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Rückblick auf das 28. Filmfestival Cottbus

von René Kubasch, Kultur

Wie immer gibt es Einiges zu berichten vom diesjährigen Cottbuser Filmfestival. In vier verschiedene Wettbewerbe und elf weitere Sektionen waren die Filme eingeordnet. 217 Werke aus 45 (Ko-)Produktionsländern erreichten eine Gesamtspielzeit von 210 Stunden. U.a. war das Märchen „Die Galoschen des Glücks“ ausverkauft. Wer es nicht zum Film geschafft hat, kann ihn an den Weihnachtsfeiertagen auf dem TV-Sender Das Erste verfolgen. Auch das russische Drama „Ice“, welches im Cottbuser Weltspiegel gezeigt wurde, konnte sich einer großen Resonanz erfreuen.

Zum Besucherliebling avancierte der Eröffnungsfilm „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“. Gedreht wurde er in Polen, Großbritannien und Frankreich. Erzählt wird darin die Geschichte des begabten Komponisten Wiktor (Tomasz Kot), der während des Wiederaufbaus im Polen nach dem Zweiten Weltkrieg traditionelle Melodien und fähige Darsteller für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble sucht. Unter den möglichen Kandidaten sticht die Sängerin Zula (Joanna Kulig) besonders hervor. Von Beginn an ist Wiktor begeistert von ihr und stellt sie in den Mittelpunkt des Ensembles. Schon bald verlieben sie sich ineinander und scheinen dabei keine Grenzen zu kennen. Doch bei einem Auftritt in Ostberlin hat Wiktor die Möglichkeit in den Westen zu fliehen. Wird er sein Vorhaben umsetzen und so die Liebe seines Lebens aufgeben?

Als Hintergrund der Geschichte wählte Regisseur und Oscar®-Preisträger Paweł Pawlikowski („Ida“) den Kalten Krieg, wo es für ein Liebespaar eigentlich unmöglich ist ihr leidenschaftliches Zusammensein in Frieden auszuleben. Pawlikowski beschränkt sich nicht darauf einfach nur eine Liebesgeschichte zu erzählen, sondern lässt auch die Bilder an sich sprechen, um so genug Spielraum für eigene Interpretationen zu lassen. Dabei gelingt ihm das Kunststück, das Gesamtwerk in einer besonderen Magie erstrahlen zu lassen. Hat man den Film gesehen, wird man ihn so schnell nicht mehr vergessen. Auch Maskenbildner Waldemar Pokromski wird sich nicht nur an seine Arbeit für „Cold War“, sondern auch an sein Praktikum bei Steven Spielberg zu „Schindlers Liste“ (1993) erinnern. Für seine damalige Arbeit war der Pole für den Bafta Award nominiert und wurde in den Folgejahren u.a. für einige Hollywoodproduktionen wie „Die neun Pforten“ (1999) oder „The First Avengers: Civil War“ (2016) nicht nur für die Maske, sondern auch für das Styling der Haare beauftragt.


Ivan I. Tverdovskiy gewinnt den Specialpreis für die beste Regie

Der russische Regisseur Ivan I. Tverdovskiy gewinnt nicht zum ersten Mal einen Preis beim Cottbuser Filmfestival. Schon vor zwei Jahren erhielt er für sein Drama „Zoologie“ den Hauptpreis für den besten Festivalfilm. In diesem Jahr ging er mit dem Film „Jumpman“ ins Rennen, der von einem Teenager namens Denis (Denis Vlasenko) handelt. Einst als Säugling in die Babyklappe geworfen, wuchs er in den Folgejahren in einem Waisenheim auf. Denis ist nicht so normal, wie man zunächst glauben mag. Er hat die Gabe, keinerlei Schmerzen zu spüren, wenn er sich verletzt. So wirft er sich aus eigener Entscheidung heraus vor fahrende Autos und gibt sich so für die Geldgier und Korruption in seinem Heimatland her. Dabei stehen die Chancen für die verurteilten Autofahrer denkbar schlecht. Doch kann Denis seinen Handlungen, die ihm seine Gabe ermöglichen und der fortwährenden Lebenslüge mental standhalten?

Der Film bedurfte einer Vorbereitungszeit von vier Jahren, wobei der Schwerpunkt auf die sozialen Studien gelegt wurde. Der Hauptdarsteller Denis Vlasenko ist hier zum ersten Mal in einem Film zu sehen. Er studierte Schauspiel und möchte sowohl in der Theater- als auch in der Filmbranche aktiv sein. In „Jumpman“ kann man ihn als Antihelden erleben, der zunehmend mit sich selbst in Konflikt gerät und verletzlicher ist, als er zunächst dachte. Eine Geschichte, die stark an Frank Millers Graphic Novel „Batman: The Dark Knight Returns“ erinnert. Laut Regisseur geschah diese Referenz aber nicht bewusst. Viel mehr schafft es „Jumpman“ seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, die neben Russland auch in Irland, Frankreich und Litauen realisiert wurde. Die Ereignisse im Film beruhen lose auf einer wahren Begebenheit, nach der ein Polizist maßgeblich daran beteiligt war, dass dieses falsche Spiel überhaupt durchgezogen werden konnte.
Gezeigt wurde das Drama bisher bei Filmfestivals in Tschechien, Norwegen, USA und Polen. Ein Fakt, der dem Film dazu verhelfen könnte, schnell zu einem Überflieger zu avancieren.

pictures/artikel/IMG_44436053.jpgFoto: Cold War – Der Breitengrad der Liebe © Neue Visionen Filmverleih
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