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Impro ist die Freiheit des Geistes

Gespräch mit Anja Schröter von der Improvisationstheatergruppe Rabota Karoshi (BÜHNE acht)

von Agneta Lindner, Kultur

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Hallo Anja, stell dich doch einfach mal kurz vor.

Ich bin Anja Schröter, 30 Jahre alt und Cottbuserin. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und später berufsbegleitend Soziale Arbeit studiert. An der BÜHNE acht bin ich seit 5 Jahren.

Wie genau sah dein Einstieg dort aus und hattest du vorher schon mit Theater zu tun?

Nein, überhaupt nicht. Die BÜHNE acht bietet Theaterkurse für Einsteiger an, und an so einem habe ich von November 2012 bis Januar 2013 teilgenommen. Danach konnte ich mir überlegen, ob ich bei der Inszenierung von Stücken oder beim Straßen- bzw. Improvisationstheater mitmachen möchte. Letztlich bin ich in allen drei Bereichen hängen geblieben. Zurzeit bin ich vor allem bei Rabota Karoshi und außerdem leite ich die Straßentheatergruppe.

Ende Oktober feierte Rabota Karoshi sein 9-jähriges Bestehen. Sag uns doch mal was zum Ursprung der Gruppe.

Am Anfang gab es eine Grundkonstellation von drei bis vier Leuten. Der damalige Bühnenleiter meinte: lasst uns doch mal Improvisationstheater ausprobieren, wer hat Lust? Naja, und in der Folge hat man sich dann erst einmal theoretisch mit der ganzen Sache auseinandergesetzt, in Büchern gelesen, Videos angeschaut und dann auch begonnen zu experimentieren. Im Laufe der Jahre wurde die Gruppe dann größer, gespeist aus Leuten von den Inszenierungen und auch von außerhalb, vor allem Studenten.

Warum die Namenswahl „Rabota Karoshi“?

Dieser Begriff setzt sich zusammen aus dem Russischen rabota (Arbeit) und dem Japanischen karoshi „bis zum Tode“. In Japan gab es unlängst erst den Fall einer Frau, die ihre 150 Überstunden nicht überlebte, woraufhin die japanische Regierung nun endlich anerkannt hat, dass übermäßige Schufterei eine direkte Todesursache sein kann. Die zulässige Zahl der Überstunden soll in Zukunft auf 100 pro Monat (!) limitiert werden. Aber zurück zu unserer Gruppe. Unser Name soll so viel bedeuten wie: Wir geben auf der Bühne alles, um das Publikum zufrieden zu stellen – wir spielen bis zur Erschöpfung.

Wieviele seid ihr momentan in der Gruppe?

Zehn. Wobei noch nicht alle bereit sind für einen Auftritt. Wir freuen uns immer über Zuwachs, auch die anderen Gruppen der BÜHNE acht. Student_in sein ist keine Voraussetzung und eine Altersgrenze nach oben gibt es auch nicht.

Wie sieht denn eine typische Probe bei euch aus? Viele gehen ja davon aus, dass man sich auf Improtheater-Aufführungen nicht vorbereiten muss.

Das ist auf jeden Fall ein Trugschluss, auf eine Vorstellung beim Improvisationstheater muss man sich natürlich vorbereiten. Wir treffen uns immer montags und proben dann drei Stunden lang. Den Anfang bildet meistens eine Erwärmung, bei der wir uns richtig auspowern, um den Alltag abzuschütteln und den Geist freizubekommen. Oft sind das Spiele, die auch in der Schule gespielt werden, wie Zweifelderball oder „Zombiehasche“. Dann folgt die fokussierte geistige Erwärmung über Assoziationskreise, das Erzählen von Einwortgeschichten oder direkt schon sogenannte Improspiele. Impro ist die Freiheit des Geistes. Während der Spiele gibt es immer wieder Feedback-Runden, bei denen wir uns gegenseitig verbessern und loben. Es gibt einen wichtigen Grundsatz, der es witzig auf den Punkt bringt: der ROTZ muss stehen – ROTZ ist kurz für Relation, Ort, Time(Zeit) /Typ, Ziel. Eben, damit eine improvisierte Szene auch Sinn ergibt.

Wie sieht nun ein Theaterabend von Rabota Karoshi aus?


Unsere Auftritte legen wir wohlweislich immer auf einen Donnerstag, weil da die Mehrzahl der Studenten noch in der Stadt weilt und nicht schon auf dem Weg nach Berlin ist.
Wir treffen uns immer schon etliche Stunden vor der Show, um erst einmal die Bühne, das Licht und die Stuhlreihen vorzubereiten. Wir machen das alles selbst. Danach folgt eine ausgiebige Erwärmung und Einstimmung.
Punkt 20:30 Uhr wird unser Jingle eingespielt, das Musikthema des Films „Fight Club“ und wir kommen enthusiastisch auf die Bühne. Der Moderator oder die Moderatorin erklärt grundsätzlich immer, was es bedeutet, einem Improtheater-Abend beizuwohnen. Dann gibt es zunächst eine Publikumserwärmung, bei der z.B.die Zuschauer ein paar Begriffe zu Ort und Zeit reinrufen üben. Für ca. 45 bis 60 Minuten geht es dann richtig ab, dann gibt es eine 20-minütige Pause und danach noch einmal ca. 45 Minuten Spiel.

Wie oft gebt ihr Vorstellungen?


Früher haben wir während der Vorlesungszeit einmal im Monat gespielt, das mussten wir leider reduzieren auf momentan sechs bis sieben Vorstellungen im Jahr. Bei Anfrage spielen wir aber auch gern auswärts.

Ausblick in die Zukunft: wird es Rabota Karoshi auch noch in 9 Jahren geben?

Das kann keiner von uns mit Gewissheit sagen, da wir vor allem den studentischen Schwankungen ausgesetzt sind. Spieler kommen und gehen, sodass wir nicht wirklich weit vorausplanen können, was beim Improvisationstheater aber auch nicht allzu schlimm ist. Wenn es um Shows geht, greifen wir auch manches Mal auf Leute aus beispielsweise Berlin und Bautzen zurück, die früher bei uns gespielt haben. Selbst die Leitung kann nicht ewig konstant sein.
Um aber ein positives Statement abzugeben: ja, Rabota Karoshi wird es auch in 9 Jahren noch geben!
Wer neugierig geworden ist, kann sich gern melden! Jede(r) zwischen 16 und 106 ist in allen Sparten der BÜHNE acht willkommen. Student_in sein ist keine Voraussetzung. Es ist eine prima Abwechslung zum Alltag und es gibt fast immer sehr viel zu Lachen.
Auftritte gibt es zwar erst wieder im nächsten Jahr, aber schaut einfach regelmäßig in die „Blicklicht“, dann verpasst ihr keinen Termin.

Vielen Dank für das Gespräch.


Foto: BÜHNE acht
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