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Wohnen für Menschen, statt für Profite

Die Karlstraße 29 soll bleiben!

von LL, Cottbus

Seit mittlerweile fast 30 Jahren gibt es in der Karlstraße 29 ein selbstverwaltetes studentisches Wohnprojekt. Es begann, als ein Versuch, als etwas in dieser Stadt noch Unbekanntes - ein Experiment der neunziger Jahre. Bezahlbarer und gemeinschaftlicher Wohnraum, sowie eine Wirkungs- und Entwicklungsstätte für Studierende konnten dort 1992 erkämpft werden. Seitdem vergingen einige Jahre; viele Menschen sind aus, neue eingezogen und alle prägten und prägen dieses Projekt bis heute.

Die K29, wie sie ihre Bewohner*innen und Freund*innen liebevoll nennen, wurde mehr und mehr ein fester Bestandteil des Kiezes nördlich der Innenstadt. Hoffeste, Brunches und Kinoabende wurden organisiert und das Haus bot sich als Veranstaltungsort der "Livingroom Gallery", einer an heimischen Orten stattfindenden Kunstausstellung, an. Nicht zuletzt hat sich das Karlstraßenfest als eine besondere Feierlichkeit etabliert. Das Fest wird alljährlich von der K29 und ihrer Nachbar*innenschaft veranstaltet und führt Menschen aller Art in einem offenen und entspannten Umfeld zusammen.

Seit diesem Jahr ist das Projekt allerdings bedroht. Das Gebäude in der Karlstraße 29 wurde kürzlich verkauft. Der Verein „Karlstraße neunundzwanzig e.V.“, in dem sich die Bewohnendenschaft organisiert, unternahm zunächst selbst Bemühungen, das Haus zu erwerben. Nachdem bekannt wurde, dass es zum Verkauf ausgeschrieben wurde, sicherten die Bewohner*innen dem damaligen Eigentümer ihr Kaufinteresse zu. Doch die Suche nach möglichen Geldquellen und Krediten zum Aufbringen der Kaufsumme war vergebens. Schon nach wenigen Wochen war das Gebäude verkauft.

Bei dem neuen Besitzer handelt es sich um einen privaten Investor aus Berlin. Nun soll es saniert und dem Wohnungsmarkt als modernisierter Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Da die daraus resultierenden Mieterhöhungen für die meisten Bewohner*innen der K29 nicht mehr tragbar sein werden, wären eine Verdrängung aus der Karlstraße 29 und damit das Ende dieses gemeinschaftlichen Wohnprojektes allein durch die Mietkosten die Folge. Mittlerweile erhielt die K29 mehrere Kündigungen und eine Räumungsklage, die nun vor Gericht verhandelt werden wird.

Aufgrund der geschilderten Lage ist unklar, ob und wie das Projekt erhalten werden kann und manche mögen sich nun fragen, wie es mit diesem als Experiment gestarteten Herzensprojekt in Zukunft weitergehen wird. Die Bewohnendenschaft wird sich nicht kampflos ergeben. Bisher wurden z.B. selbstgemachte Transparente durch solidarische Nachbar*innen aufgehangen, die Stadtverordnetenversammlung beschloss, dass die Stadtverwaltung eine vermittelnde Rolle in dem Konflikt zwischen den Mieter*innen und dem neuem Eigentümer einnehmen solle und auf verschiedenen Veranstaltungen wurden Spenden für die kommenden rechtlichen Auseinandersetzungen gesammelt.

Sollten die Bemühungen um die K29 ins Leere laufen, reiht sie sich in eine lange Folge von aus Häusern und Wohnungen verdrängten Mieter*innen ein, deren Zahl auch in Cottbus stetig ansteigt. Doch, überall - regional wie international - regt sich Widerstand und trotz der ungleichen Machtverhältnisse gibt es Möglichkeiten sich zu wehren.

Fest steht: Die K29 ist es wert, sich für ihr Bestehen einzusetzen. Das Haus und was es ausmacht, soll deshalb nicht nur für die jetzige Bewohner*innenschaft erhalten werden. Es soll auch für vergangene und nachfolgende Generationen, für diejenigen, die diese Wohngemeinschaft, den Kiez und die Stadtgesellschaft prägten und noch prägen werden, bestehen bleiben.

Jede bereits erhaltene Unterstützung, sei es durch die Kirche, Nachbar*innen, andere Vereine oder durch Privatpersonen, ist für die K29 eine enorme Hilfe und zeigt, dass die Bewohner*innen nicht allein sind. Im Moment sammeln sie Spenden für den anstehenden Rechtsstreit. Wenn auch ihr die K29 unterstützen möchtet, tragt gern etwas dazu bei:

Spendenkonto:

    Empfänger*in: Karlstraße 29 e.V.
    IBAN: DE59 1806 2678 0104 6478 82
    Bank: VR Bank Lausitz eG
    Zweck: Spende Kiezprojekt K29

Für Fragen oder Austausch und um Spendenbescheinigungen zu erhalten, meldet euch gern unter: verein@karlstrasse29.de.
Weitere Infos gibt es unter: www.k29.home.blog, instagram@k29bleibt, twitter@k29bleibt
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