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Mein Körper gehört mir!

von Bernd Müller, Politik

Auch in Deutschland ist eine Diskussion in Gang gekommen, die längst überfällig war. Mit dem Hashtag #metoo erfuhr sie im letzten Jahr in den sozialen Netzwerken eine große Verbreitung. In der Debatte geht es um Macht und sexuellen Missbrauch.
Im Laufe der international geführten Debatte sind einige prominente Köpfe gerollt: der us-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein wurde gefeuert; Kevin Spacey wurde aus einem Film retuschiert und der deutsche Regisseur Dieter Wedel steht ebenfalls am Pranger.
Handelt es sich um die moralischen Verfehlungen Einzelner oder liegt das Problem tiefer? Der Spiegel (Ausgabe 8/2018) berichtete von der Initiative „art but fair“, in der sich Theater-, Tanz- und Musicalkünstler mit den frauenfeindlichen, autoritären und undemokratischen Zuständen an deutschsprachigen Theatern befassen. Das Problem liege im System.
Das Gleiche meint die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters (CDU). Laut Spiegel sagte sie, es existiere bei den Kulturschaffenden ein „asymetrisches Machtverhältnis zwischen denen, die Aufträge und Rollen vergeben, und denen, die darauf angewiesen sind“. Dass dieses Machtgefälle Demütigungen und sexuellen Missbrauch hervorbringt, legt auch der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer in seinem Gastbeitrag „Das Sternchen-System“ im Online-Magazin MEEDIA nahe. Es ist ein System, in dem Wenige demütigen und sexuelle Gefälligkeiten verlangen. Eine Mehrheit macht mit, um Karriere zu machen, oder schaut zumindest weg, um sie nicht zu gefährden.
Es ist ein altes System, über das bislang nur wenig gesprochen wurde. Eine der wenigen Ausnahmen dürfte die Roman-Trilogie „Ahnen und Erben“ von Hedda Zinner sein. Zinner porträtiert unter anderem die Theaterlandschaft in der Weimarer Republik, in der das „Sternchen-System“ bereits etabliert war. Und Thomas Fischer weist auf Spiegel-Berichte aus den 1960er Jahren hin, in denen über die schlimmen Gepflogenheiten der Kinobosse geschrieben wurde.
Wenn über sexuelle Gefälligkeiten und Missbrauch gesprochen wird, braucht man aber nicht in besonderem Maße zu den Künstlern blicken. Am Arbeitsplatz kann es sehr wohl ähnlich zu gehen, wie die Veranstaltung „Ich bin nicht dein Schatz“ des Frauenzentrums Cottbus zeigte. Auch der Jugendklub des Piccolo-Theaters hatte das Thema im Stück „Touch Down“ aufgegriffen und unter anderem gezeigt, welche Formen sexuelle Belästigung in der Familie und im Alltag annehmen kann.
Gesprochen wird dennoch viel zu wenig darüber. Die Gründe sind ganz oft Scham und die Vorstellungen, man habe selbst etwas falsch gemacht oder man sei die oder der Einzige, dem so etwas widerfahren ist.
Am 4. April gibt es im SandowKahn die Veranstaltung „Mein Körper gehört mir!“ des Frauencafés, bei der diese Vorstellungen hinterfragt werden sollen. Zentrale Themen: Was bedeutet Selbstbestimmung, und wann werden Grenzen überschritten? Was kann getan werden, damit eigene Grenzen eingehalten werden? In einer offenen Diskussionsrunde wollen die Veranstalterinnen mit Mädchen und Frauen über das Thema sprechen und Erfahrungen austauschen.


Veranstaltung: „Mein Körper gehört mir!“, am 4. April um 16.30 Uhr im SandowKahn (Elisabeth-Wolf-Str. 40a)
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