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Michael Jürgs: Sklavenmarkt Europa. Das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch

von bc, Buch

Der Mensch ist eine Ware. Dieser Satz mag ungewöhnlich klingen, ist die Sklaverei bei uns verboten. Doch sie existiert, nicht nur in fernen Ländern, sondern auch bei uns. Michael Jürgs hat ein Buch darüber geschrieben: „Sklavenmarkt Europa. Das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch“.
Im „Global Report 2012“ des in Wien unter dem Dach der UNO ansässigen United Nations Office on Drugs an d Crime (UNODC) wird der Menschenhandel als ein „exorbitantes“ Geschäftsmodell bezeichnet. Die Polizeibehörden von 137 Ländern haben sich an der Studie beteiligt, und sie schätzen, dass auf dem Wachstumsmarkt „Mensch“ weltweit jedes Jahr rund 30 Milliarden Dollar verdient werden. In dieser Summe sind „Gewinne aus freiwilliger wie aus erzwungener Prostitution, Erlöse aus freiwilligen wie aus erzwungenen Arbeitsleistungen, aus Kinder- wie aus Organhandel, aus dem Handel mit Haussklaven und Scheinehen wie aus dem Geschäftszweig Menschenschmuggel der Schleuserbanden“.
In der Europäischen Union belaufen sich den Schätzungen zufolge die Gesamterträge aller kriminellen Organisationen auf rund fünfzehn Milliarden Dollar jährlich. Damit liegen die Gewinne im Menschenhandel nur knapp hinter denen im illegalen Geschäft mit Drogen.
Opfer der Menschenhändler sind in der Mehrzahl Frauen. Den Informationen des UNODC zufolge sind zwischen 55 und 60 Prozent aller Opfer des weltweiten Menschenhandels noch nicht volljährige Mädchen und junge Frauen. Mehr als die Hälfte aller Gewinne im Menschenhandel wird mit ihnen auf dem internationalen Sexmarkt erwirtschaftet. Pro Körper lassen sich durchschnittlich 65.000 Dollar Einnahmen generieren, wobei das im Einzelfall immer auch von der jeweiligen Region abhängt. In einem Bordell Westeuropas lassen sich horrende Gewinne in der Prostitution erwirtschaften, was entsprechend den Preis eines Mädchens oder einer jungen Frau in die Höhe schnellen lässt.
Jürgs hat mit vielen Experten gesprochen, suchte die Dunkelfelder des Verbrechens auf, nahm teil an Razzien der Bundespolizei und an Strategietagungen von EUROPOL, interviewte deutsche und europäische Politiker und traf in nichtstaatlichen Organisationen auf mutige Frauen, die Zwangsprostituierte beim Ausstieg helfen.
Kurzum: Er hat ein sachlich und fachlich fundiertes Buch vorgelegt. Anhand zahlreicher Beispiele dokumentiert er eindringlich Ausbeutung und Schicksal der modernen Sklaven und kommt zu einem in der Konsequenz folgenreichen Schluss: Menschenhändler müssen seiner Meinung nach bekämpft werden wie Terroristen und mit allen Mitteln.
Michael Jürgs (2016):
Sklavenmarkt Europa. Das Milliardengeschäft mit der Ware Mensch

München: btb Verlag, 352 Seiten
Preis: 9,99 €, ISBN: 978-3-442-71350-9
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