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Eine Geschichte über Liebe, Hass, Verantwortung und das Klima

Greta, PREMIERE im Piccolo-Theater

von Konstantin Gorodetsky, Kultur

Es hat schon etwas Besonderes, wenn ein Aktivist der Fridays for Future – Gruppe aus Cottbus auf ein Künstlerkollektiv trifft, dass sich genau mit diesem Thema beschäftigt. GRETA heißt das neue Stück im Piccolo-Theater. Es hat am 3.11. Premiere. Die BLICKLICHT schickte FFF-Aktivist Konstantin Gorodetsky als Jugendkorrespondent ins Gespräch mit Daniel Ratthei, dem Autor des Stücks und Regisseur sowie den Schauspieler*innen Tracy Neumann und Konstantin Walter. Ein gutes Interview nach Plan bis auf einmal…

SZENE 1: FFF-Aktivist befragt Künstler*innen

Daniel Ratthei, worum genau geht es im Stück GRETA und hat es, wenn ja, Bezug zu Greta Thunberg?
Die Hauptpersonen im Stück sind die sechszehnjährigen Annegret und Hannes. Sie, also Annegret, will einfach nur ein paar Schüler*innen für eine Klima-Demo gewinnen und hält eine Rede. Diese wird schnell öffentlich und auf einmal steht sie im Fokus der Aufmerksamkeit. In diesem Handlungsumfeld trifft sie auf Hannes und es beginnt eine turbulente Phase mit einem Auf und Ab durch die eigene und allgemeine Gefühlslage beim Thema Klimawandel. Zwischen Verliebt sein, Wut, Angriffen und Schulalltag muss sie sich letztendlich für einen Weg entscheiden. Es gibt also keine Greta Thunberg als Figur, aber geistig ist sie immer mit dabei und wird zitiert.

Wie kam die Idee zum Stück?
Das Stück ist eine Auftragsarbeit für das Schlosstheater in Celle. Darum habe ich mich im Februar der Thematik gewidmet und das Stück geschrieben. Aber weil wir im Piccolo auch gerade an diesem Thema arbeiten, das Spielzeitmotto heißt ja „piccolo for future“, inszeniere ich jetzt hier.

Insgesamt gibt es sieben Rollen, aber nur zwei Schaupieler*innen. Ich habe gehört, dass Konstantin gleich sechs verschiedene Rollen spielt. Konstantin, ist es denn schwer, diese verschiedenen Rollen innerhalb eines Stückes zu spielen?
Also, es ist schon eine Herausforderung, aber ich finde es halt ganz gut, da die Rollen alle unterschiedliche Positionen vertreten. Es gibt da den Lehrer, den Vater, Alexander Gerst, unseren deutschen Astronauten, die Unverpackt-Laden-Frau und die Kaffee-Frau. Während Hannes ja für FFF ist, steht der Sportlehrer genau auf der anderen Seite. Der liefert viele Gegenargumente, die gar nicht mal so doof sind. Dadurch finde ich es halt ganz spannend, die verschiedenen Blickwinkel zu beleuchten, die man zu dem Thema so haben kann.
Daniel ergänzt: Im Übrigen gibt es keine Abgänge und keine Kostümwechsel. Er setzt sich keine Perücke auf und ist doch eine andere Figur. Das muss schon aus der Innerlichkeit herauskommen, damit das glaubwürdig passiert. Er wird das toll machen.

Tracy, was hat Dich am Stück fasziniert? Welche Motivation hast Du die Annegret zu spielen?
Ich bin seit Januar am Piccolo Gastspielerin und hab mich mega gefreut, als ich das Stück gelesen habe. Mich beschäftigt das Thema Umwelt ganz viel im eigenen Leben. Ich kann mich also sehr gut mit der Annegret identifizieren. Sie steht noch am Startpunkt und findet erst allmählich ins Thema, zum Beispiel, dass man gar nicht ohne Plastik im Supermarkt einkaufen kann und so. Ich mag an der Figur das Pure, so wie sie ist, auch mit einer gewissen Naivität. Sie fragt: Was kann ich verändern? Und sie stößt natürlich an Grenzen mit Lehrern, dem Vater…

SZENENWECHSEL (ungeplant): Regisseur befragt FF-Aktivisten

Konstantin, wie lange bist du denn schon bei Fridays for Future?
Seit Mitte März.

Ich bin ja auf der ersten Kundgebung gewesen. Aber die meisten waren das letzte Mal, also vor Kurzem, soweit ich gesehen habe, gar nicht mehr da. Die sind sozusagen abgesprungen. Warum?
Ich weiß es nicht. Einige hatten vielleicht Probleme zu Hause, nehme ich an. Bei einem zum Beispiel arbeiten die Eltern in der Kohle… Andererseits ist es generell so, dass, wenn man versucht etwas aufzubauen, die Leute einmal oder bei der Organisation vielleicht 2-3 Mal kommen und dann keine Lust mehr haben. Also das ist ein generelles Phänomen.

Wir zeigen schon ein bisschen das, was du erfahren hast. Wir sind ganz gespannt, wie Du das Stück findest. Ob das für dich halbwegs glaubwürdig ist oder nur Theaterscheiß... Wie ist es bei dir mit dem Gegenwind? Hate-Speech?
Kommt nicht wirklich vor. Im Netz ist es natürlich anders, zum Beispiel, wenn man unter einem Kommentar zu einem Artikel 200 allermeist negative Kommentare erhält, dann schon. Das nimmt mich aber jetzt nicht so mit.

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Daniel Ratthei, was wollt ihr mit dem Stück erreichen?
Wir leisten zu dieser Riesendiskussion um den Klimawandel unseren Beitrag. Das allerbeste wäre, wenn es auch eine Brücke zu den Hatern schlägt, weil diese Spaltung blöd ist: zwischen Jung und Alt oder zwischen Rechts und Links... Aber das werden wir natürlich alleine mit dem Stück nicht schaffen. Wir finden gut, was Fridays for Future macht und das wollen wir unterstützen. Wir versuchen, Bewusstsein zu schaffen. Wir werden Nachgespräche führen, um mit den Zuschauern ins Gespräch zu kommen. Es ist jetzt nicht so, dass wir jemanden umstimmen möchten, aber ins Gespräch kommen und Brücken bauen, das wollen wir schon.

Warum lohnt es sich für Leute, die mit dem Thema nicht so stark in Berührung sind, dennoch zum Stück zu kommen, Tracy?
Das Stück bearbeitet vor dem großen thematischen Hintergrund viele betroffene andere Bereiche aus dem Leben. Es geht um eine Liebesgeschichte, es geht um ein Vater-Tochter-Verhältnis, es geht um eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Es geht um alltägliche Situationen und Konflikte. Es geht um Informationen zum Thema, aber verpackt in eine spannende Geschichte. Und jeder kann überlegen, was er/sie selbst tun kann und würde.

Daniel? Genau. Und ich würde mir natürlich wünschen, dass, wenn man sich das Stück anschaut - egal, ob man mit dem Thema zu tun hat oder nicht – sich am Ende selbst die Frage zu stellen: Was kann ich tun, auch wenn es nur ganz wenig ist?!

Na, dann wünsche ich Euch toy, toy,toy für die Premiere und folgende Vorstellungen. Ich werde Euch auf jeden Fall verraten, wie es mir gefallen hat. Danke.

Das Interview führte Konstantin Gorodetsky, Überarbeitung Conny Meißner

Foto: Greta, Probenfoto © Daniel Ratthei
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