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TheaterBlick: Millionen für Penny, Theaternative C

Von der Ohnmacht des Falschgeldes

von Michael Apel, Kultur

Ein heiteres und musikalisches Sommertheater hatte Gerhard Printschitsch den Freunden der Theaternative C versprochen und dafür Max Colpets Musical „Millionen für Penny“ mit der Musik von Lotar Olias herausgesucht, welches 1967 seine Premiere erlebte. Manche bezeichnen es gar als das erste deutsche Musical überhaupt, was aber nur zeigt, dass sie Gerd Natschinskis „Mein Freund Bunbury“ von 1964 nicht kennen.

Drei heruntergekommene Gauner übernachten in einem leerstehenden Theater am Broadway und drucken Falschgeld. Alfredo, ein begabter Maler, ist angeblich unschuldig in eine Bilderfälscher-Affäre verwickelt worden und wird von Dieter Gericke mit dem richtigen Maß an Naivität und künstlerischer Sensibilität gespielt. Sig, ein Schauspieler, der allerdings nie mehr als ein Souffleur war, wird von Wolfgang Linnenbrügger gegeben. Er verleiht seiner Figur diese unendliche Sehnsucht nach Theater, allen Widrigkeiten und Realitäten zum Trotz. Uwe Karpa gibt den „Lord“, der einzig Hartgesottene unter den drei Gaunern, permanent beschäftig seinen Laden zusammen zuhalten.

Das Falschgeld, welches die drei herstellen, hat allerdings einen Haken. Es sind nur 100-Dollar-Scheine, die fast unmöglich in Umlauf zu bringen sind. Um so mehr freut sich die Bande, als Penny zu ihnen stößt. Die hübsche Schauspielerin aus der Provinz, auf der Suche nach einem Vorsprechtermin, hält die Gauner nämlich für echte Theaterleute. Viola Kuch spielt diese Rolle mit einer ehrlichen Naivität und tiefen Sehnsucht, so das sie schnell nicht nur die Herzen der Gauner, sondern auch die des Publikums gewinnt. Szenisch, wie musikalisch hervorragend, umschifft sie galant alle kleinen und großen Hindernisse die das Libretto für sie so bereit hält. Auch in weiteren Rollen hat Regisseur Gerhard Printschitsch gute Protagonisten gefunden. So zum Beispiel mit Ronne Noack als verliebten Polizisten O`Brain und Chef einer schrillen Truppe oder den traumhaften Girls Emilia Sperling, Miriam Diestelkamp und Lisa Neitzke die singend, spielend und tanzend der Inszenierung immer wieder neuen Schwung und Pepp verleihen. Das große Mimen nicht viel Text und Platz brauchen um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, beweißt Christiane Arndt, deren Auftritt als Vermieterin noch lange über dem Innenhof der Kleinen Komödie nachhallt.

Gerhard Printschitsch selbst gibt den traurigen Theaterdirektor einer geschlossenen Bühne, aber verteidigt mit aller Inbrunst und Energie seinen letzten Funken Ehre, der ihm geblieben ist.
Die musikalische Leitung lag bei Neritan Hysa, der zur Premiere von Ramona Geißler am Bass und Klaus Bräutigam am Schlagzeug begleitet wurde. Die choreografischen Elemente erdachten Emilia Sperling und Viola Kuch und so wurde „Millionen für Penny“ genau das, was versprochen wurde - ein heiteres und musikalisches Sommertheater in der Theaternative C. Das Premierenpublikum feierte das Ensemble mit stehenden Ovationen.


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Foto: © Yulia Speich
v.l.n.r. Emilia Sperling, Wolfgang Linnenbrügger, Miriam Diestelkamp, Dieter Gericke sen., Viola Kuch, Thomas Mietk, Uwe Karpa, Siegfried Hub, Lisa Neitzke
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