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In memoriam: Elmar Altvater (1938-2018)

von René Lindenau, Politik

Wer ihn - Elmar Altvater - persönlich kennen lernen oder in zahlreichen Veranstaltungen erleben konnte, hat viel von ihm lernen können. Ich hatte dieses Glück mehrfach.
Das wissenschaftliche Wirken des Marxisten war immer mit einem intellektuellen Mehrwert verbunden. Lang ist die Liste seiner Publikationen.
Als globalisierungskritisches Standardwerk gilt „Grenzen der Globalisierung“ (1996). Beim VSA Verlag erschienen u.a. die beiden kleinen Bändchen Marx neu entdecken und Engels neu entdecken. Das „neu“ dürfte ganz im Sinne von Altvater gewesen sein.
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war der Professor auch politisch aktiv. Einst war er Gründungsmitglied Der Grünen, deren Beteiligung am Kosovo-Krieg brachte ihn auf Distanz zu ihnen. 2007 wurde er in der LINKEN Mitglied, arbeite bei ihrer Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie bei attac. Ferner wurde er Mitbegründer des Instituts für Solidarische Moderne. Ihre Mitstreiter aus Vertretern der Grünen, der SPD und der LINKEN versuchen dort Perspektiven für eine alternative Politik zu erarbeiten und vor zu denken
Nun ist Elmar Altvater verstorben – just am 1. Mai 2018 hat er aufgehört zu arbeiten und zu kämpfen. Aber bleiben werden sein Werk und seine Ideen, die nun jedoch von den Nachgeborenen fortzuentwickeln sind. Bleiben wird auch die Erinnerung an seine Vorlesungen, die Kult gewesen sein sollen. Eine Ringvorlesung, die ich von ihm hören durfte, sei ihm folgenden rekapituliert: „Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“.
Am 10. Januar 2006 hatte der FU-Professor Elmar Altvater die Freiheit, an der Cottbuser BTU über das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen, zu referieren. Die Freiheit über das Ende des real existierenden Sozialismus zu sprechen, wie wir ihn kennenlernten, hatte vormals niemand.
Doch hier sind wir gleich bei einer der Tugenden des Kapitalismus, die Prof. Altvater hervorhob; die der politischen Demokratie.
Nach einer SPIEGEL-Umfrage unterstützten ca. 70 Prozent der Deutschen, die Kritik an gewissen Auswüchsen des heutigen Kapitalismus, wie sie Franz Müntefering im Vorjahr aussprach. Dieses Ergebnis lässt bei ihm, die Frage nach seiner Berechtigung aufkommen. Schon ein Blick in die Literatur offenbare, dass es immer auch Kritik am Kapitalismus gab. Anlass ihn zu kritisieren bietet er ja genug. Zu seinen „schwarzen Seiten“- so der Professor gehören u.a. Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Kriege um Rohstoffe, Terror und Krieg gegen den Terror. Nachfolgend fanden falsches Wachstumsdenken ohne das mögliche negative ökologische sowie soziale Folgewirkungen berücksichtigt werden, Aufnahme in seinen Sündenkatalog. Negative Erwähnung erfuhren hierbei die Europäische Kommission und die Weltbank, die die Qualität von Regierungsarbeit zu einseitig an Wachstumsraten messen. Doch wo bleibt da der Mensch?
Dass es durchaus in staatstragenden Parteien Politiker gibt, die den Menschen und seine Interessen im Blick haben, belegt der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer mit seinem Engagement für die Nutzung der Sonnenenergie. Somit wären wir bei einem Kernpunkt der Ausführungen von Prof. Altvater: Der Endlichkeit der Rohstoffe, vor allem des Öls und die zwingende Suche nach alternativen Energiequellen und ihrer Nutzbarmachung. Hierin steckt auch eine Menge Konfliktstoff; siehe Afghanistan, Irak.
Mehrfach zitierte Elmar Altvater den Sozialhistoriker Fernand Baudel. Nach Meinung Baudel´s könnte der Kapitalismus nur an ein Ende geraten, durch einen äußeren Anstoß extremer Heftigkeit und dann, wenn im Innern der Gesellschaft glaubwürdige Alternativen entwickelt werden. Eine heftige Erschütterung könnte die Verknappung und Verteuerung des Treibstoffs des kapitalistischen Systems sein, der fossilen Energieträger. Dieser Prozess ist ja schon im Gange, wie man sieht, wenn man sehen will. Verschiedene Alternativen liegen auf dem Tisch bzw. werden durch Regierungshandeln umgesetzt. In Mecklenburg-Vorpommern gelang es dem Arbeitsminister der PDS-Nachfolgepartei Linkspartei. PDS das Konzept eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors in praktische Politik zu überführen.
Im Zuge der verheerenden Krise in Argentinien Anfang der 90-ger Jahre des vorigen Jahrhunderts, haben Arbeiter ihre von Schließung bedrohten Betriebe besetzt und wurden so zu Eigentümern. In Brasilien bekamen tausende landlose Bauern Land. In Kolumbien wird die Ölindustrie verstaatlicht. Alternativen sind also nicht nur notwendig, sondern auch möglich.
Prof. Altvater plädierte hier für einen Weg von der ICH-AG zur WIR-AG; kurz für eine solidarische genossenschaftliche Ökonomie. Und das wäre dann kein Kapitalismus mehr. Jedenfalls nicht der, den wir kennen. Oder?
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