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TheterBlick:Ein Sommernachtstraum

Open Air - Inszenierung des Shakespeare-Klassikers vom Ballett des Staatstheaters Cottbus

von Angelika Koch, Kultur

Nach dem Desaster der Sommertheaterproduktion des Vorjahres im Hof der Alvesleben-Kaserne, bei der König Kasper ziemlich baden ging, musste das Staatstheater etwas Neues auf den Sommerspielplan bringen und verpflichtete dieses Mal die Ballettkompanie des Hauses. Mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ setzte man auf eine sichere Bank, denn die Geschichte um Liebe, Verwirrungen und Verirrungen in einem Wald nahe des antiken Athens funktioniert in aller Einfachheit auch ohne die herrlichen Texte von Meister Shakespeare. Dazu mixten die beiden Choreographen, Ballettdirektor Dirk Neumann und Jason Sabrou, neben Titeln aus der Schauspielmusik zum „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy ein munteres Sammelsurium aus Musik des 19. Jahrhunderts, meist eingängige Melodien, und Gegenwartsmusik, vornehmlich von Filmkomponisten.
Am Premierenabend wurden die Zuschauerinnen von nett anzuschauenden Balletteleven der Ballettschule Werhun mit einer Rose begrüßt. Das Wetter spielte hervorragend mit, gut gelaunte BesucherInnen bevölkerten den ehemaligen Kasernenhof, schwatzten während der Ouvertüre meist munter weiter und ließen sich dann von den 12 Tänzerinnen und Tänzern bereitwillig in die Geschichte mitnehmen. Das ziemlich schlichte Bühnenbild von Hans-Holger Schmidt gab leider oft viel zu viel Einblick, sodass die im Hintergrund laufenden Techniker und die zum Auftritt gebückt schleichenden oder sich von der Bühne fortstehlenden TänzerInnen fast immer zu sehen waren und oft vom Geschehen auf der Bühne ablenkten.
Wer Tanztheater mit spannenden Choreographien erwartet hatte, wurde enttäuscht, man tanzte klassisch in phantasievollen Kostümen (Adriana Mortelliti). Es gab kraftvolle „Kampftanzszenen“ zwischen Lysander (Stefan Kulhawec) und Demetrius (Alexander Teutscher), lyrische pas de deuxs der beiden Herren mit Helena (Andrea Masoti) und Hermia (Veira Welijan). Titania (Inmaculada Marín López) und Oberon (Simone Zannini) fochten tänzerisch ihre Eheauseinandersetzungen aus. Es gibt zwischendurch durchaus spannende oder witzige choreographische Einfälle. So, wenn die Gruppe der Elfen wie ein Organismus sich über den Boden windet und wälzt, um ihrer Herrin Titania immer zu Diensten zu sein. Handwerker Zettl (Istvan Farkas) stach aus dem kleinen Ensemble der Athener Handwerker natürlich hervor und gab einen herrlichen Esel. Und Jhonatan Arias Gómez tanzte den allgegenwärtigen Puck gewitzt, gewandt und akrobatisch.
Am Himmel gab es als Ergänzung das Ballett der Mauersegler mit einem einzelnen Turmfalken zu sehen – alles in allem erlebten die Zuschauer einen schönen Ballettabend. Alle folgenden Vorstellungen waren so gut wie ausverkauft, und bestimmt folgt im nächsten Sommer eine Neuauflage dieses netten Sommerballetts.

Foto: Marlies Kross
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