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TheaterBlick: Spektakel - Ein Sturm in Senftenberg

Das Spektakel 2018: Stürme an der Neuen Bühne Senftenberg

von Michael Apel, Kultur

Mit einem Prolog von Frank Düwel beginnt „Das Spektakel 2018: Stürme“ an der Neuen Bühne in Senftenberg. Düwel versucht nicht für Shakespeares Werk eine inhaltliche Ergänzung zu entwickeln, sondern setzt geschickt auf sinnliche Elemente. Zuerst wird der geneigte Zuschauer in einen bunten Trubel aus Seemannsklischee und Filmkulisse getaucht. Im imposant ausgestatteten Innenhof begegnet man frechen Fischweibern, smarten Bootsmännern und wagemutigen Seeleuten. Erwirbt ein persönliches Heuerbuch, um beim Schälen von Kartoffeln und dem Segelsetzen das kleine Einmaleins der Seefahrt zu erlernen. Zudem muss man sich aufdringlichen Kindern, erfahrenen Damen des ältesten Gewerbes und den Anwerbeversuchen eines unmusikalischen Kapitäns erwehren. Wohl dem, der dabei noch die Zeit und Muße findet, der Spielfrau und dem herrlichen Gesang zu folgen.

Drei Farben stehen dann zu Auswahl, die über Sein oder Nichtsein des individuellen Abendprogramms entscheiden und mit einem roten Band um den Arm betrete ich das Theater. Mit Texten von Joseph Conrad will Frank Düwel vor allem eins: Berühren, Theater sinnlich Erleben. So hinterlassen die kleinen Szenen in Studio, Orchestergraben, unter der Drehscheibe und in der schwarzer Probenkammer vor allem Betroffenheit und Ungemach zurück, erzeugt durch vortreffliches Spiel der Schauspieler, aber auch dem konsequenten Wirken von Theaterjugendclub und Seniorentheater.

Dann treibt es das Publikum in den großen Saal zusammen, um Shakespeares „Der Sturm“ in der Übersetzung von Christoph Martin Wieland und der Regie von Manuel Soubeyrand zu erleben. „Ein mächtiger Sturm tobt. Die Gischt peitscht, der Wind zischt und die Wellen wirbeln die Armada des Königs von Neapel im Meer herum.“ Leider bleibt die Armada im hinteren Bühnenbereich gefesselt und wir erfahren wenig über ihre Not. Prospero, der Herrscher der nahe liegenden Insel, will Rache, und die zaubert er sich mit seinem Geist Ariel im Dreierpack herbei.

Durch das farbige Armband geprägt, führt uns der Geist noch einmal durch die Katakomben der Neuen Bühne und wir erleben die große Liebe der Miranda.

Nach der Auflösung und Klärung der Machtfrage, einschließlich Liebesglück gibt es für alle Nachtschwärmer mit einem Epilog von Jan Mixsa noch einen künstlerischen Nachschlag. Diesen theatralischen und intellektuellen Leckerbissen sollte sich kein Theaterbesucher und keine Theaterbesucherin entgehen lassen, auch wenn sie vorher schon in den Pausen die köstlichen Kulinaritäten genossen haben und sich an den herrlichen Texten an den Wänden im U-Boot erfreuten. Was Jan Mixa und Mirko Warnatz da auf die kleine Bühne im oberen Foyer zaubern, erfreut Nichtschwimmer und Rettungsschwimmer gleichermaßen und versöhnt vielleicht mit dem einen oder anderen Moment des Abends.

Bühnenbild und Kostüme (Andreas Walkows und Barbara Fumian) sind beeindruckend und zeugen auch vom großen Leistungsvermögen der Werkstätten der Neuen Bühne. Als hervorragende schauspielerische Leistungen bleiben Tom Bartels als Kapitän, Roland Kurzweg als Caliban und Anja Kunzmann als Miranda in Erinnerung. Aber das können Zuschauer mit einem blauen oder gelben Armband sicher anders sehen. Mein Heuerbuch gebe ich auf jeden Fall nicht mehr her.

pictures/artikel/IMG_41593097.jpgFoto: Nach dem Sturm - Epilog von Jan Mixsa © Steffen Rasche
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