär konservative, eigentlich sogar reaktionäre Färbung“. Sie unterhöhlt die Grundlagen für Solidarität ebenso wie für kontroverse, auf Vernunftargumenten basierende Debatten. So behindert sie demokratisch legitimierten gesellschaftlichen Wandel.

Letztlich hat sie sich als Sackgasse erwiesen. Was wir brauchen, so die Autoren, ist ein Comeback zukunftsweisender, an Inhalten und nicht an Identität orientierter Politik. Für Robert Pfaller und Kenan Malik bedeutet das, Klassenpolitik wieder zu revitalisieren. Liberale wie Mark Lilla fordern dagegen, die republikanische Bürgergesellschaft wieder zu rehabilitieren.
Johannes Richardt (Hg.):
Die sortierte Gesellschaft. Zur Kritik der Identitätspolitik.“,

Berlin: Novo Argumente Verlag, 200 Seiten

Preis: 16,00€
ISBN: 978-3-944610-45-0
Bei Amazon kaufen

Hinweis: kultur-cottbus.de benutzt Amazon Affiliate Links. Eine Bestellung über einen solchen Link bringt euch keine Nachteile, der Blattwerk e.V. wird aber mit einen geringen Prozentsatz am Umsatz beteiligt.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus