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Krass im positiven Sinne war vieles

Interview mit der Band F.B.I.(Freibierideologen) anlässlich ihres 25-jährigem Bandjubiläums

von Bernd Müller, Kultur

Ihr feiert in diesem Jahr euer 25-jähriges Bandjubiläum. Könnt ihr was zu eurer Entstehungsgeschichte als Band erzählen?
Die Band ist so eine Stammtisch-Streetworkeridee gewesen. Die 90er waren noch wild genug für so was. Da hier in Cottbus jeder jeden kannte, war dann die Besetzung auch recht schnell gefunden. Das Keyboard war eigentlich nicht geplant, musste dann aber mit rein, weil es Julian (damals an der Gitarre) dem Tastenheini schon verspochen hatte.
Die ersten Spielversuche hatte die Band dann im Keller der Jugendhilfe. Wir konnten nicht viel, das aber gut. Nach gut 3 Monaten gab es den ersten Auftritt. Das lief ganz gut, also haben wir weitergemacht.

Ihr kommt aus der Oi-Skinszene. Was bedeutete für euch damals Skinhead-Sein?
Die meisten von uns kamen aus der Punkszene. Der Kontakt zur Skinheadszene in den 80ern und frühen 90ern war somit eher rar und meist konfliktbehaftet. In der eigenen und der öffentlichen Wahrnehmung hatte sich die „Oi-Skinszene“ in unseren Landen wahrscheinlich noch nicht so entwickelt. Es war für uns auch ein interessanter und spannender Prozess, plötzlich Teil dieser Kultur zu sein. Dies aber immer auf unsere spezielle Art. Ein bisschen mit Augenzwinkern. Letztendlich sind wir eigentlich ne Punkrockband.

Vor 25 Jahren gab es in Cottbus noch heftige Auseinandersetzungen zwischen politisch Linken und Rechten. In wie weit hat euch das geprägt?
Sehr. Wir mussten in der Regel aufpassen, gerade wenn wir in Cottbus als Gäste Konzerte besuchten. Es gab Belagerungen der Klubs, die Heimwege waren nicht sicher etc. Aber das gab‘s nicht nur hier. Bei einem eigenen geplanten Konzert in Chemnitz wurde das veranstaltende Jugendzentrum von Rechten überfallen und verwüstet. Das war ein bisschen traumatisierend.
Auf der anderen Seite hatte sich durch die Jugendarbeit viel Positives getan. Es gab z. B. ein Fußballspiel links gegen rechts mit deeskalierender Wirkung.
So eine Wirkung haben wir uns damals auch immer von unserer Musik erhofft.

Was sind die krassesten Erlebnisse in eurer Bandgeschichte?
Krass im positiven Sinne war vieles. Wir hatten wirklich sehr amüsante Abende und Nachmittage. Die Spielorte waren hingegen oft krass gegensätzlich. Ob Aussteigerwagenburg, Dachboden oder SO 36. Da war alles dabei.
Ansonsten bleiben eigentlich immer die eigenen körperlichen, geistigen und verhaltensbedingten Ausfälle in Erinnerung. Manchmal sind die dann so krass gewesen, dass wir sie vertont haben. In „So breit“ ist alles echt.
An dieser Stelle nochmal eine Entschuldigung an alle für alles.

Mit eurer Platte "Widerstand zwecklos" habt ihr es einmal auf den Index geschafft. Wieso?
Das ist nicht richtig. Wir waren nicht auf dem Index.
Die CD geriet in den frühen 2000 ins Visier des brandenburgischen Innenministeriums. Der damalige brandenburgische Innenminister empfand die Platte geschmacklos und ekelerregend. Das machte uns sehr betroffen. Jedoch handelte und handelt es sich bei uns nicht um „Scharfmacher“.

Zu eurem 20ten Jubiläum habt ihr eine neue Platte präsentiert. Bringt ihr jetzt wieder eine raus?
Nein. Wir geben zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht grundsätzlich auf, später etwas in Angriff zu nehmen.
Für das Jubiläum haben wir uns was anderes Tolles ausgedacht, was unsere heutigen Mitstreiter vor ähnliche Herausforderungen stellt.
Kommen Sie alle gern vorbei! Wir freuen uns.

Habt ihr Pläne für eure Zukunft als Band?
Wir planen von Spiel zu Spiel. In unserem Alter macht man keine Pläne.
Aber wie schon eben gesagt, noch ein paar Songs zu machen, kann man in unseren aktuellen Teilhabeplan als Ziel festschreiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto: PR/Band
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Die Freibierideologen (F.B.I.) spielen sowohl am 27. März als auch am 28. März im Gladhouse. Nähere Informationen gibt es unter: Gladhouse
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