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Konflikt mit Russland verstehen

Jörg Kronauer: Meinst Du, die Russen wollen Krieg?

von Bernd Müller, Buch

Russland hat in der „westlichen Welt“ einen schweren Stand. Es hat einen Präsidenten, der in der Presse als Autokrat bezeichnet wird. Über das Land wurden Sanktionen verhängt, um die eigenwillige Regierung dem Willen des „Westens“ gefügig zu machen. Das Kriegsbündnis NATO stationiert Truppen an der russischen Grenze und führt Manöver durch. Um Russland abzuschrecken, wie es heißt.

„Meinst Du, die Russen wollen Krieg?“, heißt das neue Buch von Jörg Kronauer, in dem er versucht, den Ursachen des Konflikts zwischen Russland und des „Westen“ auf die Spur zu kommen. Der Autor ist ausgesprochener Experte für internationale Beziehungen, vor allem für die deutsche Außenpolitik. Auf der Internetseite www.german-foreign-policy.com sind zahlreiche Analysen von ihm zu finden. Auch in der Tageszeitung „junge Welt“ veröffentlicht er seine Expertisen.

Kronauer fragt: „Stimmt es etwa nicht, dass Russland die Krim übernommen hat, die Aufständischen in der Ostukraine unterstützt und in Syrien militärisch interveniert?“. Die Antwort liefert er gleich mit: Ja, es stimmt. Doch: „Als russische Aggression kann all dies nur bezeichnen, wer die westliche Umsturzpolitik in der Ukraine und in Syrien geflissentlich übersieht“.

In seiner Analyse gibt es mehrere Stränge. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit Ausnahme von 1941 bis 1945 stets versucht, Russland zu schwächen. Deutschland hat, solange es schwach war, mit Moskau kooperiert; wenn es sich stark genug fühlte, hat es stets versucht, seine Macht weiter nach Osten auszudehnen – bis hin zum Krieg. Russland selbst hat nach 1991 versucht, an westliche Strukturen anzudocken – erst an die NATO, dann an die EU. Als ihm beides versagt wurde, begann es wieder, selber Weltmachtpolitik zu betreiben.

Jedem dieser Stränge hat Kronauer ein eigenes Kapital gewidmet. In einem weiteren Kapitel behandelt er den neuen Kalten Krieg, wie er aktuell betrieben wird. In allen Kapiteln legt er seine Argumentation überzeugend und fundiert dar, spart dabei nicht mit geschichtlichem Hintergrundwissen.

So erfährt man, dass Deutschland gleich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg damit begann, mit dem ehemaligen Kriegsgegner Geschäfte zu machen und den Versailler Friedensvertrag zu umgehen. Neueste Waffen wurden in der Sowjetunion getestet, Armeen trainiert. Gleichzeitig verfolgte der deutsche Generalstab weiterhin Pläne, die Sowjetunion zu zerschlagen und in viele einzelne kleine Teile zu zerlegen. Wir erfahren, dass der erste Kalte Krieg nicht erst 1945 begann, sondern im Prinzip schon 1917. Aus Angst vor dem Kommunismus war dem US-Establishment jedes Mittel recht, Hauptsache die Sowjetunion nahm Schaden.

Das Buch bietet einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis des heutigen Konflikts mit Russland. Wer ihn verstehen will, kommt an Kronauers Buch nicht vorbei.
Jörg Kronauer (2018)
„Meinst Du, die Russen wollen Krieg? Russland,
der Westen und der zweite Kalte Krieg“

Köln: Papyrossa Verlag, 207 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-89438-650-4
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