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Nie wieder!

Gedanken zum 8.Mai 1945

von René Lindenau, Politik

Für Friedrich Nietzsche war Krieg ein Winterschlaf der Kultur. Über 50 Millionen Menschen sind aus jenem Winterschlaf nicht mehr erwacht und bezahlten die Abwesenheit von Kultur mit ihrem Leben. Auf den Schlachtfeldern des Krieges selbst, oder als Opfer faschistischer Barbarei in den Zuchthäusern und KZ´ des Hitler-Regimes. Insgesamt befanden sich während des 2. Weltkrieges 72 Staaten im Kriegszustand. Die Ausdehnung der Kampfgebiete betrug 22 Millionen Quadratkilometer, 110 Millionen Menschen waren zum Kriegsdienst einberufen worden.
Diese 12 Jahre Gewalt, Terror und Krieg schlugen tiefe Wunden in Städte und Landschaften aber auch bei den Menschen, die vielfach bis heute nicht verheilt sind.
Nach Meinung des damals führenden Funktionärs der brandenburgischen SPD, Friedrich Ebert, habe kein anderes Land der sowjetischen Besatzungszone unter den Kampfhandlungen so gelitten, wie die Mark Brandenburg. Ein Jahr nach Kriegsende schilderte die Provinzialverwaltung in einem Rückblick wie es im Land aussah u.a. wie folgt: „Es gab keine Versorgung. Es gab keine Verwaltung. Es gab überhaupt nichts mehr. Es war alles geordnete Leben völlig zu Ende. Chaos“.
Durch Kriegseinwirkungen waren Prenzlau zu 86%, Schwedt zu 84% und Wriezen zu 92% zerstört.
Auch die märkische Agrarwirtschaft blieb vom Krieg nicht verschont. So blieben im Kreis Lebus im Juli 1945 von einst 43 000 Stück Rindvieh nur noch 400 übrig.
Ein – mit Verlaub – Rindvieh amtierte (2005-2010) als Ministerpräsident in Baden-Württemberg, dann als EU-Kommissar und heißt Günther Oettinger. Dieses CDU-Mitglied war dreist genug, seinen Amtsvorgänger Hans Filbinger, der als Nazi-Marinerichter Todesurteile fällte, bei dessen Beerdigung, zum Gegner des NS-Regimes zu erklären. Kommt das nicht einer zweiten Hinrichtung der Opfer von Filbingers Mord-Urteilen gleich? Doch es gibt zum Glück noch Parteifreunde, die lernfähig sind. Richard von Weizsäcker z.B. erkämpfte sich noch 1945 bei seinem Einsatz in der Schlacht am Frischen Haff das Eiserne Kreuz. Als Bundespräsident hielt er dann zum 8.Mai 1985 eine bis heute viel beachtete Rede, in der er von diesem Datum als Tag der Befreiung sprach. Heute ist man versucht, zu fragen, wer befreit uns von solch‘ schwätzenden Politikern á la Oettinger?
Im Osten Deutschlands ging man daran, eine antifaschistisch-demokratische Ordnung aufzubauen. 1949 entstand bei dem Versuch, es nun besser zu machen, die DDR. Es war eine Wende in der deutschen Geschichte. Es war eine Chance zum Neubeginn. Aber verschiedenste Faktoren, widrige Umstände, Fehlverhalten und auch Verbrechen nahm ihr die Lebensfähigkeit. Das Ende kam 1989.Wieder standen wir vor Trümmern. Diesmal war es der Realsozialismus in den Farben der DDR.
Und heute? Deutsche Soldaten sind in den letzten Jahren wieder verstärkt grenzüberschreitend tätig geworden. Von Kosovo am Horn von Afrika bis Afghanistan. Da möchte man mit Bertolt Brecht sagen: „Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen, denn das Schreiben verlangt Denkarbeit.“ Bleibt zu hoffen, dass die akademisch gebildete Kanzlerin Dr. Angela Merkel alsbald mit ihrer Denkarbeit beginnt. Um des Friedens willen!
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