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Alles OK in QualityLand

Schwarzsatirische Dystopie mit hohem Unterhaltungswert

von Agneta Lindner, Buch

Peter ist ein armer Hund. Zwar lebt er in QualityLand und nicht in einem der unbedeutenden QuantityLands, hat ein QualityPad, das ihm alles abnimmt, und eine Partnerin, die ihm durch „QualityPartner – Liebe auf den ersten Klick“ vermittelt wurde. Aber im Großen und Ganzen scheint sein Dasein sinn- und freudlos. Zwischen all den Shirley-Anne Kellnerins, Clint Türstehers und Brandy Putzkrafts, ist auch er nur ein kleines Rädchen als Maschinenverschrotter, dem regelmäßig Produkte zugeschickt werden, die er gar nicht bestellt hat.
Möglicherweise liegt Peters Unzufriedenheit daran, dass er mit Nachnamen Arbeitsloser heißt. Somit weiß jeder sofort, was sein Vater ist. Außerdem ist er auf einem nur mageren gesellschaftlichen Level 10 (von 99) verortet und besitzt ebendiese Maschinenpresse, die er von seinem Großvater erbte. Seine Sachbearbeiterin meinte: „Sie wollten doch irgendwas mit Maschinen machen.“ Peter schwebte allerdings ursprünglich Maschinentherapeut vor, ein Beruf, der jedoch seit den Konsumschutzgesetzen verboten ist.
Und so tauchen wir direkt ein in eine Welt, die wir mit Sicherheit nicht haben wollen, die von der unsrigen aber gar nicht mehr weit entfernt scheint. Autonom fahrende Autos und Paketlieferdrohnen, die Peter z.B. grundsätzlich mit 10 Sternen bewertet, damit er hinterher nicht eine Meinungsbefragung aufgedrückt bekommt, sind Normalität. Soldaten sind Qualitätssicherer, ausgewählte Schüler QualiTeenies. Ab einer bestimmten Levelzugehörigkeit im eher höheren Segment kostet das Abtreiben eines Kindes etwa gleich viel wie dessen genetische Verbesserung. Und so weiter und so fort. Hätte Marc-Uwe Kling das Ganze ohne jeglichen Humor verfasst, man würde wohl nach jeder Lektüre apathisch in der Ecke sitzen wie ein verlassener Hase.
Parallel zu Peters Story läuft der Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl. Die Wähler können sich überlegen, ob sie einem ehemaligen Star-Fernsehkoch und Besitzer mächtiger Nahrungsmittelhersteller oder einer Maschine in Menschengestalt ihre Stimme geben wollen. Im Laufe des Buches entwickelt man große Sympathien für John of Us, den Androiden, der nach eigenen Aussagen wirklich etwas für das Volk tun möchte und äußerst intelligente, weitsichtige Gedanken von sich gibt. Der Wahlkampf nimmt an Fahrt auf.
Peter indes nimmt es mit dem System auf. Nachdem er einen rosafarbenen Delfinvibrator zugeschickt bekommt, den er zu seinem großen Ärger nicht zurückgeben kann, will er es wissen und macht sich auf die Reise zu dem Menschen, den sonst nie jemand zu Gesicht bekommt – Henryk Ingenieur, Chef des weltweit beliebtesten Versandhändlers TheShop. Peters Problem ist plötzlich in aller Munde und Peters Abenteuer beginnt.
Zum Buch:

Marc-Uwe Kling (2017): „QualityLand“
Berlin: Ullstein Buchverlage GmbH, 384 Seiten
ISBN: 978-3-550-05015-2
Preis: 18,00€
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