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Vorgehen gegen Rechtsextreme im Stadion

von Bernardo Cantz, Politik

Cottbus hat ein Problem mit seinen Fußballfans: 155 Personen aus dem Umfeld der Cottbuser Fanszene gelten nach Angaben des brandenburgischen Innenministeriums als „gewaltbereit“; 60 gelten als „gewaltsuchend“. Gegen nur 47 Personen sind vonseiten des Fußballvereins Energie Cottbus Stadionverbote verhängt worden. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hervor.

Die bündnisgrüne Landtagsfraktion hatte die Anfrage gestellt, nachdem Medien über Gruppierungen wie „Inferno Cottbus“ (IC) und „Unbequeme Jugend Cottbus“ (UJC) berichtet hatten, die ein „Klima der Angst“ bei friedlichen Fans verbreitet haben sollen und mit rechtsextremen Netzwerken in der Lausitz verwoben sind. Vor allem bei den Spielen gegen den SV Babelsberg wurde die rechte Gesinnung ungeniert zur Schau gestellt. So wurden antisemitische Parolen in Cottbus gesprüht, und einige Leute zeigten im Stadion den Hitlergruß und riefen „Arbeit macht frei – Babelsberg 03“.

Nach den Ausschreitungen von Enerigfans in den Spielen gegen Bautzen, Viktoria Berlin oder Babelsberg war der Konflikt zwischen den Fangruppierungen eskaliert. Berichten zufolge hatten Mitglieder der beiden Fangruppierungen Mitglieder anderer Fan-Gruppen abgepasst und bedroht. Dabei soll der „IC“ den anderen Fangruppen verboten haben, ihre Banner aufzuhängen. Würde dem nicht Folge geleistet, würde man den Verantwortlichen „Hausbesuche“ abstatten. Die Drohung zeigte Wirkung, dennoch eskalierte der „IC“. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichteten, dass Inferno danach mehrere Mitglieder der Fanszene zum Gespräch gebeten hatte, aber statt mit ihnen zu reden, seien diese verprügelt worden.

Das Problem mit gewaltbereiten Fußballfans ist allerdings nicht nur auf den „IC“ und die „UJC“ beschränkt. Die Landesregierung zählt sechs Fangruppen auf, die zum großen Teil gewaltbereit sein sollen: Ultima Raka (UR), Collectivo Bianco Rosso (CBR‘02), Inferno Cottbus, Frontside Cottbus (FSC‘06), Unbequeme Jugend Cottbus und die WK 13 Boys (WK 13).
Nach den Ausschreitungen in Babelsberg distanzierte sich Energie Cottbus von den Randalierern. „Das sind keine Anhänger unseres Vereins, und wir haben keinen von ihnen darum gebeten, unsere Spiele zu besuchen. Im Gegenteil, wir wollen sie nicht“, hieß es in einer Mitteilung des Präsidiums von Energie. Die Vorfälle waren im Mai auch Gegenstand der Beratungen im Innenausschuss des Brandenburger Landtags. Dort sagte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), die Polizeidirektion Süd habe sich lange darum bemüht, jetzt habe man auch im Verein erkannt, dass es ein Problem gebe. In der Vergangenheit habe es zahlreiche Gespräche und Hinweise der Sicherheitsbehörden gegeben. „Wenn der Verein das nicht umsetzt, muss man sich nicht wundern, wenn aus einem kleinen Krebsgeschwür eine große Wucherung entsteht“, so Schröter.
Jetzt sind andere Töne von der Landesregierung zu hören. Auf die Fragen der Grünen antwortete die Landesregierung, das „Präsidium des Vereins setzt Hinweise von Seiten der Polizei, wie auch bisher, konsequent um“. Eine klare Verbesserung der Situation stelle es dar, dass sich der Vorstand nun der aktuellen Kritik stellen und Verbesserungen angehen wolle. Dazu zählt unter anderem, dass der Vorstand des Fußballclubs mit dem Förderverein „Cottbuser Aufbruch“ Kontakt aufgenommen habe, um auch gemeinsame Aktivitäten zu besprechen. Außerdem habe der Verein geplant, ab 2018 eine Sachbearbeiterstelle „Bevollmächtigter für Vielfalt und Toleranz“ zu schaffen.
Die innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Ursula Nonnenmacher, hatte sich Ende Juli mit Vertretern von Energie Cottbus zu Gesprächen getroffen. Ihr Eindruck war, „dass inzwischen Problembewusstsein bei dem Verein eingekehrt ist und der Wille besteht, Verantwortung zu übernehmen“, sagte sie in einer Erklärung. Bis September solle demnach ein Maßnahmepaket erarbeitet werden, um kriminellen Fans Herr zu werden.
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