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André Wagner

Reflections Of India.

von Marc Peschke (www.marcpeschke.de), Buch

Vom Wunsch, in Indien ein anderer zu werden.
Die Fotokunst entdeckt derzeit Indien neu.

Der indische Subkontinent ist seit jeher ein Ort der Phantasie, der Sehnsucht. Doch wer hat Worte für das, was dem Besucher in Indien begegnet? Es ist die Schönheit, aber es sind auch die Widersprüche, die blenden, die manchmal den Blick verstellen. Doch was ist das echte Indien?
Die Geschichte des fotografischen Blicks auf Indien ist lang. Schon in der Pionierzeit der Fotografie – seit Mitte des 19. Jahrhunderts – machten europäische Fotografen in Indien Bilder. Das Fremdartige, Exotische, blieb bis in unsere Zeit fast immer der Fokus all jener, die in Indien fotografierten. Das Fremde, das Unbekannte, ist von größtem Reiz, von allergrößter Attraktivität für Künstler, die es beschreiben, darstellen – und es dadurch für den Daheimgebliebenen konsumierbar machen.
Auch der Berliner Fotokünstler André Wagner – seit Jahren erstaunt er mit seinen fotografischen Serien – hat nun ein Buch über Indien veröffentlicht: „Reflections Of India“. Es ist die Vielfalt des Lebens, die ihn fasziniert: Armut und Exotik, Sinnlichkeit, geistiger Reichtum, momenthafte Lebenszugewandtheit – all das steckt in seinen Bildern. Tempel fotografiert er, das spirituelle Leben, heilige Orte und Zeremonien, aber auch den Alltag der Menschen in den Städten und auf dem Land.
Im ersten Moment sind es die Farben, die betören, die den Betrachter der Bilder umhüllen. Der 1980 in Ostdeutschland geborene Fotograf gibt sich diesen Farben hin, erkennt ihre Vitalität, ihre geheimnisvolle, dunstige Schönheit, überlässt sich dem Rausch der Sinne. Sehr früh morgens hat er fotografiert, spät in der Nacht, im Nebel, mit einer einfachen Ausrüstung, aber auch aufwändiger inszeniert – mit portablen Blitzsystemen oder als Langzeitbelichtung. Stärker noch als in seinem Buch „Authentic Nature“ (für das er in Neuseeland fotografiert hat) findet Wagner jene für ihn so typische – über die Abbildung der Realität hinausgehende – Magie jetzt nicht mehr in der Natur, sondern im Alltag der Menschen.
Das Licht, es illuminiert das indische Leben in so vielen Facetten. „Das abgebildete Licht ist mein Weg durch die Zeit“, hat André Wagner einmal gesagt – und dieser Satz hat noch heute Gültigkeit. In Neuseeland fotografierte Wagner Urwälder, Urlandschaften, Ur-Elemente wie Feuer, Wind, Wasser und Erde. „Vergänglichkeit, Lebensfluss und Sinnsuche sind Themen, die mich in der Fotografie interessieren“, so Wagner.

Schlichtheit, Einfachheit, Geheimnis, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – es ist eine neue, subjektive Sicht, der wir in „Reflections of India“ begegnen. „Was Indien heute und in alle Zukunft ausmacht, ist die Spiritualität und die Toleranz seiner Menschen“, schreibt Navneet Raman in seinem Vorwort. Der Haupttext des Buches stammt von Shri Sarvabhavana, Gastdozent für Hinduismus an der Humboldt Universität Berlin – und so ist „Reflections of India“ nicht nur ein Fotokunstbuch, sondern auch eine schöne Einführung in Philosophie, Glauben und Kulturgeschichte, die helfen kann, unseren Blick auf Indien zu schärfen.
André Wagner: Reflections Of India
Gebundene Ausgabe
128 Seiten
Deutsch und Englisch
Hans-Nietsch-Verlag; Auflage 2012. ISBN 978-3862642175. 24, 90 Euro
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