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Auf und Ab

FridaysForFuture in Cottbus

von Bernd Müller, Politik

FridaysForFuture hat seit seinem Bestehen Menschen angeregt, zum Aktivsein bewogen, und die von Jugendlichen initiierte Bewegung hat immer wieder für heftige Debatten gesorgt. Schüler, die nicht zum Unterricht gehen und stattdessen für die Einhaltung der von der Politik gesteckten Klimaziele eintreten, das war für manche Gemüter zu viel.
Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) ist einer der Kritiker der Schülerbewegung. Im März bezeichnete er diese vor der Stadtverordnetenversammlung als toleriertes Schulschwänzen. Statt politische Forderungen mit Nachdruck zu vertreten, sollten Kinder und Jugendliche lieber dafür sorgen, dass in der Schule keine Flaschen und Verpackungen oder gar Zigarettenkippen weggeworfen werden.
FridaysForFuture besteht jetzt seit etwa einem Jahr. In den Medien ist vor allem die „Frontfrau“ Greta Thunberg präsent. Von manchen wird sie verehrt, von manchen gehasst. Auch unsere Redaktion erreichen immer wieder Briefe, die ihr gegenüber nicht gerade wohlwollend sind.
Uns interessiert als Redaktion aber weniger die Medienfigur Greta Thunberg, wir haben uns mit Aktivisten der Bewegung aus Cottbus getroffen. Konstantin und Anton, der eine studiert, der andere ist noch Schüler, beide brennen für die Sache. Man könnte sie als Herz und Seele von FridaysForFuture in Cottbus bezeichnen. Neben ihnen gibt es noch einige andere, die unterstützen, die Hauptlast der politischen Arbeit stemmen sie. Es verwundert nicht, dass sie zu unserem Treffen ein Paket mit Plakaten mitbringen, die sie im Anschluss noch im ganzen Stadtgebiet aufhängen wollen.
Sie erzählen von den Anfängen der Schülerbewegung in Cottbus. Im März hatte es ein Treffen gegeben, um den ersten Schülerstreik in Cottbus zu organisieren. Damals waren noch viele Schüler beteiligt, besonders die Gymnasiasten vom Max-Steenbeck-Gymnasium sollen sehr aktiv gewesen sein. Sie haben es schließlich geschafft, rund 250 Menschen zu mobilisieren. Aber wie das Schülerleben so spielt, standen dann bei vielen Klausuren an und die Sommerferien waren zum Greifen nah. Mit im Spiel war natürlich auch die jugendliche Unverbindlichkeit: Zu Terminen, die man gemeinsam gefunden habe, sei dann kaum jemand von denen gekommen, die eigentlich zugesagt hätten. Im Endeffekt hat die Bewegung an Schwung verloren und mobilisiert kaum noch jemanden. Das andere Problem: Das politische Desinteresse ist doch größer als angenommen.
Das ist für Anton und Konstantin aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie haben sich von der Potsdamer Bewegung inspirieren lassen. Wenn es eine Bewegung nicht mehr aus eigener Kraft schafft, Leute zum Handeln zu bewegen, dann muss ein Bündnis her. Und das heißt: #CottbusForFuture. Mit dabei sind die Jugendorganisationen verschiedener Umweltgruppen, Einzelpersonen oder auch politische Gruppen wie die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ).
Die gemeinsamen Forderungen sind keineswegs ungewöhnlich, sie könnten auch von Cottbuser Unternehmern stammen. Der Strukturwandel solle so organisiert werden, dass die Gelder nicht nur zu einigen großen Konzernen fließen, stattdessen sollten auch Bürgerprojekte und kleine Unternehmen etwas vom Kuchen abbekommen. Mit Blick auf die Universität kritisieren sie den Fokus auf den geplanten neuen Medizincampus. Stattdessen sollten auch bestehende Lehrstühle gestärkt werden, von denen zahlreiche nach wie vor unbesetzt sein sollen. In der Stadt sollten die Bedingungen für Fahrradfahrer verbessert werden, auch eine bessere Zugverbindung in Richtung Polen steht auf ihrer Agenda.
Das Gespräch mit Konstantin und Anton fließt dahin, man spürt ihren Enthusiasmus. Nach ihren Erfahrungen mit den Medien gefragt, sagen sie etwas, was gerade für Journalisten etwas zum Nachdenken ist. Als Journalist ist man immer angehalten, eine „Geschichte“ zu liefern, sie sich vom „Normalen“ abhebt, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich zu ziehen. Die beiden Aktivisten erzählen, dass Journalisten zwar gern mit ihnen reden, aber sie nicht so gern darstellen wollen. Stattdessen komme immer wieder die Frage, ob in ihrer Truppe nicht ein Mädchen wäre, das man in den medialen Vordergrund rücken könnte. Am Besten wäre eins, dessen Eltern noch in der Kohle arbeiten.
Für die Medienaufmerksamkeit sind solche Inszenierungen zwar gut, sie spiegeln aber nicht die Realität wider. Politische Arbeit. Egal in welcher Richtung, ist vor allem Kleinarbeit, die von vielen getragen wird, die wohl nie in den Medien präsent sein werden.
Am 20. September soll es wieder eine Aktion von #CottbusForFuture geben. Für 13 Uhr rufen sie zu einer Kundgebung auf dem „Heronplatz“ auf.

Foto: © René Lindenau
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