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Wir haben einen emanzipatorischen Anspruch an unsere Musik

Interview mit Sharp X Cut

von Eric, Musik

Stellt doch mal eure Band vor!

„Sharp X Cut“ besteht aus drei Menschen und wir machen seit letztem Jahr August zusammen Musik.

Warum habt ihr als Genre „Anarchist Oi“ gewählt? Seht ihr euch als Skinheads?

Wir sehen uns selbst als Teil der Punkszene, was für uns auch die Hardcore- und Skinheadszene beinhaltet. Da wir uns selbst als Anarchisten bezeichnen und von unpolitischem „Macker-Verhalten“ in der Szene angepisst sind, haben wir diese Bezeichnung bewusst als Abgrenzung gewählt.

Bezieht ihr euch damit auf Macker-Verhalten auf die antifaschistische Szene im Allgemeinen
oder gibt es da Bereiche, die besonders hervorstechen?


Das lässt sich schwierig voneinander trennen. Mackerverhalten, Homo-, Trans-*, Biphobie und Sexismus sind Teil einer kapitalistischen Gesellschaft, was sich logischerweise auch in „der Szene“ wieder reproduziert.

Ein Konzept, welches oft praktiziert wird, um diese Macker auszugrenzen, ist, sie einfach zu ignorieren. Aber ihr stellt euch mit der Bezeichnung „Anarchist Oi!“ ihnen direkt in den Weg. Ich würde das also eher als Kampfansage verstehen, statt einer Abgrenzung.

Wir finden, dass es definitiv der falsche Weg ist, solch ein Verhalten nur zu ignorieren und somit als gegeben hinzunehmen. Wir verstehen „die Szene“ als Rückzugsort, trotzdem sie diskriminierendes Verhalten reproduziert. Aus diesem Grund könnte mensch das auch, wie du schon sagtest, als „Kampfansage“ verstehen.

Ihr kommt ja aus Leipzig. Könnt ihr mir erklären wieso gerade in Leipzig szenentechnisch so viel passiert? Immerhin gibt es neben der Band Fontanelle eine zweite klar antifaschistische Kapelle in der Stadt.

Vermutlich liegt es nicht an Leipzig an sich, sondern dass es sich um eine Großstadt handelt und dass hier an vielen Ecken mehr politisch sensibilisiert wird als in kleineren Städten. Daher denken wir, dass es in Leipzig deutlich mehr als zwei klar antifaschistische Bands gibt.
Es gibt zwar das Bild von der „linken Hochburg“ Leipzig. Jedoch sehen wir dies auch durchaus kritisch. Ja, es gibt eine lebendige Szene mit ihren Kiezen, dies führt aber auch zur Isolierung, da nicht mehr über den eigenen Teller- bzw. Stadtrand geblickt wird. Sowohl außerhalb, als auch innerhalb der Szene gibt es genau so viel Scheiße wie in anderen Städten. Es gibt auch in der vermeintlich „linken Hochburg“ Gegenden, in denen sich Antifaschist*innen und POCs nicht frei von Angst bewegen können.

Aber trotzdem ist doch Leipzig gerade – verglichen mit Berlin und Hamburg – immer noch etwas Besonderes. In anderen deutschen Metropolen fehlt eine klare oder starke antifaschistische Subkultur. Durch den „Roten Stern Leipzig“ zum Beispiel kann ein linker Lifestyle ins Umland gebracht werden, zwar nicht wirklich kontinuierlich aber immerhin. Trotzdem würdet ihr Leipzig nicht unbedingt als „linke Hochburg“ ansehen?

Klar, es gibt strikt antifaschistische Vereine, Organisationen und Veranstaltungsräume, die denen in anderen Städten zahlenmäßig überlegen sind. Dennoch passiert es zu oft, sich auf diesen Ruf auszuruhen und nicht mehr den eigenen Arsch hoch zu bekommen und stattdessen diesen Lifestyle nur zu konsumieren. Darum sehen wir diesen Ruf durchaus kritisch, sind aber gleichzeitig super froh, dass es solche Räume gibt.

Habt ihr vorher in anderen Bands schon Erfahrung sammeln können?

Ja, Mitglieder von uns sind auch in anderen Bands aktiv wie z.B. Overthrow Opression.

Könnt ihr Overthrow Oppression mal kurz vorstellen, gibt es das Projekt noch?

Zwei von uns haben das Projekt ziemlich zeitgleich mit „Sharp X Cut“ auf die Beine gestellt. Wir waren Anfang Juni im Studio und in Kürze wird unsere erste Demo online gehen. Musikalisch geht das Ganze eher in Richtung Hardcore mit einem gewissen Metal-Einfluss. Auch in diesem Projekt gibt es eine klare politische Linie.

Eure Songs performt ihr auf Englisch, einer davon ist „Vegan Revolution“. Seid ihr alle vegan lebend? Worum geht es in den anderen Songs?

Für uns gehört Veganismus zum Verständnis eines herrschaftsfreien Lebens dazu. Wir haben einen emanzipatorischen Anspruch an unsere Musik und behandeln in unseren Songs unterschiedliche politische Themen. Des Weiteren möchten wir mit unseren Texten unsere Abneigung gegen den vermeintlich unpolitischen Teil der Szene ausdrücken. Genauso kommt die Szene ihr Fett weg indem wir ganz klar „Macker-Verhalten“ und die Toleranz gegenüber rechts offenen Vollidioten anprangern.

Haltet ihr es für wichtig, dass A-Politik in der Subkultur als Problematik thematisiert wird?

Bei Konzertbesuchen haben wir oft das Gefühl, dass es aufs Shows das Wichtigste ist, sich selbst zu profilieren, sich über den neuesten Schuhkauf auszutauschen oder sich mit „Freund*innen“ die Birne wegzuballern. Wir verstehen die Subkultur allerdings als Alternative zu den herrschenden Verhältnissen und Mainstream-Kulturveranstaltungen. Darum ist es unserer Meinung nach wichtig, dass politische Inhalte vermehrt thematisiert werden. Seien es dabei Anarchismus, Mensch-Tierverhältnisse oder Antifaschismus. Wir streben nach einem schönen Leben für Alle und versuchen dies in unseren Texten zu thematisieren. Glücklicherweise gibt es aber in „der Szene“ nicht nur Vollidioten und Grauzonen-Pisser. Es gibt genug gute Bands und Kollektive, die Veranstaltungen und Vorträge organisieren, auf denen mensch keine Angst vor übergriffigen Verhalten haben muss.

Welche Ziele habt ihr euch als Trio gesetzt?

Wie aus den vorherigen Antworten schon hervorgegangen ist, sind wir von vielen Einstellungen und Handlungen innerhalb der Szene angepisst und hoffen, die*den ein oder Andere*n zu erreichen mit unseren Songs. Gleichzeitig freuen wir uns aber auch auf neuen Input, neue Menschen und Räume kennenzulernen, in denen Utopien gelebt und erprobt werden.

Danke Sharp X Cut für das Interview!

Die Fragen stellte Eric.

Sharp X Cut könnt ihr am Samstag den 17.2. um 21 Uhr im Chekov live sehen!

pictures/artikel/IMG_18618415.jpgFoto: Sharp X Cut
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