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Hoffnung, dass eine andere Welt möglich ist

Cottbuser Dokumentarfilm: The Circleways - Reise in die nächste Kultur

von Cornelia Meißner, Film

Am 25. Oktober ist es endlich soweit! Nach einer langen Entwicklungsphase hat ein besonderer Film Premiere. Eine Gruppe junger filmbegeisterter Cottbuser*innen begab sich auf eine Reise. Die Fragen im Gepäck nicht geringer als: Welche konkreten Alternativen gibt es zu der Konkurrenz, Isolation und Konfliktunfähigkeit in der "modernen" Kultur? Wie können wir einfühlsam kommunizieren, Konflikte konstruktiv nutzen und wenn ja, wie? Welche Methoden sie fanden, um im Einklang mit sich selbst, Ihren Mitmenschen und der Natur zu leben, davon handelt der entstandene Dokumentarfilm "Circleways". Der Film zeigt neben verschiedenen Methoden, wie die mehrmonatige Reise zu sechst in einem Wohnmobil, auch das Leben der Beteiligten verändert. BLCKLICHT spricht darüber mit dem Initiator Heiko Schleinitz.

Heiko, kannst Du bitte für die Leser*innen kurz beschreiben, worum es in Eurem Film geht?

Ja, sehr gern. Also, wir zeigen einen zweisprachigen Dokumentarfilm, in Deutsch und Englisch, der an neun verschiedenen Orten Menschen, deren Methoden und Erfahrungen beim Anwenden verschiedener Konzepte zum bewussten Miteinander in Familie und Gemeinschaft, vorstellt. Wir zeigen dabei alternative Wege zur Rückbesinnung des Menschen auf sich selbst. Uns geht es darum, die Ansätze und Projekte näher zu beleuchten und zu hinterfragen. Angefangen hat alles mit den von einem Stammesältesten geleiteten „Circleway“ Camp, doch je mehr wir uns damit beschäftigten, desto größer wurde die Erkenntnis, dass der Kreis das grundlegende Prinzip in all den verschiedenen Methoden zu mehr Verbundenheit ist. Ich glaube man kann sagen, dass er Teil unserer Menschheits-DNA ist. Daher ist der Kreis auch die verbindende Klammer der verschiedenen Konzepte, die wir in den gut 75 Minuten zeigen.

Was verbirgt sich hinter „The Circleways“ und wie bist Du darauf gekommen?

Zentrales Element des "Circleway" nach Manitonquat ist die Methode des Redestab-Kreises. Wir stellen sie im Film ausführlich vor. In der Lehre des Begründers Manitonquat, einem indianischen Stammesältesten der Wampanoag, der leider 2018 gestorben ist, geht es darum, zu lernen einander und der Natur wieder genau zuzuhören, statt immer nur Fragen zu stellen oder seine Meinung zu äußern. Es geht um Rückbesinnung auf unsere menschlichen Wurzeln, um Achtsamkeit im Miteinander, um Kreisläufe. Es geht darum, gesehen zu werden, wie man ist. Wenn Jemand den Stab in einem Kreis – da sitzen manchmal 100 Menschen – hat, dann bekommt dieser Jemand die volle Aufmerksamkeit aller anderen. Dieser Mensch bekommt den Raum, mit allem da zu sein was in ihm ist, wird wahrhaft sichtbar und angenommen. Solche Momente sind eine völlig neue Erfahrung von Gemeinschaft und haben eine besondere emotionale Kraft. Dass fühlt sich für mich so an, wie der Gegenentwurf zum aktuellen Mainstream des konkurrenzbetonten Zusammenlebens.

Wie und wann seid ihr auf das Thema gestoßen? Wie wurde daraus eine Filmidee?

Jede und jeder aus unserem Team hatte andere Beweggründe. Allen gemeinsam ist die Frage nach der Ausgestaltung des respektvollen Zusammenlebens von Menschen untereinander und mit der Natur. Bei mir speziell war es vor vielen Jahren das Buch „Traumfänger“. Hier geht eine Frau aus der Zivilisation – zunächst unfreiwillig – auf einen Walkabout mit Aborigines. Diese nannten sich selbst die letzten wahren Menschen und waren entschlossen, ihr Wissen zu teilen, bevor sie sich assimilieren. Auf dem Weg durch das australische Outback lernt die Frau viele Dinge über das Zusammenwirken in der Natur, aber auch, wie viel Überflüssiges in ihrem bisherigen Leben die Lebensenergien für Wichtiges blockiert. Ich weiß, die Autorin ist umstritten. Mich jedenfalls hat der Inhalt angeregt, darüber nachzudenken wie ich auf diesem Planeten leben möchte. Das Buch weckte die Vision, dass es ein anderes Miteinander auf der Erde geben kann. Das war vor zwölf Jahren. 2011 wurde ich dann das erste Mal von einer lieben Freundin zu einem „Circleway-Camp“ eingeladen. Auf einmal erlebte ich, dass ich nicht erst nach Australien oder sonst wohin fahren muss, sondern es auch in unserer Kultur Möglichkeiten gibt, meine Vision real werden zu lassen. Bald folgte dieser persönlichen Entdeckung der tiefe Impuls, dass ich dieses Wissen in die Welt tragen möchte. Warum gab es darüber keinen Film? Also, sagte ich mir, dann fange ich damit an! Das war der Beginn einer großen Reise.

Zwischen 2011 und jetzt liegt ja eine ziemlich lange Spanne... was ist in der Zwischenzeit passiert, warum hat die Produktion so lange gedauert? Wie sahen die Etappen aus?

(lacht) Oh ja, das war ein langer Prozess und er wäre ohne liebevolle Mitstreiter und die vielen glücklichen "Zufälle" niemals bis an diesen Punkt gelangt. Und die Premiere ist ja im Sinne des Kreises auch nur ein Zwischenschritt. Tatsächlich sind seit der Idee acht Jahre vergangen. Es benötigte viele kleine Schritte, um jetzt in ein paar Tagen den fertig geschnittenen und vertonten Film zu zeigen. 2014 gab es die ersten Filmaufnahmen – übrigens auch die ersten in meinem Leben.
2014 haben wir den WirWelt e.V. gegründet, der die institutionelle Basis unserer Arbeit bildet. Es hat sich viel verändert und ich bin wahnsinnig dankbar für jedes Detail unseres Weges, unseres Entwicklungsprozesses. Besonders dankbar bin ich Mia und Martin aus unserem Kernteam, die seit Anfang 2015 einen großen Teil Ihrer Zeit in die Realisierung dieser Film-Idee investieren. Auch Paul, Dave und Ricardo haben einen Riesenanteil an der Fertigstellung des Films. Ein anderes Thema war das Geld. Wir starteten Anfang 2015 eine Crowdfunding-Aktion und konnten 20.000 € Euro zusammenbringen. Die investierten wir in eine zweimonatige Reise quer durch Deutschland sowie Österreich und Irland, um die einzelnen Projekte und Personen zu filmen. Wir setzten uns also in ein Wohnmobil, packten Kamera und Mikrofon ein und starteten in ein großes Abenteuer. Besonders registriert habe ich, dass immer wieder das passierte, was gerade gebraucht wurde. Und wie schon gesagt, die Kreise wurden auch immer weiter. Wenn wir in einem Projekt waren, gab es oft Hinweise auf andere Konzepte oder wir trafen gar jemanden Unerwarteten vor Ort.

Du hast schon gesagt, dass Ihr viele Menschen getroffen habt? Wie wurdet Ihr aufgenommen? Was hat Dich auf Eurer Reise am meisten fasziniert?

Das Besondere an dieser Reise war die Erkenntnis, dass sich viele, vor allen Dingen, junge Menschen, ähnliche Gedanken machen. Es gibt da eine starke Bewegung und ein paar Möglichkeiten zeigen wir ja im Film. Wir sind immer auf große Offenheit und Unterstützung für unser Projekt gestoßen und wurden bereitwillig in die Methoden eingeführt. Wir sprachen in den Interviews mit echten Koryphäen, zum Beispiel mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther, mit dem Philosophen Charles Eisenstein, mit Clinton Callahan, dem Entwickler des Possibility Trainings. Das war beeindruckend. Jedes einzelne Mal bekamen wir einen neuen Blick auf die Zusammenhänge und Abläufe während der zwischenmenschlichen Kommunikationsprozesse und natürlich nahmen wir an Seminaren und Trainings teil. Das war nicht immer leicht, denn in allen Methodenseminaren geht es darum, an den eigenen Kern zu gehen. Egal, ob es sich um Gewaltfreie Kommunikation, den Redekreis selbst, das Possibility Management, die Methoden der Soziokratie, der Wir-Prozesse nach Scott Peck, dem Forum oder den Methoden des unterstützenden Zuhörens handelt, die wir im Film vorstellen. Das hat viel mit Verantwortung zu tun, die ein selbst-bewusster Mensch für sich und andere übernimmt. Und dieser Anspruch betrifft uns natürlich auch. Und das ist wohl auch das Besondere für mich. Ich konnte auf dieser Reise sehr viel Hoffnung für meine Vision von Gemeinschaft und eine Art Urvertrauen – dass mein Gefühl, meine Intuition richtig und wichtig sind – gewinnen. Und wenn ich den Zuschauern unseres Dokumentarfilms etwas wünsche, dann wäre es genau das: Hoffnung, dass eine andere Welt möglich ist, und auch wir das hinbekommen.
Und noch eins zum Schluss: Dieser Film ist erst der Anfang für uns als Team! Wir werden unter dem Label "WeWorld" noch vielen Alternativen das Gehör verschaffen, dass Ihnen zusteht. Die Lösungen sind alle schon da - wir müssen Sie uns nur weitererzählen!

Danke.

„Circleways - Reise in die nächste Kultur“
Premiere: 25.10., Gladhouse Saal,
Einlass 18.00 Uhr, Beginn 19.00 Uhr
Film & Gespräch & Live Musik
Aftershowparty in der Marie 23

Das CircleWayFilm-Team:
Heiko Schleinitz, Mia Zittlau, Martin Drzisga, Paul Weißflog, David E. Brunzel, Ricarda Ricardo Gunder Gunder
Der Film ist momentan mit deutschen, englischen, italienischen, spanischen und französischen Untertiteln erhältlich.
Weitere Infos: www.circlewayfilm.com

Foto: Martin, Heiko und Mia vom Circleways - Kernteam
© pr/Circleways

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