Home Artikel Nachrichten Heft Suche Termine

Deutliches Zeichen für Strukturwandel durch sorbische Konferenz

von Daniel Häfner, Lausitz

„Wie wollen wir in der Lausitz leben?“ war eine der zentralen Fragen der sorbischen Konferenz zum Strukturwandel am 13. und 14. September in Senftenberg. Mit hochkarätigen Gästen setzte die Tagung ein deutliches Zeichen für den anstehenden Strukturwandel in der zweisprachigen Lausitz.

In der sogenannten Kohlekommission werden auf Bundesebene gerade die Rahmenbedingungen für eine Beendigung der Braunkohleverstromung und die Unterstützung des anstehenden Strukturwandels debattiert. Um den Strukturwandel erfolgreich zu bewältigen, werden einige Milliarden Euro in die Region fließen - diese müssen aber auch an den richtigen Stellen eingesetzt werden. Die Konferenz in Senftenberg, die durch die Domowina organisiert und durch die Zukunftswerkstatt Lausitz mitfinanziert wurde, befasste sich deshalb zentral mit dem Strukturwandel und den Chancen, die sich dadurch für die Region ergeben.

Diskutiert wurden zum einen die Rahmenbedingungen, die für einen solchen Prozess notwendig wären, zum anderen aber auch konkrete Ansatzpunkte, um die Lausitz weiter zukunftsfähig und lebenswert zu gestalten. Dabei standen selbstverständlich Themen wie regionale Kultur und Identität der Lausitz sowie Zweisprachigkeit auf der sorbischen Agenda, diskutiert wurden aber auch ökonomische Chancen bspw. der Kooperation mit den östlichen Nachbarländern, die Rolle von Rückkehrern in die Region oder die Attraktivität von Angeboten an Jugendlichen, die in der Lausitz bleiben sollen. Aber auch aktuelle wirtschaftliche Themen wurden diskutiert wie der Mangel an tausenden Fachkräften und die Unternehmensnachfolge in den nächsten Jahren in bis zu 7.500 überwiegend kleinen Unternehmen wie Handwerksbetrieben mit bis zu 10 Angestellten.

Als wichtig erachtet wurde von vielen Teilnehmenden, dass sich der Prozess des Strukturwandels nicht ausschließlich eng auf wirtschaftliche Themen fokussieren dürfe. Der Ausbau des schnellen Internets in der Region und verschiedene Infrastrukturprojekte wie im Straßen- und besonders auch im Schienenverkehr sind bedeutend. Darüber hinaus sind aber auch die sogenannten „Weichen Standortfaktoren“ ausschlaggebend für die Ansiedlung von Start-Ups, von Kreativen und Internetdienstleistern, die dem „Molloch“ der Ballungszentren und Metropolen entkommen wollen oder Menschen, die in die Region zurückkehren wollen. Viele Dienstleistungen, bspw. im Internet, können mittlerweile beinahe überall erbracht werden. Für eine lebenswerte Region, in der die Kinder in Ruhe aufwachsen können, sind Unternehmen auch bereit, beispielsweise aus Berlin oder Dresden in die Lausitz zu ziehen. Deshalb müssten kulturelle Ansätze im Rahmen des Strukturwandels auch gefördert werden, zu denen bspw. auch freie Schulformate und Ausbildungsmöglichkeiten zählen könnten.

Darüber hinaus wurde festgestellt, dass eine wirkliche Marke der Region „Lausitz“ erst entwickelt werden muss, die überregional und weltweit ausstrahlen könnte. Für eine solche regionale Marke und auch regionale Identität stellen die sorbische Sprache und Kultur ein Alleinstellungsmerkmal dar, bspw. auch den anderen geförderten Kohlerevieren gegenüber.

In den unterschiedlichen Workshops bspw. zur Kreativwirtschaft wurde auch darauf verwiesen, dass eine spezifische Kleinteiligkeit in den Prozessen und Angeboten gerade in den ländlichen Regionen notwendig sei. Insofern sollten neben den Versuchen großer Industrieansiedlungen verschiedene Strukturmaßnahmen gerade im ländlichen Raum auch sehr kleinteilig umsetzbar sein.

Die Konferenz fand insgesamt in einer positiven und konstruktiven Atmosphäre statt und kann insofern als ein positiver Impuls für eine sorbische Perspektive auf den Strukturwandel gesehen werden – und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft einer solchen Tagung: Es gibt Menschen und Institutionen, die sich (weiter) positiv in die Gestaltung der Zukunft der Region einbringen wollen.

pictures/artikel/IMG_38736995.jpgFoto: Tagebau Welzow, pixabay.com cc0
home - artikel - heftarchiv - nachrichten - impressum - datenschutz
folge uns: Facebook - Twitter
Blicklicht, www.kultur-cottbus.de © 2018 Blattwerk e.V. Cottbus