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Musik-Tipp: Smash Capitalism

Songs for a social revolution

von Seife, Musik

Das Cover legt ja bereits gut vor: den Sampler „Smash Capitalism – Songs for a social revolution“ ziert ein Bild, das aus den 30er oder 20er Jahren zu stammen scheint, auf dem ein wütender, tiefrot gefärbter Arbeiter auf einen runden Tisch haut, an dem ein Kreis von Nazis, Kapitalisten und Militärfritzen sitzt. Auf der Rückseite ist ein Renee (für nicht ganz so dem Skinhead-Kult Nahestehende: Skinhead-Frau) in stolzer Pose mit einem Baseballschläger zu sehen. Eigentlich leuchtet da sofort ein, in welche Richtung es hier musikalisch geht, und das liefern Mad Butcher Records und das Commi Bastard Redskinzine auch: 21 vorwiegend Oi!- und Streetpunksongs mit gelegentlichen Ausflügen in Deutsch-, 77er- und Hardcore-Punk.
Allerdings ist das hier weit weg von der „ficken, saufen, oioioi!“-Mentalität, die diesem Genre zum großen Teil anhaftet. Stattdessen zeigen sich diese Bands hier durchweg politisch radikal links, kommunistisch, anarchistisch und antifaschistisch, was mir persönlich nicht nur gut gefällt, sondern in Zeiten zunehmender Verschlechterung der politischen Situation und eines Versinkens des Punkrocks in belanglosem Saufverhalten auch sehr wichtig erscheint. Auch wenn die Texte teilweise sehr parolenhaft und platt daherkommen, ist mir das doch lieber als hirnamputierter Grauzonen-Saufen-Oi-Müll. Und manchmal ist es ja auch genau diese Parole, die mensch im politischen Kampf hören will.
Mit dabei sind einige Kombos, die sich in diesem Bereich bereits einen Namen gemacht haben. Ganz vorne natürlich THE MOVEMENT, aber auch die russischen BRIGADIR, HORS CONTROLE aus Frankreich sowie ARTIFICIAL EYES und KAPELLE VORWÄRTS aus Doitschland. Die meisten Bands waren mir jedoch neu, wie z.B. MAYDAY, bei denen ich musikalisch einen leichten Hardcore-Einschlag heraushöre; die SUBVERSIVE BRATS, die eine sehr oldschoolige Oi-Nummer im Stil alter englischer Bands beisteuern; GHETTO 84 mit geilem Rock’n‘Roll-Piano und eher Rock‘n‘Roll-lastigem Getöne; ATTILA THE STOCKBROKER & BARNSTORMER, die mit einer Mandola und gewitztem englischen Text daherkommen; die BRIXTON CATS, die als einzige Band auf diesem Sampler nicht-maskulinen Gesang aufweisen und eine der geilsten Nummern der Scheibe beisteuern und COMRADE, die anfangs in ihrem Song „What about the children“ so richtig schön rau und dreckig klingen und mich an THE OPPRESSED erinnern, dann aber mit einer nicht so ganz passenden Mundharmonika und einem unnötigen uffta-uffta-Schlagzeugpart enden.
Die Bands singen sowohl auf Französisch als auch Deutsch, Spanisch und Italienisch, die Texte sind jedoch alle im Booklet mit englischer Übersetzung abgedruckt (außer die deutschsprachigen, was daran liegen mag, dass die CD wahrscheinlich überwiegend in Kaltland vertrieben wird).
Insgesamt kann ich diesen Sampler Freundinnen und Freunden moderner Oi!- und Streetpunkmucke sehr empfehlen, und auch für „alte Schule-Fans“ ist was dabei. Mir persönlich ist das Ganze aber zum größten Teil zu glatt produziert und musikalisch nicht dreckig genug. Doch für die nächsten Demos sind auf jeden Fall einige Kracher dabei und viele der Texte machen Mut, weiter am Ball und aktiv im politischen Geschehen zu bleiben. Und wenigstens gibt es keinen einzigen Skapunk-Song auf der Scheibe, das ist doch auch was Schönes!
Smash Capitalism. Songs for a social revolution
Label: Mad Butcher Records
Sampler-VÖ 2015
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