Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Suzanne Collins

Die Tribute von Panem

von Christiane Freitag, Buch

Die Tribute von Panem-Trilogie – zwischen 2008 und 2010 erschienen, 2012 für die Kinos verfilmt und eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Sinnlos gehyped oder gibt es da tatsächlich etwas Magisches? Ich tendiere zunächst zu Ersterem, was kann einem ein Jugendbuch schon Großartiges bieten? Dachte ich…dann bekam ich die Bücher in die Hand. Zunächst etwas konsterniert über den immerhin 14cm hohen drei-Bücher-Stapel da auf meinem Tisch, gab ich dem Ganzen dann eine Chance. Was hab ich schon zu verlieren. Dass ich den darauffolgenden Tagen nichts anderes mehr machte, als zu lesen, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Schon nach ein paar Seiten hatte mich die Geschichte um Katniss Everdeen in ihren Bann gezogen…
Die Dystopie von Suzanne Collins spielt in Panem. Wem das jetzt lateinisch vorkommt: Panem leitet sich von Ausspruch Juvenals „panem et circensis“, also Brot und Spiele, ab – die Römer sollten mit Brot und Spielen davon abgehalten werden gegen den Staat zu rebellieren. Zeitlich ist die Geschichte in ferner Zukunft angelegt, wenngleich doch vieles an das alte Rom erinnert. Nomen est omen werden in Panem jährlich sogenannte Hungerspiele veranstaltet. Hungerspiele die zum dekandenten Amüsement der Bewohner des Kapitols (Panems Hauptstadt) dienen und in denen jeweils zwei Jugendliche zwischen 12 und 18, aus jedem der zwölf Distrikte (in die das restliche Panem aufgeteilt ist und die zur Erzeugung der im Kapitol benötigen Waren dienen), in einer Arena bis auf den Tod miteinander kämpfen. Bis nur noch einer der Tribute übrig bleibt – der Sieger. Damit soll jedes Jahr an den erfolglosen Aufstand der Distrikte gegen das Kapitol erinnert und neuen Versuchen vorgebeugt werden – Panem et circensis. Bis Katniss Everdeen schließlich zusammen mit Peeta Mellark als Tribut für ihren Distrikt (12) ausgewählt wird. Sie beide überleben die Hungerspiele und stehen somit symbolisch für den Beginn eines neuen Aufbegehrens gegenüber dem Kapitol – wurden doch schließlich die Spielregeln für sie geändert und das aufgrund eines cleveren Schachzugs Katniss‘. Sie wird zum Gesicht der Rebellion, die letzten Endes kurz vorm vermeintlichen Scheitern doch noch gelingt.
Natürlich ist die gesamte Geschichte in Wahrheit sehr viel vielschichtiger und diffiziler – ich erinnere kurz an die 14cm. Vor allem aber ist sie zwischen den Zeilen gelesen einiges mehr als ein reines nett und spannend geschriebenes Abenteuer mit obligatorischer Liebesgeschichte. Denn Suzanne Collins sticht mit ihrem Roman in die hohe See schwermütig-wichtiger Fragen – Fragen nämlich darüber, was eigentlich richtig und falsch ist, was ist legitim und was nicht, heiligt jeder Zweck auch wirklich jedes Mittel, und was ist gut und was böse, was heißt Verantwortung, und wie wichtig ist es verzeihen zu können, was ist Liebe? Diese immens wichtigen und schwierigen Fragen, an denen sich schon seit vielen Jahrtausenden viele den Kopf zerbrechen, in die Gedanken einer 16-Jährigen zu packen – diesen Spagat, zwischen jugendlich leichter Naivität und fundamentalem Verständnis der Welt und einem sehr ausgeprägten Sinn für Rechtschaffenheit, zu meistern, das ist Suzanne Collins einzigartig gelungen. Hinter jedem Ereignis liegt ein tieferer Sinn, nichts passiert oder wirkt undurchdacht – das beginnt bei der Namensgebung (z.B. ist Katniss ist die englische Bezeichnung für Pfeilkraut, Katniss‘ Stärke sind Pfeil und Bogen; der Präsident Panems heißt Snow, die Assoziation mit der Schneekönigin, zumindest charakterlich, liegt mehr als nah) geht über kleine raffinierte stilistische Mittel innerhalb der Geschichte (z.B. wird der Spotttölpel zum Symbol der Revolution – die einzige Waffe des Kapitols, die die Bewohner der Distrikte im früheren Aufstand wirkungslos machten aber auch Symbol für Menschlichkeit als Katniss in der Arena die kleine Rue begräbt) und endet beim Gesamtkonzept des Werks (so könnte man meinen, dass Panem, trotz seiner zumindest immensen technologischen Fortgeschrittenheit, eigentlich in Frieden leben und ohne Grausamkeit auskommen müsste, stattdessen gesellschafts-politsch eher auf dem Stand der alten Sklavenhaltergesellschaften ist; oder: Katniss wird als Gesicht der Rebellion ebenso zur Spielfigur der Mächtigen wie als Tribut, nur ist eben der Zweck ein anderer – heiligt der Zweck also jedes Mittel?).
Allerdings und das muss man auch dazu sagen, kommt eine Rebellion nicht ohne Gewalt aus und so auch dieses Buch nicht. In zuweilen krass-brutalen Szenen, die immerhin nicht allzu grafisch und vordergründig geschildert sind, so dass sie auch mehr oder weniger nebensächlich wirken, wird getötet, gefoltert, gesprengt und was nicht noch alles. Und das auch mit steigender Intensität. Wenn man dem Buch also eins zur Last legen sollte, dann die ungemeine Brutalität. Allerdings: wie sollte dieses Buch sonst diese Authentizität leisten können? Schwierig, schwierig….
Dennoch beweist Suzanne Collins dass (Jugend-)Romane tatsächlich mehr leisten können, als von Vampiren oder Zauberlehrlingen zu erzählen.
Umfasst die drei Einzelbände:
- Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele
- Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe
- Die Tribute von Panem - Flammender Zorn

Bei Amazon kaufen

Hinweis: kultur-cottbus.de benutzt Amazon Affiliate Links. Eine Bestellung über einen solchen Link bringt euch keine Nachteile, der Blattwerk e.V. wird aber mit einen geringen Prozentsatz am Umsatz beteiligt.
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus