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Sophie Seeberg

Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey

von Jens Pittasch, Buch

Puhh, das ist so ein Buch ... ja, man muss lachen, und nein, es ist kein bisschen vordergründig klamaukig, wie Titel und Titelbild vermuten lassen.
Und das hat zwei Gründe.
Zum einen kann Sophie Seeberg (Pseudonym) schreiben, richtig gut schreiben. Zum anderen findet sie sofort einen hervorragenden, vielleicht sogar den einzigen Weg, über ihre Erlebnisse als Gerichtsgutachterin und Familienpsychologin überhaupt auf unterhaltsame Art zu berichten.
Oh: „Unterhaltung“, „Lachen“ - gleich zwei Begriffe, die man sich kaum traut in den Mund zu nehmen, bei den Themen, um die es geht.
Zumindest dann, wenn man Anderes im Sinn hat, als RTL-„Reality“-Voyeurismus.
Sophie Seeberg war diese Gratwanderung sehr wohl bewusst. Und so stellt sie den eigentlichen Geschichten ein langes Vorwort voran. Verbunden mit der ausdrücklichen Aufforderung, bitte im dort erklärten Sinne weiterzulesen.
Kurz darauf lache ich auch schon, falle fast von der Liege im winterlichen Meerwasserbad, auf der ich das Buch verschlinge - erschrecke dann etwas, als eine interne politische Korrektheit den Zeigefinger hebt - beiße mir auf die Lippen, lache erneut.
Christiane schubst mich an, nicht um mich zu ermahnen, sie zeigt ein paar Liegen weiter: „Schau mal, was die liest.“ - Lesebrille ab, heimlich schielen: „Schantall, tu ma die Omma winken!“, steht auf dem anderen Buchtitel. Kenne ich nicht, habe mich inzwischen informiert, ein Spiegel-Bestseller. „Arrogant, zynisch, unlustig“, meint die hilfreichste von 73 Einsterne-Amazon-Bewertungen.
Genau das ist Sophie Seebergs Buch überhaupt nicht. An keiner Stelle führt sie ihre Familien vor, stellt sie zur Schau. Ja, es kommen Klischees vor, nur eben nicht als Zirkusnummer sondern in einer Realität, die einem das Lachen dann auch schnell mal wieder in die Kehle stopft. Mit dem bereits angesprochenen Titelbild ist die Autorin nicht wirklich gut beraten worden, das setzt auf Effekt - sie selbst setzt auf Intelligenz.
Im Verlauf des Buches nehmen die Lachstellen dann deutlich ab, und das macht gar nichts, es ist sehr gut. Es scheint, als ob Sophie Seeberg beim Schreiben klargeworden ist, dass weder Satire noch Haudrauf ihre Stilmittel sein können. Dass ihre Stärke das Persönliche ist, ihr Persönliches, Ihr Erleben, Ihre Sicht. Die sie uns vor allem nicht nur als Draufblick vermittelt, sondern wirklichen Einblick - einschließlich der Phase, in der sie ihre Arbeit fast nicht mehr machen kann, da sie in ihre Seele eingedrungen ist.
Immer wieder habe ich mich selbst schon vorher gefragt, wie man es als Beruf aushalten kann, was Sophie Seeberg alltäglich nicht nur begegnet, sondern mitnimmt.
Auch diese Antwort gibt sie schließlich selbst. Sich - und uns als Lesern und Zuschauern.
Wenn ein Buch auf die Bestseller-Liste gehört, dann sicher dieses.
Sophie Seeberg, „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey“
Taschenbuch, Knaur TB
02.12.2013, 256 S.
ISBN: 978-3-426-78603-1

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