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Kunst für ein politisches Jahr

von Bernd Müller, Kultur

Das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die ungefähr 32.000 Besuchern an den Standorten Cottbus und Frankfurt (Oder) seien eine erhebliche Zahl, sagte Direktorin Ulrike Kremeier im Januar auf einer Pressekonferenz.

Für das neue Jahr haben sich die Mitarbeiter des Landesmuseums wieder einiges vorgenommen. Sie wollen nicht nur ästhetisch hochwertige Kunst ausstellen und einem breiten Publikum zugänglich machen, sie wollen mit Kunst in die gesellschaftlichen Debatten eingreifen. Nicht im parteipolitischen Sinne, wie Kremeier betont, aber ein Museum sei immer auch eine gesellschaftspolitische Einrichtung. Denn mit Kunst würden immer bestimmte Themen öffentlich angesprochen. In diesem Jahr wird beispielsweise Kunst aus Uganda gezeigt, Kunst, die einiges über die Kolonialgeschichte erzählt, oder eine Choreographie von öffentlichen Protesten.

Das Ausstellungsjahr begann mit zwei Ausstellungen im Januar, mit „Russian Times 1988 – 2018“ von Frank Gaudlitz und „Königsland“ von Alexander Janetzko und Matthias Körner. Beide Ausstellungen können bis Mitte bzw. Ende März besucht werden.

Frank Gaudlitz bereist seit 30 Jahren Russland – also fast sein ganzes Fotografenleben -, um dessen Zustand sowie den gesellschaftlichen Wandel in Bildern festzuhalten. Während seiner Studienzeit hatte er 1988 und 1989 in Moskau und Leningrad fotografiert. Diese Aufnahmen vermitteln etwas von den Befindlichkeiten der Menschen und dem Leben in der Sowjetunion, als das kommunistische Land mit Glasnost und Perestroika unterging.

In den 1990er Jahren dokumentierte Gaudlitz die tiefgreifenden Veränderungen in der Jelzin-Ära, die die russische Gesellschaft stark erschütterten. Dabei bereiste er nicht nur einige wenige Städte im europäischen Teil des größten Landes der Erde, sondern fand seine Bilder auch in den zentralasiatischen Regionen des Baikalsees, auf der Halbinsel Taimyr sowie in den Steinkohlerevieren Kemerowos. Die Bilder sind ein Zeugnis der gesellschaftlichen Depression durch blutige Verteilungskriege, in der zwar Reformen neue Freiheiten und Rechte versprachen, vielfach aber Rechtlosigkeit und Armut das Ergebnis für die Mehrheit der Russen war.

Das fotografische Langzeitprojekt „Russian Times“ vermittelt einen Einblick in die russische Wirklichkeit und veranschaulicht die komplizierten und oft widersprüchlichen politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen in den vergangenen drei Jahrzehnten.

Die Ausstellung „Königsland“ rückt das ostafrikanische Uganda in den Mittelpunkt der Betrachtung. Matthias Körner und Alexander Janetzko reisen auch seit vielen Jahren immer wieder und für längere Zeit dorthin, um ihre künstlerischen Projekte zu verwirklichen. Seit 2014 arbeiten beide an dem Film „Königsland“ und die Videoinstallation in der Ausstellung zeigt Clips, die während der Dreharbeiten entstanden.

Ihre Bilder zeigen das Leben in Stadt und Land; Prediger, die mit Eindringlichkeit die Passanten zur Umkehr mahnen; Druckereiarbeiter, die endlose Berge von Formularen stempeln; Kinder, die Bananen und selbstgebastelte Autos verkaufen, um ihr Schulgeld zu verdienen.

Neben den Filmen werden Malereien von Matthias Körner und Fotografien von Alexander Janetzko zu sehen sein. Im Mittelpunkt dieser Arbeiten steht die Regenzeit. Es ist die Zeit des Neubeginns in Landwirtschaft und Natur, gleichzeitig aber auch die Zeit der Gefahr von Überschwemmungen, die besonders die armen Menschen in den Slums bedrohen.

pictures/artikel/IMG_49027079.jpgFoto: Frank Gaudlitz: Platz der Revolution, Moskau, Mai 1989, Silbergelatineabzug, © Künstler
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