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Pöbel tötet König

Du hast eine Stimme, also nutze sie

von Agneta Lindner, Kultur

Dein Künstlername ist „PTK“ und steht für „Pöbel tötet König“. Wie bist Du auf diesen Namen gekommen und welche Bedeutung hat er für Dich?

„PTK“ hat tatsächlich mehrere Bedeutungen, und „Pöbel tötet König“ ist dabei mein persönlicher Favorit. Es gibt einen gleichnamigen Song von mir, der 2013 auf meinem ersten Album „Typisch Deutsch“ erschienen ist. Inhaltlich ist das so ein Revolutions-Ding. Wir, der Pöbel, sind viel mehr als die, die das Sagen haben, eben der König. Also spreng die Ketten, mach dich frei und sowas halt. Es muss dabei aber nicht nur um Machtverhältnisse innerhalb eines Landes oder der Gesellschaft gehen, sondern du kannst das auch auf ganz viele andere Ebenen übertragen. In einem Betrieb, in der Schule, wo auch immer – es gibt so viele verschiedene Systeme, die von Regeln, Verboten, Zwängen und Ähnlichem gestützt werden. Und Menschen nehmen das meistens alles einfach so an, wie es ist. Ich will es aber in Frage stellen.

Du rappst nun schon recht lange und hast inzwischen mehrere Alben herausgebracht. Wie bist Du zum HipHop gekommen? Was findest du an dieser Musikrichtung vor allem gut?

Das kann ich gar nicht so genau sagen, aber im Großen und Ganzen durch Freunde. Ich mag einfach generell authentische Menschen und somit auch Musik, egal welches Genre, und genau das war im Rap früher extrem wichtig. Ich will mich identifizieren können oder die Perspektive des Künstlers nachvollziehen können, das hat mir in meiner Jugend viel gegeben. Ich brauche einfach was „Echtes“. Ich lese auch lieber ein Buch, in dem jemand was erlebt hat, statt was Fiktives oder schaue lieber eine gute Doku statt den neusten Hollywoodstreifen.

Hast du musikalische Vorbilder oder andere Menschen, die Dich bisher inspiriert haben?

Vom Sound her hat mich anfangs Einiges inspiriert. Das wäre einfach zu viel, um es komplett aufzuzählen. Wenn ich Namen nennen müsste, dann vor allem Nas und Mobb Deep. Inhaltlich habe ich in den letzten Jahren immer mehr mein eigenes Themenfeld gefunden, hatte in der Hinsicht aber nie andere Künstler als Vorbilder. Inspiriert werde ich einfach im Alltag durch gute Freunde, aber auch durch fremde Leute, die man so trifft oder beobachtet. In einem meiner ersten Lieder, habe ich mal gesagt „eigentlich schreibt meine Gegend den Text“, und das gilt nach wie vor.

HipHop ist ja als musikalische Reaktion der Afroamerikaner auf ihre Schlechterstellung im System der Weißen in den USA entstanden. Viele Aussagen waren demnach sozialer und politischer Natur. Siehst Du Dich in dieser ursprünglichen Tradition?

Ich bin natürlich nicht unter vergleichbaren Umständen groß geworden, da ich in Deutschland zur Welt kam und hier lebe. Aber auch hier in diesem reichen Land gibt es unfassbar viele gesellschaftliche Missstände, unter denen Menschen leiden. Aber genauso tun sich die Menschen selbst viel Schlechtes an. Ich habe auf jeden Fall den Anspruch, dass meine Musik eine Aussage hat, den Spiegel vorhält und zum großen Teil als „sozialkritisch“ - wenn nicht sogar eher „sozial-beleidigend“ - bezeichnet werden kann.

Welche Themen sprichst Du vor allem in deiner Musik an? Spiegeln die Songtexte auch deine eigenen, persönlichen Erfahrungen wider?

Die Gentrifizierung meiner Gegend, die willkürlichen Polizeikontrollen im Alltag oder die Abschiebung eines Freundes. Ich schreibe einfach über alles, was mich stört oder was ich als ungerecht empfinde. Genauso auch über persönliche Schicksalsschläge oder Dinge, die Menschen in meinem Umfeld passieren. Es gibt also immer einen persönlichen Bezug für mich. Generell ist das am Ende keine Gute-Laune-Musik. Um etwas zu ändern oder wenigstens Bewusstsein für etwas schaffen zu können, aber auch um etwas zu verarbeiten, muss ich es halt kompromisslos ansprechen. Ich gehöre nicht zu den Rappern, die irgendwas Belangloses runterschreiben, sondern im Gegenteil, und da bin stolz drauf, hat jedes Lied von mir auch ein klares Thema, das direkt aus meinem Leben gegriffen ist und auf meinen eigenen Erfahrungen beruht.

Wenn man dich bitten würde, Jugendlichen etwas fürs Leben mit auf den Weg zu geben, was würdest Du Ihnen sagen?

Ich gebe schon seit einigen Jahren Rapworkshops, in denen ich Kindern und Jugendlichen zeige, wie man einen Text schreiben und rappen kann. Dort vermittle ich automatisch nebenbei dieselben Werte wie in meiner Musik und bringe ihnen auch ganz simpel bei, ihre Stimme zu benutzen. Das meine ich ganz wortwörtlich, aber auch metaphorisch. Eine Sache, die ich ganz schlimm finde, ist wenn Leute etwas nicht aussprechen, runterschlucken und in sich reinfressen. Du hast eine Stimme, also benutze sie! Sag was dich stört und verschaff‘ dir Gehör. Setz dich für andere ein. Und lass dir nicht alles sagen, sondern hör‘ auch auf deine eigene Stimme, um dir selbst gerecht zu werden!

Danke für das Gespräch.

pictures/artikel/IMG_41152481.jpgFoto: © Jakob Tillmann
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