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KUNST UND SUBKULTUR IN COTTBUS

Kunst mit Herz - Projekt am Blechen Carre

von M. Jainz, Kultur

Wie in der Blicklicht Ausgabe von Mai 2020 angekündigt, ist die Bauzaun-Fläche an der Nordseite des Einkaufskomplexes angrenzend an die Brache im Stadtkern, in einem Projekt gestaltet worden.

Die aktuelle Wahrnehmung dieses Ortes erfährt eine Veränderung. Zwar hat sich die Fläche nur oberflächlich verändert, aber somit hat sich auch eine Perspektive auf diesen Raum gewandelt. Nach vielen Arbeitsstunden ist am Blechen Carré im Stadtkern ein Kunstwerk für Alle entstanden.

Die intensive Vorbereitung der Wand schaffte die Basis für die Gestaltung mit Markern und Sprüh-dosen. Das Abkratzen der Plakatreste mit der Hilfe von Freunden nahm fast zwei Tage in Anspruch. Bei der Grundierung der Fläche wurden kurzerhand auch spontan helfende Hände mit einbezogen. Auch konnten eine Hand voll Kinder und Jugendliche mal den Stift oder die Sprühdose schwingen.
Die Resonanz und Reaktion der Menschen sind durchweg positiv. Allen Anwohnern, Kindern und Jugendlichen, Einkaufenden und Besuchern von Cottbus bot sich während dieses Zeitraums ein abwechslungsreiches Geschehen, bei dem man der Entstehung dieses Kunstprojektes folgen konnte.
In mehreren Phasen wurde dieser tristen Fläche im Herzen von Cottbus wieder Leben eingehaucht.

Nachdem die Fläche in drei hellen Blautönen vorgestrichen war, wartete Sie ein paar Tage auf die beginnende künstlerische Gestaltung. Nun schmücken Schmetterlinge, Seifenblasen, Wolken, Gesichter und ein luftiger Graffitischriftzug, nach etwa 30 Stunden Arbeitszeit, die Bauzaun-Fläche. Der ausführende Künstler hatte neben unzähligen Gesprächen über das Projekt und die Geschichte der Fläche dahinter, alle Hände voll zu tun sein Vorhaben konzentriert in die Tat umzusetzen.

„Ich habe so viel mit den Leuten geredet, dass ich manchmal kaum zum Arbeiten gekommen bin.“

Auch kalligrafische Textblöcke mit dem Themen Erziehung und Natur sind handschriftlich mit einem großen Lackmarker angebracht worden. „Man muss erst stehen bleiben und sich die Wörter genauer durchlesen, um überhaupt zu verstehen, worum es im Gesamten geht“, so eine Anwohnerin.

Die Texte sind teilweise Auszüge aus einer bekannten Rede des Häuptlings Seattle im Jahre 1855, an den amerikanischen Präsidenten, als Antwort auf den Kaufgesuch für das Land der Ureinwohner.
Andere Zeilen sind eher spontan hinzugekommen. Die aufgegriffenen Themen sind aktueller denn je.

Die gesellschaftlichen Folgen von Privatisierungen, Profitwirtschaft und die Ausbeutung von Mensch und Natur treffen am Ende alle. So wird unsere Erde mehr als jemals zuvor durch den Menschen selbst geplündert und nachhaltig zerstört. Gerade jetzt im Schatten der aktuellen Krise, nehmen diese Entwicklungen verheerende soziale und ökonomische Dimensionen und Ausmaße an.

Die Welt- und Wirtschaftspolitik vernachlässigt fatal ihre Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt. Die Resultate werden gesellschaftliche Ungleichheit, Unfreiheit sowie zunehmend schwierige, soziale Verhältnisse und Perspektivlosigkeit von immer mehr Menschen sein.

Das Kunstwerk am Blechen Carré, soll künstlerisch den Blick auf gewisse Themen lenken und einen positiven, hoffnungsvollen Blick für das Bewusstsein der Dinge schaffen. Die Ästhetik von Kunst ist meist auf den ersten Blick wahrnehmbar. Die Intension der Kunst offenbart sich erst bei genauer Betrachtung der einzelnen Bildelemente. In der heutigen Zeit funktioniert vieles über Schein und Oberflächlichkeit, der Kern des Menschen und die Zusammenhänge stehen nicht im Fokus der Zeit.

Umso schöner ist es die Gelegenheit zu haben, mit Menschen tiefgründig über die Dinge ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Auch wenn es auf den ersten Blick „nur“ ein Kunstprojekt ist, ist es auch eine bewusste, soziale Interaktion mit den Menschen und ihrer Umgebung. „Man kommt in Kontakt, tauscht sich aus und lernt sich ja dadurch auch etwas kennen.“ Die Menschen sind dem gestalterischen Geschehen gegenüber sehr aufgeschlossen und freundlich.

„Mir wurden Getränke und auch Speisen vorbeigebracht und manche Nachbarn kamen regelmäßig vorbei, um zu schauen ob ich wieder vor Ort bin und am Kunstwerk weiterarbeite.“

Auch so mancher Gestaltungswunsch wurde gehört und mit einbezogen. So sind zum Beispiel die Schwalben am linken Bildrand der Wunsch eines Rentners, der sagte: „So wie die hier rumfliegen, dürfen die nicht fehlen.“ Auch ein Fischlein wurde für einen Jungen auf der Fläche angebracht.
Der Textstreifen unter dem Graffiti ist aus einem Theaterepilog des “Cottbusprojekts“ in der Kammerbühne von Harald Fuhrmann und Christiane Wiegand, uraufgeführt im Jahr 2015.
Dieses Theaterstück handelte von der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieser Stadt und zeichnete ein Bild von verschiedenen Perspektiven und Vorstellungen der Menschen die hier leben.

“Kunst mit Herz“ wirkte damals als Akteur bei diesem besonderen Theaterstück über Cottbus mit.
Die Zukunft dieser Stadt liegt nicht nur in den Händen derer, die Dinge entscheiden, sondern bei jedem einzelnen, den Vereinen, den Kulturschaffenden und allen Menschen die hier zuhause sind. So bleibt es abzuwarten ob das was eines Tages im Stadtzentrum hinter der Wand entsteht, den Cottbusern Ihr Herz und ein Stück Identität zurückgeben wird, sowie für die Menschen einen sinnvollen Nutzen hat. Seien wir zuversichtlich und gestalten die Stadt, wo wir die Möglichkeit haben.

Die nächste Umgestaltung ist schon geplant und so soll die Fläche weiterhin farblich belebt werden.
Auch ein Film über dieses Kunstprojekt wird bei Youtube unter Kunst mit Herz zu sehen sein.


Martin Jainz, Kunst mit Herz CB
www.facebook.com/kunstmit.herz.3
Projekte auf Youtube: Kunst mit Herz

Foto: M. Jainz
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