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Gesehen: SUNSET BOULEVARD

Premiere 14. Oktober, gesehen am 3. November 2017, Staatstheater Cottbus

von Jens Pittasch, Kultur

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Es ist die große Isabel Dörfler Show. Als Gast gibt sie die Hauptrolle der Norma Desmond und wirkt durch und durch als Star. Möglicherweise sogar über die Rolle heraus, wie es beim stürmischen Applaus scheint, als sie aus Hollywood so gar nicht wieder in Cottbus ankommen will.
Wo sie stimmlich und in der Präsenz auch tatsächlich etwas zu groß erscheint, für die Bühne des Staatstheaters. Orte, die sie sonst ausfüllt, der Friedrichstadt-Palast etwa, erfordern ein anderes Auftreten. Zugleich markiert dieser Umstand auch fast den einzigen Kritikpunkt der Inszenierung, die Distanz zwischen Cottbuser Ensemble und Stargast ist einfach zu groß. Natürlich ist ein Teil davon gewünscht und zeigt die Entrückung der Desmond zur Realität. Das aber erklärt nicht die Kluft im Zusammenspiel. Dörfler macht ihr eigenes Ding, wodurch dem Stück der Zusammenhalt fehlt und mehrmals der Fluss verloren geht.
Dabei sind die Isabel Dörfler zur Seite gestellten Akteure ebenfalls Leute mit Format, Können und Erfahrung. Speziell im Bereich des Musicals ist klar, dass Hardy Brachmann und Heiko Walter eine Bank sind. Und obwohl nur kurz im Einsatz, beindruckt Christian Henneberg.
Apropos Eindruck; das aus Chor, Solisten und Tänzern gemischte Filmvolk liefert mehrmals besonders gelungene Episoden. Das klingt gut, sieht gut aus - nur mit der Textverständlichkeit hapert es. Grund ist das nicht nur in diesen Momenten sehr laute Orchester. Da der Text aber nicht tiefgreifend ist, bleibt das bis auf Ohrenklingeln ohne Folgen.
Die für Frau Dörfler zu kleine Bühne nutzt Barbara Krott (Bühne und Kostüme) dagegen bestens. Ein Dreh hier entlang, und wir sind im Gewimmel der Hollywood-Studios. Ein Dreh dort entlang, und wir sind in der Desmond-Villa. Das Licht weg, und über die Ebenen der Bühne rauscht eine rasante Autoverfolgungsjagd. Das Licht an, und wir sind am Set einer aufwendigen 1001-er Nacht Produktion. Das ist toll gemacht.
Muss vor der Pause zunächst Einiges erklärt und müssen die Figuren und deren Hintergrund erst eingeführt werden, was mitunter - besonders wegen der wirklich holperigen Übersetzung - irgendwie nicht recht fließen will, kommen Handlung und Geschehen später deutlich in Schwung. Trotz, nicht wegen, der eher einfallslosen Webber-Komposition gelingt Regisseur Klaus Seiffert und seinen Akteuren schließlich ein sehenswertes, ja sogar bemerkenswertes Stück.


Ensemble: Norma Desmond - Isabel Dörfler, Joe Gillis - Hardy Brachmann, Betty Schaefer - Debra Stanley, Max von Mayerling - Heiko Walter, Cecil B. de Mille - Ulrich Schneider, Artie Green - Christian Henneberg, Myron/Manfred - Dirk Kleinke, Mary/Psychologin - Liudmila Lokaichuk, Joanna/Astrologin - Carola Fischer, Schuldeneintreiber/Verkäufer - Ingo Witzke, Schuldeneintreiber u.a. - Nils Stäfe, Morino u.a. - Matthias Bleidorn, Sheldrake/Verkäufer - Jens Klaus Wilde, Ärztin/Reporterin - Gesine Forberger, Katherine/Glenn/Masseuse - Sandra Bösel, Anita/Masseuse - Katharina Dittmar, Girl/Danielle u.a. - Meike Funken, Kosmetikerin - Beate Dittmann-Apel;
Musikalische Leitung - Alexander Merzyn, Regie - Klaus Seiffert, Bühne & Kostüme - Barbara Krott, Choreografie - Mario Mariano, Choreinstudierung - Christian Möbius



SUNSET BOULEVARD

Musical nach dem Film von Billy Wilder
Musik von Andrew Lloyd Webber
Buch und Gesangstexte von Don Black & Christopher Hampton
Deutsch von Michael Kunze
Musikalische Leitung ALEXANDER MERZYN
Regie KLAUS SEIFFERT
Bühne BARBARA KROTT
Kostüme BARBARA KROTT
Choreografie MARIO MARIANO

Foto: Marlies Kross
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